Berufs­aus­bil­dung in Gesund­heits­be­ru­fen – und das Ver­mitt­lungs­mo­no­pol der Bun­des­agen­tur für Arbeit

Das Anwer­bungs- und Ver­mitt­lungs­mo­no­pol der Bun­des­agen­tur für Arbeit nach § 38 Beschäf­ti­gungs­ver­ord­nung (BeschV), wonach die Anwer­bung in und die Arbeits­ver­mitt­lung aus bestimm­ten Staa­ten für eine Beschäf­ti­gung in Gesund­heits- und Pfle­ge­be­ru­fen nur von der BA durch­ge­führt wer­den darf, gilt auch für betrieb­li­che Ausbildungen.

Berufs­aus­bil­dung in Gesund­heits­be­ru­fen – und das Ver­mitt­lungs­mo­no­pol der Bun­des­agen­tur für Arbeit

Dies hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig heu­te in dem Fall einer kame­ru­ni­schen Klä­ge­rin ent­schie­den, die die Ertei­lung eines Visums für eine über einen pri­va­ten Anbie­ter ver­mit­tel­te Aus­bil­dung zur Alten­pfle­ge­rin in Deutsch­land begehr­te. Die Bun­des­agen­tur für Arbeit erteil­te im August 2016 eine Vor­ab­zu­stim­mung für die drei­jäh­ri­ge Berufs­aus­bil­dung. Den Visum­an­trag der Kame­ru­ne­rin lehn­te die deut­sche Bot­schaft in Jaunde/​Kamerun jedoch wegen Zwei­feln an ihrer Aus­bil­dungs­mo­ti­va­ti­on ab.

Die auf Neu­be­schei­dung des Visum­an­tra­ges gerich­te­te Kla­ge hat­te in den Vor­in­stan­zen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin [1] und dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg [2] kei­nen Erfolg. Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts ist die für die Ertei­lung des begehr­ten Visums erfor­der­li­che Zustim­mung der Bun­des­agen­tur für Arbeit wegen Ablaufs der von ihr auf sechs Mona­te fest­ge­leg­ten Gül­tig­keits­dau­er nicht mehr wirk­sam. Die feh­len­de Zustim­mung kön­ne im gericht­li­chen Ver­fah­ren auch nicht ersetzt wer­den, weil das § 38 BeschV zu ent­neh­men­de Anwer­bungs- und Ver­mitt­lungs­ver­bot für eine Beschäf­ti­gung in Gesund­heits- und Pfle­ge­be­ru­fen auch die durch pri­va­te Ver­mitt­lung zustan­de gekom­me­ne Aus­bil­dung der Kame­ru­ne­rin erfasse.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg nun bestätigt:

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ist, so das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, in revi­si­ons­ge­richt­lich nicht zu bean­stan­den­der Aus­le­gung davon aus­ge­gan­gen, dass die Gül­tig­keits­dau­er der von der Bun­des­agen­tur für Arbeit erteil­ten Zustim­mung zur Visumer­tei­lung zum maß­geb­li­chen Zeit­punkt sei­ner Ent­schei­dung abge­lau­fen gewe­sen ist. Die feh­len­de Zustim­mung war hier im gericht­li­chen Ver­fah­ren auch nicht zu erset­zen. Das § 38 BeschV zu ent­neh­men­de Ver­bot der Anwer­bung und Ver­mitt­lung durch Pri­va­te erfasst nach Wort­laut und Sys­te­ma­tik auch betrieb­li­che Aus­bil­dun­gen in Gesund­heits- und Pfle­ge­be­ru­fen. Damit steht einer Zustim­mung der BA nach § 40 Abs. 1 Nr. 1 Auf­en­thG ein zwin­gen­der Ver­sa­gungs­grund entgegen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 19. Novem­ber 2019 – Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt – 1 C 41.18

  1. VG Ber­lin, Urteil vom 25.08.2017 – 28 K 96.17 V[]
  2. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 30.05.2018 – 3 B 25.17[]

Bild­nach­weis:

  • Pfle­ge­heim: Gun­du­la Vogel