Geschlecht: "inter/​divers"

Das Per­so­nen­stands­recht muss einen wei­te­ren posi­ti­ven Geschlechts­ein­trag zulas­sen.

Geschlecht:

Das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) schützt die geschlecht­li­che Iden­ti­tät. Es schützt auch die geschlecht­li­che Iden­ti­tät der­je­ni­gen, die sich dau­er­haft weder dem männ­li­chen noch dem weib­li­chen Geschlecht zuord­nen las­sen.

Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG schützt auch Men­schen, die sich dau­er­haft weder dem männ­li­chen noch dem weib­li­chen Geschlecht zuord­nen las­sen, vor Dis­kri­mi­nie­run­gen wegen ihres Geschlechts.

Per­so­nen, die sich dau­er­haft weder dem männ­li­chen noch dem weib­li­chen Geschlecht zuord­nen las­sen, wer­den in bei­den Grund­rech­ten ver­letzt, wenn das Per­so­nen­stands­recht dazu zwingt, das Geschlecht zu regis­trie­ren, aber kei­nen ande­ren posi­ti­ven Geschlechts­ein­trag als weib­lich oder männ­lich zulässt.

Die Rege­lun­gen des Per­so­nen­stands­rechts sind mit den grund­ge­setz­li­chen Anfor­de­run­gen inso­weit nicht ver­ein­bar, als § 22 Abs. 3 Per­so­nen­stands­ge­setz (PStG) neben dem Ein­trag "weib­lich" oder "männ­lich" kei­ne drit­te Mög­lich­keit bie­tet, ein Geschlecht posi­tiv ein­tra­gen zu las­sen. Das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht (Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG) schützt auch die geschlecht­li­che Iden­ti­tät der­je­ni­gen, die sich dau­er­haft weder dem männ­li­chen noch dem weib­li­chen Geschlecht zuord­nen las­sen. Dar­über hin­aus ver­stößt das gel­ten­de Per­so­nen­stands­recht auch gegen das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot (Art. 3 Abs. 3 GG), soweit die Ein­tra­gung eines ande­ren Geschlechts als "männ­lich" oder "weib­lich" aus­ge­schlos­sen wird. Der Gesetz­ge­ber hat bis zum 31.12 2018 eine Neu­re­ge­lung zu schaf­fen. Gerich­te und Ver­wal­tungs­be­hör­den dür­fen die betref­fen­den Nor­men nicht mehr anwen­den, soweit sie für Per­so­nen, deren Geschlechts­ent­wick­lung gegen­über einer weib­li­chen oder männ­li­chen Geschlechts­ent­wick­lung Vari­an­ten auf­weist und die sich des­we­gen dau­er­haft weder dem männ­li­chen, noch dem weib­li­chen Geschlecht zuord­nen, eine Pflicht zur Anga­be des Geschlechts begrün­den.

Die hier ent­schie­de­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de betraf die Fra­ge, ob die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen und der zugrun­de lie­gen­de § 21 Abs. 1 Nr. 3 in Ver­bin­dung mit § 22 Abs. 3 PStG die beschwer­de­füh­ren­de Per­son in ihren Grund­rech­ten ver­let­zen. Die beschwer­de­füh­ren­de Per­son wur­de bei der Geburt dem weib­li­chen Geschlecht zuge­ord­net und als Mäd­chen in das Gebur­ten­re­gis­ter ein­ge­tra­gen. Sie ver­fügt über einen aty­pi­schen Chro­mo­so­men­satz (sog. Tur­ner-Syn­drom) und fühlt sich dau­er­haft weder dem weib­li­chen noch dem männ­li­chen Geschlecht zuge­hö­rig. Sie bean­trag­te die posi­ti­ve Ein­tra­gung der Geschlechts­an­ga­be "inter/​divers", hilfs­wei­se "divers" in das Gebur­ten­re­gis­ter. Das zustän­di­ge Stan­des­amt lehn­te dies ab, weil § 21 Abs. 1 Nr. 3, § 22 Abs. 3 PStG eine sol­che Ein­tra­gung nicht zulie­ßen. Die beschwer­de­füh­ren­de Per­son hält die Rege­lun­gen für ver­fas­sungs­wid­rig. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gab ihr Recht:

§ 21 Absatz 1 Num­mer 3 des Per­so­nen­stands­ge­set­zes (PStG) in der Fas­sung von Arti­kel 1 des Geset­zes zur Reform des Per­so­nen­stands­rechts (Per­so­nen­stands­rechts­re­form­ge­setz – PStRG) vom 19.02.20071 in Ver­bin­dung mit § 22 Absatz 3 des Per­so­nen­stands­ge­set­zes (PStG) in der Fas­sung von Arti­kel 1 Num­mer 6 Buch­sta­be b des Geset­zes zur Ände­rung per­so­nen­stands­recht­li­cher Vor­schrif­ten (Per­so­nen­stands­rechts-Ände­rungs­ge­setz – PStRÄndG) vom 07.05.20132 ist mit Arti­kel 2 Absatz 1 in Ver­bin­dung mit Arti­kel 1 Absatz 1 und mit Arti­kel 3 Absatz 3 Satz 1 des Grund­ge­set­zes unver­ein­bar, soweit sie eine Pflicht zur Anga­be des Geschlechts begrün­den und dabei Per­so­nen, deren Geschlechts­ent­wick­lung gegen­über einer weib­li­chen oder männ­li­chen Geschlechts­ent­wick­lung Vari­an­ten auf­weist und die sich selbst dau­er­haft weder dem männ­li­chen noch dem weib­li­chen Geschlecht zuord­nen, kei­nen posi­ti­ven Geschlechts­ein­trag ermög­li­chen, der nicht "weib­lich" oder "männ­lich" lau­tet.

Der Gesetz­ge­ber ist ver­pflich­tet, bis zum 31.12 2018 eine ver­fas­sungs­ge­mä­ße Rege­lung her­bei­zu­füh­ren.

Die bestehen­de Rege­lung im Per­so­nen­stands­recht[↑]

Nach der Geburt eines Kin­des ist nach deut­schem Per­so­nen­stands­recht im Gebur­ten­re­gis­ter auch des­sen Geschlecht zu beur­kun­den. Das Kind ist ent­we­der dem weib­li­chen oder dem männ­li­chen Geschlecht zuzu­ord­nen. Wenn dies nicht mög­lich ist, wird das Geschlecht nicht ein­ge­tra­gen. Die bei­den mit­tel­bar ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten des Per­so­nen­stands­ge­set­zes lau­ten wie folgt:

§ 21 Ein­tra­gung in das Gebur­ten­re­gis­ter

(1) Im Gebur­ten­re­gis­ter wer­den beur­kun­det
3. das Geschlecht des Kin­des,

§ 22 Feh­len­de Anga­ben

(3) Kann das Kind weder dem weib­li­chen noch dem männ­li­chen Geschlecht zuge­ord­net wer­den, so ist der Per­so­nen­stands­fall ohne eine sol­che Anga­be in das Gebur­ten­re­gis­ter ein­zu­tra­gen.

§ 22 Abs. 3 PStG wur­de mit der Reform des Per­so­nen­stands­rechts im Jahr 2013 ein­ge­führt. Zuvor hat­te es seit 1875 kei­ne gesetz­li­che Rege­lung zu Per­so­nen gege­ben, deren Geschlecht nicht ein­deu­tig weib­lich oder männ­lich ist. Das All­ge­mei­ne Land­recht für die preu­ßi­schen Staa­ten von 1794 (ALR) hat­te noch Rege­lun­gen zur geschlecht­li­chen Ein­ord­nung von Zwit­tern ent­hal­ten: "Wenn Zwit­ter gebo­ren wer­den, so bestim­men die Ael­tern, zu wel­chem Geschlech­te sie erzo­gen wer­den sol­len" (§ 19 I 1 ALR). "Jedoch steht einem sol­chen Men­schen, nach zurück­ge­leg­tem acht­zehn­ten Jah­re, die Wahl frey, zu wel­chem Geschlecht er sich hal­ten wol­le" (§ 20 I 1 ALR). Mit der Ein­füh­rung der Stan­des­äm­ter und der Füh­rung von Gebur­ten­re­gis­tern durch das "Gesetz über die Beur­kun­dung des Per­so­nen­stan­des und die Ehe­schlie­ßung" vom 06.02.18753 war die­se Rege­lung ersatz­los ent­fal­len. Dadurch ent­stand eine Rege­lungs­lü­cke, die letzt­lich bis zur Reform des Per­so­nen­stands­rechts im Jahr 2013 fort­be­stand4.

Der Neu­re­ge­lung in § 22 Abs. 3 PStG vor­aus­ge­gan­gen sind die Abschlie­ßen­den Bemer­kun­gen des Aus­schus­ses der Ver­ein­ten Natio­nen zur Besei­ti­gung jeder Form der Dis­kri­mi­nie­rung der Frau vom 10.02.2009, in denen der Aus­schuss die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auf­for­der­te, "… in einen Dia­log mit Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen von inter­se­xu­el­len und trans­se­xu­el­len Men­schen ein­zu­tre­ten, um ein bes­se­res Ver­ständ­nis für deren Anlie­gen zu erlan­gen und wirk­sa­me Maß­nah­men zum Schutz ihrer Men­schen­rech­te zu ergrei­fen"5.

Im Jahr 2010 erteil­ten das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung und For­schung und das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit dem Deut­schen Ethik­rat den Auf­trag, im Dia­log mit den von Inter­se­xua­li­tät betrof­fe­nen Men­schen eine Stel­lung­nah­me zur Situa­ti­on inter­ge­schlecht­li­cher Per­so­nen in Deutsch­land zu ver­fas­sen. Im Febru­ar 2012 leg­te der Deut­sche Ethik­rat sei­ne Stel­lung­nah­me vor: Dort heißt es zusam­men­fas­send6:

"Der Deut­sche Ethik­rat ist der Auf­fas­sung, dass ein nicht zu recht­fer­ti­gen­der Ein­griff in das Per­sön­lich­keits­recht und das Recht auf Gleich­be­hand­lung vor­liegt, wenn Men­schen, die sich auf­grund ihrer kör­per­li­chen Kon­sti­tu­ti­on weder dem Geschlecht weib­lich noch männ­lich zuord­nen kön­nen, recht­lich gezwun­gen wer­den, sich im Per­so­nen­stands­re­gis­ter einer die­ser Kate­go­ri­en zuzu­ord­nen.

  1. Es soll­te gere­gelt wer­den, dass bei Per­so­nen, deren Geschlecht nicht ein­deu­tig fest­stell­bar ist, neben der Ein­tra­gung als "weib­lich" oder "männ­lich" auch "ande­res" gewählt wer­den kann.

    Zusätz­lich soll­te gere­gelt wer­den, dass kein Ein­trag erfol­gen muss, bis die betrof­fe­ne Per­son sich selbst ent­schie­den hat. Der Gesetz­ge­ber soll­te ein Höchst­al­ter der betrof­fe­nen Per­son fest­le­gen, bis zu dem sie sich zu ent­schei­den hat.

  2. Es soll­te über die bestehen­de Mög­lich­keit der Ände­rung eines Ein­trags nach § 47 Absatz 2 PStG hin­aus gere­gelt wer­den, dass die Betrof­fe­nen eine Ände­rung des Ein­trags ver­lan­gen kön­nen, wenn sich die bis­he­ri­ge Ein­tra­gung als unrich­tig her­aus­ge­stellt hat.
  3. Als Grund­la­ge für künf­ti­ge Ent­schei­dun­gen des Gesetz­ge­bers soll­ten die Zwe­cke, die mit der Pflicht zur Ein­tra­gung nach der­zei­ti­gem Recht ver­folgt wer­den, eva­lu­iert wer­den. Es soll­te geprüft wer­den, ob eine Ein­tra­gung des Geschlechts im Per­so­nen­stands­re­gis­ter über­haupt noch not­wen­dig ist."

Der Regie­rungs­ent­wurf eines Geset­zes zur Ände­rung per­so­nen­stands­recht­li­cher Vor­schrif­ten (Per­so­nen­stands­rechts-Ände­rungs­ge­setz – PStRÄndG) vom 25.05.2012 griff die Emp­feh­lung des Deut­schen Ethik­rats nicht auf7. Der Bun­des­rat for­der­te die Bun­des­re­gie­rung mit Stel­lung­nah­me vom 06.07.2012 auf, die Emp­feh­lun­gen des Deut­schen Ethik­rats zum The­ma Inter­se­xua­li­tät, die er tei­le, im Rah­men des Geset­zes­ent­wur­fes zu prü­fen8. Die Bun­des­re­gie­rung bekun­de­te in ihrer Gegen­äu­ße­rung, die Pro­ble­me der Betrof­fe­nen und die Stel­lung­nah­me des Ethik­rats sehr ernst zu neh­men. Eine Lösung der kom­ple­xen Pro­ble­me ins­be­son­de­re unter Berück­sich­ti­gung medi­zi­ni­scher Aspek­te kön­ne in die­sem schon weit fort­ge­schrit­te­nen Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren nicht kurz­fris­tig gefun­den wer­den. Vor einer Neu­re­ge­lung wären umfas­sen­de Anhö­run­gen von Betrof­fe­nen und Sach­ver­stän­di­gen durch­zu­füh­ren. Dabei müs­se auch geprüft wer­den, wel­che Ände­run­gen in ande­ren Geset­zen erfor­der­lich wären9. Der Innen­aus­schuss des Bun­des­tags emp­fahl die Auf­nah­me des heu­ti­gen § 22 Abs. 3 PStG10. In der zwei­ten und drit­ten Bera­tung wur­de der Vor­schlag in der Fas­sung des Aus­schus­ses ein­stim­mig ange­nom­men11. Wei­ter­ge­hen­de Rege­lun­gen soll­ten zunächst wei­te­ren Dis­kus­sio­nen durch die Fach­gre­mi­en über­las­sen blei­ben12.

Im Koali­ti­ons­ver­trag für die 18. Legis­la­tur­pe­ri­ode vom 27.11.2013 ver­pflich­te­ten sich die Koali­ti­ons­par­tei­en zur Eva­lu­ie­rung und zum Aus­bau der zwi­schen­zeit­lich erfolg­ten per­so­nen­stands­recht­li­chen Ände­run­gen für inter­ge­schlecht­li­che Men­schen sowie dazu, "die beson­de­re Situa­ti­on von trans- und inter­se­xu­el­len Men­schen in den Fokus" zu neh­men13. Zu die­sem Zweck wur­de im Sep­tem­ber 2014 eine inter­mi­nis­te­ri­el­le Arbeits­grup­pe "Inter­se­xua­li­tät/­Trans-sexua­li­tät" gegrün­det, deren Abschluss­be­richt im ers­ten Halb­jahr 2017 vor­ge­legt wer­den soll­te. Das ist bis­lang nicht erfolgt14.

Die recht­li­che oder fak­ti­sche geschlecht­li­che Zuord­nung, häu­fig auch der per­so­nen­stands­recht­li­che Geschlechts­ein­trag und per­so­nen­stands­recht­li­che Urkun­den, spie­len in unter­schied­li­chen Lebens­si­tua­tio­nen eine Rol­le. Teils hat die Geschlechts­zu­ge­hö­rig­keit bestimm­te recht­li­che Fol­gen, teils wird der Geschlechts­zu­ge­hö­rig­keit im All­tag prak­ti­sche Rele­vanz bei­gemes­sen, mit­un­ter wird der Regis­ter­ein­trag zum Zwe­cke der Iden­ti­fi­zie­rung und Daten­va­li­die­rung oder zu sta­tis­ti­schen Zwe­cken benö­tigt. So ent­hal­ten bei­spiels­wei­se der deut­sche Pass nach § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 PassG und die elek­tro­ni­sche Gesund­heits­kar­te nach § 291 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 SGB V die Anga­be des Geschlechts einer Per­son. Die Vor­la­ge einer Geburts­ur­kun­de oder des Aus­drucks aus dem Gebur­ten­re­gis­ter gegen­über Behör­den, Gerich­ten oder Drit­ten ist in einer Viel­zahl von Lebens­si­tua­tio­nen recht­lich vor­ge­se­hen oder jeden­falls prak­tisch erfor­der­lich; bei­de wei­sen grund­sätz­lich das Geschlecht aus (§ 59 Abs. 1 Nr. 2 und Abs. 2 PStG sowie § 55 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. § 21 Abs. 1 Nr. 3 und § 22 Abs. 3 PStG). Die Vor­la­ge der Geburts­ur­kun­de wird unter ande­rem für die Anmel­dun­gen zum Stu­di­um, zu uni­ver­si­tä­ren Prü­fun­gen, Staats­ex­ami­na und zur Pro­mo­ti­on, bei Bewer­bun­gen in den öffent­li­chen Dienst bezie­hungs­wei­se in das Beam­ten­ver­hält­nis sowie für bestimm­te Aus­bil­dungs­be­ru­fe ange­for­dert.

Aus medi­zi­ni­scher Sicht wird an einer allein binä­ren Geschlechts­kon­zep­ti­on nicht fest­ge­hal­ten. Die Bun­des­ärz­te­kam­mer hat im Jahr 2015 auf Emp­feh­lung ihres Wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats die Stel­lung­nah­me "Ver­sor­gung von Kin­dern, Jugend­li­chen und Erwach­se­nen mit Varianten/​Störungen der Geschlechts­ent­wick­lung15" abge­ge­ben. Dort heißt es, Vari­an­ten der Geschlechts­ent­wick­lung stell­ten eine hete­ro­ge­ne Grup­pe von Abwei­chun­gen der Geschlechts­de­ter­mi­nie­rung oder ‑dif­fe­ren­zie­rung dar. Unter Vari­an­ten der Geschlechts­ent­wick­lung wer­den ange­bo­re­ne Varia­tio­nen der gene­ti­schen, hor­mo­na­len, gon­a­da­len und geni­ta­len Anla­gen eines Men­schen mit der Fol­ge ver­stan­den, dass das Geschlecht einer Per­son nicht mehr ein­deu­tig den bio­lo­gi­schen Kate­go­ri­en ‚männ­lich’ oder ‚weib­lich’ ent­spre­che. Eine Gleich­set­zung mit Fehl­bil­dung oder Krank­heit sei nicht ange­mes­sen16. Die im Jahr 2016 erstell­te "Leit­li­nie der Deut­schen Gesell­schaft für Uro­lo­gie (DGU) e.V., der Deut­schen Gesell­schaft für Kin­der­chir­ur­gie (DGKCH) e.V., der Deut­schen Gesell­schaft für Kin­der­en­do­kri­no­lo­gie und ‑dia­be­to­lo­gie (DGKED) e.V." stellt fest, ange­sichts der bio­lo­gi­schen Zusam­men­hän­ge und der Erleb­nis­welt von Men­schen mit Vari­an­ten der Geschlechts­ent­wick­lung bedür­fe es für die adäqua­te psy­cho­lo­gisch-medi­zi­ni­sche Beglei­tung oder Behand­lung einer Revi­si­on des tra­dier­ten nor­ma­ti­ven Mensch­bil­des von Frau und Mann. Vari­an­ten der Geschlechts­ent­wick­lung sei­en kei­ne Krank­heit. Man kön­ne nicht über deren "Heil­bar­keit" nach­den­ken. Kei­ne medi­zi­ni­sche oder psy­cho­lo­gi­sche Inter­ven­ti­on wer­de an dem Zustand der Unein­deu­tig­keit per se etwas ändern. Der Umgang mit Men­schen mit einer Vari­an­te der Geschlechts­ent­wick­lung sei in der Regel ein gesell­schafts­po­li­ti­sches Pro­blem und müs­se im gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Rah­men bedacht wer­den17. In den medi­zi­ni­schen und psy­cho-sozia­len Wis­sen­schaf­ten besteht zudem weit­ge­hend Einig­keit dar­über, dass sich das Geschlecht nicht allein nach gene­tisch-ana­to­misch-chro­mo­so­ma­len Merk­ma­len bestim­men oder gar her­stel­len lässt, son­dern von sozia­len und psy­chi­schen Fak­to­ren mit­be­stimmt wird18.

Die Anga­ben zur Anzahl der Men­schen in Deutsch­land mit Vari­an­ten der Geschlechts­ent­wick­lung vari­ie­ren je nach­dem, wel­che Erschei­nungs­for­men gezählt wer­den. So wird bei­spiels­wei­se eine Häu­fig­keit von 1:500 Inter­se­xu­el­len in der Bevöl­ke­rung ange­ge­ben19, was einer Anzahl von cir­ca 160.000 Per­so­nen in Deutsch­land ent­spricht20.

Der Aus­gangs­sach­ver­halt[↑]

Die­ser Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts lag ein Fall aus dem Raum Han­no­ver zugrunde:Unter Vor­la­ge einer Chro­mo­so­men­ana­ly­se bean­trag­te die beschwer­de­füh­ren­de Per­son die Berich­ti­gung ihres Geburts­ein­trags beim zustän­di­gen Stan­des­amt dahin­ge­hend, dass die bis­he­ri­ge Geschlechts­an­ga­be "weib­lich" gestri­chen und die Anga­be "inter/​divers", hilfs­wei­se nur "divers", ein­ge­tra­gen wer­den sol­le. Aus­weis­lich der vor­ge­leg­ten Chro­mo­so­men­ana­ly­se ver­fügt sie über einen nume­risch auf­fäl­li­gen Chro­mo­so­men­satz mit einem X‑Chromosom und einem feh­len­den zwei­ten Gono­som. Die Stan­des­amt­auf­sicht wies in ihrer Stel­lung­nah­me dar­auf hin, dass es nicht mög­lich sei, ein drit­tes Geschlecht in das Gebur­ten­re­gis­ter ein­zu­tra­gen. Der Gesetz­ge­ber habe sich für eine binä­re Geschlech­ter­ord­nung ent­schie­den und ledig­lich die Mög­lich­keit geschaf­fen, gar kein Geschlecht ein­zu­tra­gen. Die Regi­on Han­no­ver schloss sich die­ser Stel­lung­nah­me an und lei­te­te den Antrag an das zustän­di­ge Amts­ge­richt wei­ter.

Das Amts­ge­richt Han­no­ver wies den Berich­ti­gungs­an­trag zurück, da die Ein­tra­gung eines drit­ten Geschlechts auch nach Inkraft­tre­ten des Per­so­nen­stands-Ände­rungs­ge­set­zes nicht mög­lich sei. Gemäß § 21 Abs. 1 Nr. 3, § 22 Abs. 3 PStG sei das Geschlecht des Kin­des mit "weib­lich" oder "männ­lich" oder ohne eine sol­che Anga­be ein­zu­tra­gen. Die Anga­be des Geschlechts mit "inter" oder "divers" sei nicht vor­ge­se­hen. Eine Ver­fas­sungs­wid­rig­keit die­ser Rege­lung sei nicht zu erken­nen21.

Das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le wies die hier­ge­gen gerich­te­te Beschwer­de zurück22. Das Amts­ge­richt habe den Berich­ti­gungs­an­trag in Über­ein­stim­mung mit dem Wort­laut der § 21 Abs. 1 Nr. 3, § 22 Abs. 3 PStG zurück­ge­wie­sen. Die beschwer­de­füh­ren­de Per­son kön­ne ledig­lich eine Strei­chung des Ein­trags "weib­lich" errei­chen. Das Tat­be­stands­merk­mal "Geschlecht" in § 21 Abs. 1 Nr. 3 PStG müs­se nicht ver­fas­sungs­kon­form dahin­ge­hend aus­ge­legt wer­den, dass es neben "männ­lich" und "weib­lich" als drit­tes Geschlecht "inter" oder "divers" gebe. § 22 Abs. 3 PStG sei in der jetzt gül­ti­gen Fas­sung nicht ver­fas­sungs­wid­rig.

Die hier­ge­gen gerich­te­te Rechts­be­schwer­de wies der Bun­des­ge­richts­hof zurück23. Eine Ände­rung der Ein­tra­gung im Gebur­ten­re­gis­ter in "inter" bezie­hungs­wei­se "divers" sei nach gel­ten­dem Recht nicht mög­lich. Eine ande­re Aus­le­gung des Tat­be­stands­merk­mals Geschlecht in § 21 Abs. 1 Nr. 3 PStG kom­me nicht in Betracht. Für eine Vor­la­ge der Sache an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bestehe kei­ne Ver­an­las­sung, da das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt § 21 Abs. 1 Nr. 3, § 22 Abs. 3 PStG nicht für ver­fas­sungs­wid­rig hal­te. Die antrag­stel­len­de Per­son kön­ne gemäß § 48 Abs. 1, § 47 Abs. 2 Nr. 1 in Ver­bin­dung mit § 22 Abs. 3 PStG errei­chen, dass die Anga­be des Geschlechts nach­träg­lich aus dem Gebur­ten­re­gis­ter gelöscht wer­de. Weil der Bezeich­nung "inter" oder "divers" im Gebur­ten­re­gis­ter kein mate­ri­el­ler Gehalt gegen­über­ste­he, mache es für die Betrof­fe­nen im Ergeb­nis kei­nen ver­fas­sungs­recht­lich bedeut­sa­men Unter­schied, ob ein geschlechts­zu­ord­nen­der Ein­trag unter­blei­be oder ein Ein­trag erfol­ge, der kei­nem bestehen­den Geschlecht zuge­ord­net wer­den kön­ne, also rein dekla­ra­to­ri­scher Natur sei. In wel­cher Wei­se der Gesetz­ge­ber von Ver­fas­sungs wegen gehal­ten sei, der Situa­ti­on der Betrof­fe­nen durch eine Ände­rung des mate­ri­el­len Fami­li­en­rechts Rech­nung zu tra­gen, sei im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren nicht zu prü­fen. Durch die Schaf­fung eines wei­te­ren Geschlechts wären staat­li­che Ord­nungs­in­ter­es­sen betrof­fen. Dar­um gehe es der antrag­stel­len­den Per­son hier aber nicht.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de[↑]

Mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de rügt die beschwer­de­füh­ren­de Per­son eine Ver­let­zung ihres all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts aus Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG sowie eine Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Geschlechts nach Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG und einen Ver­stoß gegen das Gleich­be­hand­lungs­ge­bot des Art. 3 Abs. 1 GG und erhielt nun vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Recht:

Die zuläs­si­ge Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist begrün­det. § 21 Abs. 1 Nr. 3 in Ver­bin­dung mit § 22 Abs. 3 PStG ist inso­fern ver­fas­sungs­wid­rig, als § 21 Abs. 1 Nr. 3 PStG zur per­so­nen­stands­recht­li­chen Ein­tra­gung des Geschlechts zwingt, § 22 Abs. 3 PStG aber Per­so­nen, deren Geschlechts­ent­wick­lung gegen­über einer weib­li­chen oder männ­li­chen Geschlechts­ent­wick­lung Vari­an­ten auf­weist und die sich selbst dau­er­haft weder dem männ­li­chen noch dem weib­li­chen Geschlecht zuord­nen, neben dem Geschlechts­ein­trag "weib­lich" oder "männ­lich" kei­nen wei­te­ren posi­ti­ven Geschlechts­ein­trag ermög­licht. Die mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen beru­hen auf die­sen Bestim­mun­gen. Sie ver­let­zen die beschwer­de­füh­ren­de Per­son in ihrem all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­recht (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) und ver­sto­ßen gegen das Ver­bot der Benach­tei­li­gung wegen des Geschlechts (Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG).

Per­so­nen­stand und all­ge­mei­nes Per­sön­lich­keits­recht[↑]

§ 21 Abs. 1 Nr. 3 in Ver­bin­dung mit § 22 Abs. 3 PStG ver­stößt gegen das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) in sei­ner Aus­prä­gung als Schutz der geschlecht­li­chen Iden­ti­tät. Das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht schützt die geschlecht­li­che Iden­ti­tät auch jener Per­so­nen, die weder dem männ­li­chen noch dem weib­li­chen Geschlecht zuzu­ord­nen sind. In deren Grund­recht wird ein­ge­grif­fen, weil das gel­ten­de Per­so­nen­stands­recht dazu zwingt, das Geschlecht zu regis­trie­ren, aber kei­nen ande­ren Geschlechts­ein­trag als weib­lich oder männ­lich zulässt. Der Grund­rechts­ein­griff ist nicht gerecht­fer­tigt.

Das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht schützt die geschlecht­li­che Iden­ti­tät der beschwer­de­füh­ren­den Per­son.

Abs. 1 GG gewährt jedem das Recht auf die freie Ent­fal­tung sei­ner Per­sön­lich­keit. Die­ses Grund­recht umfasst neben der all­ge­mei­nen Hand­lungs­frei­heit das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG). Letz­te­res ergänzt als "unbe­nann­tes" Frei­heits­recht die spe­zi­el­len ("benann­ten") Frei­heits­rech­te, die eben­falls kon­sti­tu­ie­ren­de Ele­men­te der Per­sön­lich­keit schüt­zen24. Eine der Auf­ga­ben des all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts ist es dabei, Grund­be­din­gun­gen dafür zu sichern, dass die ein­zel­ne Per­son ihre Indi­vi­dua­li­tät selbst­be­stimmt ent­wi­ckeln und wah­ren kann25. Das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht schützt indes­sen nur sol­che Ele­men­te der Per­sön­lich­keits­ent­fal­tung, die – ohne bereits Gegen­stand der beson­de­ren Frei­heits­ga­ran­ti­en des Grund­ge­set­zes zu sein – die­sen in ihrer kon­sti­tu­ie­ren­den Bedeu­tung für die Per­sön­lich­keit nicht nach­ste­hen26. Es ver­bürgt also nicht Schutz gegen alles, was die selbst­be­stimm­te Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung auf irgend­ei­ne Wei­se beein­träch­ti­gen könn­te; ohne­hin ver­mag kein Mensch sei­ne Indi­vi­dua­li­tät unab­hän­gig von äuße­ren Gege­ben­hei­ten und Zuge­hö­rig­kei­ten zu ent­wi­ckeln. Der lücken­schlie­ßen­de Schutz des all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts greift aber dann, wenn die selbst­be­stimm­te Ent­wick­lung und Wah­rung der Per­sön­lich­keit spe­zi­fisch gefähr­det ist27.

Das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht schützt danach auch die geschlecht­li­che Iden­ti­tät28, die regel­mä­ßig ein kon­sti­tu­ie­ren­der Aspekt der eige­nen Per­sön­lich­keit ist. Der Zuord­nung zu einem Geschlecht kommt für die indi­vi­du­el­le Iden­ti­tät unter den gege­be­nen Bedin­gun­gen her­aus­ra­gen­de Bedeu­tung zu; sie nimmt typi­scher­wei­se eine Schlüs­sel­po­si­ti­on sowohl im Selbst­ver­ständ­nis einer Per­son als auch dabei ein, wie die betrof­fe­ne Per­son von ande­ren wahr­ge­nom­men wird. Die Geschlechts­zu­ge­hö­rig­keit spielt in den all­täg­li­chen Lebens­vor­gän­gen eine wich­ti­ge Rol­le: Teil­wei­se regelt das Recht Ansprü­che und Pflich­ten in Anknüp­fung an das Geschlecht, viel­fach bil­det das Geschlecht die Grund­la­ge für die Iden­ti­fi­ka­ti­on einer Per­son, und auch jen­seits recht­li­cher Vor­ga­ben hat die Geschlechts­zu­ge­hö­rig­keit im täg­li­chen Leben erheb­li­che Bedeu­tung. Sie bestimmt etwa weit­hin, wie Men­schen ange­spro­chen wer­den oder wel­che Erwar­tun­gen an das äuße­re Erschei­nungs­bild einer Per­son, an deren Erzie­hung oder an deren Ver­hal­ten gerich­tet wer­den.

Geschützt ist auch die geschlecht­li­che Iden­ti­tät jener Per­so­nen, die weder dem männ­li­chen noch dem weib­li­chen Geschlecht zuzu­ord­nen sind. Die­se Per­so­nen könn­ten ihre Per­sön­lich­keit mög­li­cher­wei­se unge­hin­der­ter ent­fal­ten, wenn der geschlecht­li­chen Zuord­nung gene­rell gerin­ge­re Bedeu­tung zukä­me. Doch ist unter den gege­be­nen Bedin­gun­gen die geschlecht­li­che Zuord­nung ein beson­ders rele­van­ter Aspekt der frem­den Wahr­neh­mung wie auch des eige­nen Ver­ständ­nis­ses der Per­sön­lich­keit. Auch die beschwer­de­füh­ren­de Per­son betont die prak­ti­sche Bedeu­tung der geschlecht­li­chen Zuord­nung und macht gel­tend, dass die geschlecht­li­che Iden­ti­tät unter die­sen Umstän­den kon­sti­tu­ti­ver Bestand­teil ihrer Per­sön­lich­keit sei.

Die durch § 21 Abs. 1 Nr. 3 in Ver­bin­dung mit § 22 Abs. 3 PStG getrof­fe­ne Rege­lung greift in das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht in sei­ner Aus­prä­gung als Schutz der geschlecht­li­chen Iden­ti­tät ein und gefähr­det spe­zi­fisch die Ent­wick­lung und Wah­rung der Per­sön­lich­keit der beschwer­de­füh­ren­den Per­son in ihrer geschlecht­li­chen Iden­ti­tät.

Die mit­tel­bar ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen grei­fen in das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht in sei­ner Aus­prä­gung als Schutz der geschlecht­li­chen Iden­ti­tät ein. Das Per­so­nen­stands­recht zwingt dazu, das Geschlecht zu regis­trie­ren, ermög­licht der beschwer­de­füh­ren­den Per­son, deren Geschlechts­ent­wick­lung gegen­über einer weib­li­chen oder männ­li­chen Geschlechts­ent­wick­lung Vari­an­ten auf­weist und die sich selbst dau­er­haft weder dem männ­li­chen noch dem weib­li­chen Geschlecht zuord­net, aber kei­nen per­so­nen­stands­recht­li­chen Geschlechts­ein­trag, der ihrer Geschlechts­iden­ti­tät ent­sprä­che29. Nach § 21 Abs. 1 Nr. 3 PStG ist das Geschlecht einer Per­son im Gebur­ten­re­gis­ter per­so­nen­stands­recht­lich zu beur­kun­den. Als posi­ti­ve Ein­tra­gungs­mög­lich­kei­ten ste­hen dafür nur das Geschlecht "weib­lich" und das Geschlecht "männ­lich", nicht aber eine wei­te­re Mög­lich­keit des Geschlechts­ein­trags zur Ver­fü­gung. Dies folgt aus § 22 Abs. 3 PStG ("Feh­len­de Anga­ben"), wonach der Per­so­nen­stands­fall ohne Anga­be in das Gebur­ten­re­gis­ter ein­zu­tra­gen ist, wenn das Kind weder dem weib­li­chen noch dem männ­li­chen Geschlecht zuge­ord­net wer­den kann. Eine posi­ti­ve Ein­tra­gung in das Gebur­ten­re­gis­ter kann nicht erfol­gen. Infol­ge­des­sen muss die beschwer­de­füh­ren­de Per­son einen Ein­trag hin­neh­men, der ihrer grund­recht­lich geschütz­ten geschlecht­li­chen Iden­ti­tät nicht ent­spricht.

Zwar hat sie nach § 22 Abs. 3 PStG die Mög­lich­keit der Strei­chung ihres weib­li­chen Geschlechts­ein­trags im Gebur­ten­re­gis­ter. Das besei­tigt den Grund­rechts­ein­griff jedoch nicht: Die beschwer­de­füh­ren­de Per­son wäre nicht nur durch die feh­ler­haf­te Zuord­nung als Frau, son­dern im Rah­men der der­zei­ti­gen Rechts­la­ge auch durch die Wahl der gesetz­li­chen Vari­an­te "feh­len­de Anga­be" (§ 22 Abs. 3 PStG) in ihrer geschlecht­li­chen Iden­ti­tät beein­träch­tigt. Durch den offe­nen Geschlechts­ein­trag wür­de nicht abge­bil­det, dass sie sich zwar nicht als Mann oder als Frau, aber auch nicht als geschlechts­los begreift, und nach eige­nem Emp­fin­den ein Geschlecht jen­seits von männ­lich oder weib­lich hat. Die "feh­len­de Anga­be" belässt es bei dem allein binä­ren Grund­mus­ter der Geschlechts­zu­ge­hö­rig­keit und ruft den Ein­druck her­vor, dass die recht­li­che Aner­ken­nung einer wei­te­ren Geschlechts­iden­ti­tät nicht in Betracht kommt und die Geschlechts­ein­tra­gung ledig­lich noch nicht geklärt, noch kei­ner Lösung zuge­führt oder auch ver­ges­sen wur­de. Eine Aner­ken­nung der beschwer­de­füh­ren­den Per­son in ihrer dem eige­nen Emp­fin­den ent­spre­chen­den Geschlecht­lich­keit liegt hier­in nicht. Der Ein­trag bleibt aus ihrer Sicht unzu­tref­fend, weil eine blo­ße Löschung eines binä­ren Geschlechts­ein­trags den Ein­druck feh­len­der Geschlecht­lich­keit erweckt30.

Ver­langt das Per­so­nen­stands­recht einen Geschlechts­ein­trag, ver­wehrt es einer Per­son aber zugleich die per­so­nen­stands­recht­li­che Aner­ken­nung ihrer geschlecht­li­chen Iden­ti­tät, ist die selbst­be­stimm­te Ent­wick­lung und Wah­rung der Per­sön­lich­keit die­ser Per­son spe­zi­fisch gefähr­det:

Unter den gege­be­nen Umstän­den hat die per­so­nen­stands­recht­li­che Aner­ken­nung des Geschlechts Iden­ti­tät stif­ten­de und aus­drü­cken­de Wir­kung. Der Per­so­nen­stand ist kei­ne Mar­gi­na­lie, son­dern ist nach dem Gesetz die "Stel­lung einer Per­son inner­halb der Rechts­ord­nung" (§ 1 Abs. 1 Satz 1 PStG). Mit dem Per­so­nen­stand wird eine Per­son nach den gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Kri­te­ri­en ver­mes­sen; er umschreibt in zen­tra­len Punk­ten die recht­lich rele­van­te Iden­ti­tät einer Per­son. Daher gefähr­det die Ver­weh­rung der per­so­nen­stands­recht­li­chen Aner­ken­nung der geschlecht­li­chen Iden­ti­tät bereits an sich, das heißt unab­hän­gig davon, wel­che Fol­gen außer­halb des Per­so­nen­stands­rechts an den Geschlechts­ein­trag geknüpft sind, die selbst­be­stimm­te Ent­wick­lung und Wah­rung der Per­sön­lich­keit einer Per­son spe­zi­fisch.

Spe­zi­fi­sche Bedeu­tung für die geschlecht­li­che Iden­ti­tät erlangt der per­so­nen­stands­recht­li­che Ein­trag für sich genom­men zwar nur, weil das Per­so­nen­stands­recht über­haupt die Anga­be der Geschlechts­zu­ge­hö­rig­keit ver­langt. Täte es dies nicht, gefähr­de­te es auch die Ent­wick­lung und Wah­rung der Per­sön­lich­keit nicht spe­zi­fisch, wenn die kon­kre­te Geschlechts­zu­ge­hö­rig­keit einer Per­son kei­nen per­so­nen­stands­recht­li­chen Nie­der­schlag fän­de. Es han­del­te sich dann beim Geschlecht um kei­ne Grö­ße von per­so­nen­stands­recht­li­cher Rele­vanz. Ein von der kon­kre­ten Rechts­la­ge los­ge­lös­ter Anspruch auf per­so­nen­stands­recht­li­che Aner­ken­nung belie­bi­ger Iden­ti­täts­merk­ma­le ergibt sich aus dem all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­recht nicht.

Nach § 21 Abs. 1 Nr. 3 PStG umfasst der Per­so­nen­stand indes­sen der­zeit auch das Geschlecht. An einer Regis­trie­rung des Geschlechts als per­so­nen­stands­recht­li­chem Ord­nungs­merk­mal hat der Gesetz­ge­ber trotz mehr­fa­cher Refor­men des Per­so­nen­stands­rechts fest­ge­hal­ten. Misst der Gesetz­ge­ber dem Geschlecht so über das Per­so­nen­stands­recht erheb­li­che Bedeu­tung für die Beschrei­bung einer Per­son und ihrer Rechts­stel­lung bei, hat die per­so­nen­stands­recht­li­che Aner­ken­nung der kon­kre­ten Geschlechts­zu­ge­hö­rig­keit bereits für sich genom­men eine Iden­ti­tät stif­ten­de und aus­drü­cken­de Wir­kung, ohne dass es noch dar­auf ankä­me, wel­che mate­ri­ell-recht­li­chen Kon­se­quen­zen der Per­so­nen­stands­ein­trag außer­halb des Per­so­nen­stands­rechts hat31. Fin­det unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen die geschlecht­li­che Iden­ti­tät einer Per­son per­so­nen­stands­recht­lich kei­ne Aner­ken­nung, gefähr­det dies die selbst­be­stimm­te Ent­wick­lung und Wah­rung der Per­sön­lich­keit spe­zi­fisch.

Ins­be­son­de­re erschwert das per­so­nen­stands­recht­li­che Erfor­der­nis des Geschlechts­ein­trags in Kom­bi­na­ti­on mit den begrenz­ten Ein­tra­gungs­mög­lich­kei­ten den Betrof­fe­nen, sich in der Öffent­lich­keit als die Per­son zu bewe­gen und von ande­ren als die Per­son gese­hen zu wer­den, die sie in geschlecht­li­cher Hin­sicht sind. Die Art und Wei­se, wie eine Per­son dar­ge­stellt und in der Öffent­lich­keit und durch ande­re wahr­ge­nom­men wird, ist aber für die Mög­lich­kei­ten frei­er Ent­fal­tung der Per­sön­lich­keit von Bedeu­tung und kann spe­zi­fi­sche Gefähr­dun­gen begrün­den32. Dass das Per­so­nen­stands­recht den Geschlechts­ein­trag for­dert, den hier Betrof­fe­nen aber kei­nen dem Selbst­ver­ständ­nis gemä­ßen Geschlechts­ein­trag im Per­so­nen­re­gis­ter ermög­licht, trägt dazu bei, dass sie in ihrer indi­vi­du­el­len Iden­ti­tät nicht in glei­chem Maße und in glei­cher Selbst­ver­ständ­lich­keit wahr­ge­nom­men wer­den und Aner­ken­nung fin­den wie weib­li­che oder männ­li­che Per­so­nen. Wie die beschwer­de­füh­ren­de Per­son plau­si­bel gel­tend macht, kann das Indi­vi­du­um den per­so­nen­stands­recht­li­chen Geschlechts­ein­trag bei ihrem Auf­tre­ten in der Öffent­lich­keit häu­fig nicht ein­fach über­ge­hen.

Der Ein­griff ist nicht gerecht­fer­tigt. Die den Gerichts­ent­schei­dun­gen zugrun­de lie­gen­de gesetz­li­che Rege­lung ist ver­fas­sungs­wid­rig, weil der Zwang zum per­so­nen­stands­recht­li­chen Geschlechts­ein­trag in Kom­bi­na­ti­on mit der Ver­sa­gung einer wei­te­ren posi­ti­ven Ein­tra­gungs­mög­lich­keit jen­seits von "weib­lich" oder "männ­lich" von kei­nem legi­ti­men Zweck getra­gen ist, den zu errei­chen die Rege­lung geeig­net, erfor­der­lich und ange­mes­sen wäre.

Das Grund­ge­setz gebie­tet nicht, den Per­so­nen­stand hin­sicht­lich des Geschlechts aus­schließ­lich binär zu regeln. Es zwingt weder dazu, das Geschlecht als Teil des Per­so­nen­stan­des zu nor­mie­ren, noch steht es der per­so­nen­stands­recht­li­chen Aner­ken­nung einer wei­te­ren geschlecht­li­chen Iden­ti­tät jen­seits des weib­li­chen und männ­li­chen Geschlechts ent­ge­gen. Zwar spricht Art. 3 Abs. 2 Satz 1 GG von "Män­nern" und "Frau­en". Eine abschlie­ßen­de begriff­li­che Fest­le­gung des Geschlechts allein auf Män­ner und Frau­en ergibt sich dar­aus jedoch nicht. Aus dem Gleich­be­rech­ti­gungs­ge­bot des Art. 3 Abs. 2 GG folgt, dass bestehen­de gesell­schaft­li­che Nach­tei­le zwi­schen Män­nern und Frau­en besei­tigt wer­den sol­len. Stoß­rich­tung der Norm ist es vor allem, geschlechts­be­zo­ge­ne Dis­kri­mi­nie­rung zu Las­ten von Frau­en zu besei­ti­gen33, nicht jedoch, eine geschlecht­li­che Zuord­nung im Per­so­nen­stands­recht fest­zu­schrei­ben oder eine wei­te­re Geschlechts-kate­go­rie jen­seits von "männ­lich" und "weib­lich" aus­zu­schlie­ßen. Soweit das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt frü­her for­mu­liert hat, unse­re Rechts­ord­nung und unser sozia­les Leben gin­gen von dem Prin­zip aus, dass jeder Mensch ent­we­der "männ­li­chen" oder "weib­li­chen" Geschlechts sei34, han­del­te es sich schon damals nicht um die Fest­stel­lung, eine Geschlech­ter­bi­na­ri­tät sei von Ver­fas­sungs wegen vor­ge­ge­ben, son­dern um eine blo­ße Beschrei­bung des zum dama­li­gen Zeit­punkt vor­herr­schen­den gesell­schaft­li­chen und recht­li­chen Ver­ständ­nis­ses der Geschlechts­zu­ge­hö­rig­keit.

Dass § 22 Abs. 3 PStG kei­ne drit­te Mög­lich­keit bie­tet, ein Geschlecht posi­tiv in das Gebur­ten­re­gis­ter ein­tra­gen zu las­sen, lässt sich nicht mit Belan­gen Drit­ter recht­fer­ti­gen. Der Sta­tus per­so­nen­stands­recht­li­cher Män­ner und Frau­en bleibt durch die Eröff­nung einer wei­te­ren Ein­tra­gungs­mög­lich­keit unbe­rührt. Dies gilt auch für die Per­so­nen mit Vari­an­ten der Geschlechts­ent­wick­lung, die sich selbst gleich­wohl dem männ­li­chen oder weib­li­chen Geschlecht zuord­nen, ent­spre­chend regis­triert sind und sein wol­len. Durch die blo­ße Eröff­nung der Mög­lich­keit eines wei­te­ren Geschlechts­ein­trags wird nie­mand gezwun­gen, sich die­sem wei­te­ren Geschlecht zuzu­ord­nen. Die Ermög­li­chung eines wei­te­ren Geschlechts­ein­trags ver­mehrt die Optio­nen von Men­schen mit einer Vari­an­te der Geschlechts­ent­wick­lung, die über den Ein­trag als Mann oder Frau nicht abge­bil­det wird, ohne ihnen Mög­lich­kei­ten zu neh­men, die das Recht bis­lang bie­tet. In einem Rege­lungs­sys­tem, das Geschlechts­an­ga­ben vor­sieht, müs­sen die der­zeit bestehen­den Mög­lich­kei­ten für Per­so­nen mit Vari­an­ten der Geschlechts­ent­wick­lung, sich als weib­lich oder männ­lich oder ohne Geschlechts­ein­trag regis­trie­ren zu las­sen, erhal­ten blei­ben.

Dass kei­ne Mög­lich­keit besteht, ein wei­te­res Geschlecht ein­tra­gen zu las­sen, ist auch nicht des­halb gerecht­fer­tigt, weil mit der Ein­füh­rung einer drit­ten posi­ti­ven Ein­tra­gungs­mög­lich­keit in einer Über­gangs­zeit ein büro­kra­ti­scher und finan­zi­el­ler Auf­wand ver­bun­den sein kann. Zwar müss­ten die for­ma­len und tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen zur Erfas­sung eines wei­te­ren Geschlechts zunächst geschaf­fen wer­den. Gegen­über der Grund­rechts­be­ein­träch­ti­gung, die es bedeu­tet, in der eige­nen geschlecht­li­chen Iden­ti­tät durch das Recht igno­riert zu wer­den, wäre der durch die Ermög­li­chung einer ein­heit­li­chen drit­ten Bezeich­nung ver­ur­sach­te Mehr­auf­wand aber hin­zu­neh­men. Ein Anspruch auf per­so­nen­stands­recht­li­che Ein­tra­gung belie­bi­ger Iden­ti­täts­merk­ma­le, die einen Bezug zum Geschlecht haben, ergibt sich aus dem all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­recht hin­ge­gen nicht. Davon abge­se­hen steht es dem Gesetz­ge­ber frei, in per­so­nen­stands­recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten ganz auf den Geschlechts­ein­trag zu ver­zich­ten.

Ord­nungs­in­ter­es­sen des Staa­tes ver­mö­gen die Ver­weh­rung einer wei­te­ren ein­heit­li­chen posi­ti­ven Ein­tra­gungs­mög­lich­keit eben­falls nicht zu recht­fer­ti­gen. Sofern die recht­li­che Iden­ti­fi­ka­ti­on von Per­so­nen de lege lata anhand ihres Geschlechts erfolgt und ein­zel­ne recht­li­che Pflich­ten und Ansprü­che nach gel­ten­dem Recht anhand des Geschlechts zuge­ord­net sind, trägt die per­so­nen­stands­recht­li­che Regis­trie­rung des Geschlechts zwar dazu bei, dass die­se Iden­ti­fi­ka­ti­on und Zuord­nung sicher und ein­deu­tig erfol­gen kann35. Das recht­fer­tigt es jedoch nicht, dass nach § 22 Abs. 3 PStG kein ande­res Geschlecht als das männ­li­che oder das weib­li­che im Per­so­nen­stands­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wer­den kann.

Durch die Ermög­li­chung des posi­ti­ven Ein­trags eines wei­te­ren Geschlechts unter einer ein­heit­li­chen drit­ten Bezeich­nung36 ent­ste­hen kei­ne Zuord­nungs­pro­ble­me, die sich nach gel­ten­dem Recht nicht ohne­hin schon stel­len. Unklar­hei­ten könn­ten auf­tre­ten, wenn eine Rege­lung außer­halb des Per­so­nen­stands­rechts an das Geschlecht anknüpft und vor­aus­setzt, dass die Per­son ent­we­der weib­li­chen oder männ­li­chen Geschlechts ist. Wie eine Per­son zu behan­deln wäre, die einem wei­te­ren Geschlecht zuge­ord­net ist, wäre dann in der Tat unklar. Die­se Schwie­rig­keit besteht jedoch bereits nach gel­ten­dem Recht in glei­cher Wei­se, wenn der Geschlechts­ein­trag nach § 22 Abs. 3 PStG offen­bleibt. Dann ist eine Zuord­nung zum männ­li­chen oder zum weib­li­chen Geschlecht eben­falls nicht mög­lich: Inso­weit regelt das mate­ri­el­le Recht weder, wel­che geschlechts­be­zo­ge­nen Vor­schrif­ten gel­ten sol­len, noch hat der Gesetz­ge­ber eigen­stän­di­ge Rege­lun­gen für Per­so­nen ohne Geschlechts­ein­trag geschaf­fen. Wird ein wei­te­rer posi­ti­ver Geschlechts­ein­trag ermög­licht, sind somit die glei­chen Fra­gen zu klä­ren, die sich auch bei der de lege lata mög­li­chen Nicht­ein­tra­gung des Geschlechts stel­len. Der posi­ti­ve Ein­trag eines wei­te­ren Geschlechts könn­te viel­mehr kla­rer sein, weil er im Gegen­satz zum dau­er­haft offe­nen Geschlechts­ein­trag nicht den fal­schen Ein­druck ver­mit­telt, die Ein­tra­gung sei ver­se­hent­lich unter­blie­ben.

Auch die Dau­er­haf­tig­keit des Per­so­nen­stands wird durch die Opti­on eines wei­te­ren Geschlechts­ein­trags nicht beein­träch­tigt, weil mit der blo­ßen Schaf­fung einer wei­te­ren Ein­tra­gungs­mög­lich­keit zum Geschlecht kei­ne Aus­sa­ge zu den Vor­aus­set­zun­gen des Wech­sels des Per­so­nen­stands getrof­fen ist.

Dis­kri­mi­nie­rung wegen des Geschlechts[↑]

Soweit § 21 Abs. 1 Nr. 3 in Ver­bin­dung mit § 22 Abs. 3 PStG die Ein­tra­gung eines Geschlechts jen­seits der Kate­go­ri­en "männ­lich" und "weib­lich" aus­schlie­ßen, ver­stößt dies auch gegen das beson­de­re Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot des Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG. Die mit­tel­bar ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen benach­tei­li­gen Men­schen, die nicht männ­li­chen oder weib­li­chen Geschlechts sind und sich selbst dau­er­haft einem wei­te­ren Geschlecht zuord­nen. Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG schützt nicht nur Män­ner und Frau­en, son­dern auch Men­schen, die sich die­sen bei­den Kate­go­ri­en in ihrer geschlecht­li­chen Iden­ti­tät nicht zuord­nen, vor Dis­kri­mi­nie­run­gen wegen ihres Geschlechts. Die Benach­tei­li­gung ist nicht gerecht­fer­tigt.

§ 21 Abs. 1 Nr. 3 in Ver­bin­dung mit § 22 Abs. 3 PStG benach­tei­ligt Men­schen, die nicht männ­li­chen oder weib­li­chen Geschlechts sind und sich selbst dau­er­haft einem wei­te­ren Geschlecht zuord­nen, wegen ihres Geschlechts. Nach Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG darf das Geschlecht grund­sätz­lich nicht als Anknüp­fungs­punkt für eine recht­li­che Ungleich­be­hand­lung her­an­ge­zo­gen wer­den. Das gilt auch dann, wenn eine Rege­lung nicht auf eine nach Art. 3 Abs. 3 GG ver­bo­te­ne Ungleich­be­hand­lung ange­legt ist, son­dern in ers­ter Linie ande­re Zie­le ver­folgt37. § 21 Abs. 1 Nr. 3 in Ver­bin­dung mit § 22 Abs. 3 PStG behan­delt Men­schen, die nicht männ­li­chen oder weib­li­chen Geschlechts sind, ungleich und benach­tei­ligt sie wegen ihres Geschlechts inso­fern, als die­se im Gegen­satz zu Män­nern und Frau­en nicht ihrem Geschlecht gemäß regis­triert wer­den kön­nen. § 22 Abs. 3 PStG lässt aus­drück­lich nur die Ein­tra­gung als weib­lich oder als männ­lich zu. Ande­re Men­schen müs­sen im gel­ten­den Per­so­nen­stands­recht ent­we­der die unzu­tref­fen­de Zuord­nung zu einem der bei­den genann­ten Geschlech­ter oder aber einen Ein­trag hin­neh­men, der den Ein­druck erweckt, sie hät­ten kein Geschlecht.

Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG schützt nicht nur Män­ner vor Dis­kri­mi­nie­run­gen wegen ihres männ­li­chen Geschlechts und Frau­en vor Dis­kri­mi­nie­run­gen wegen ihres weib­li­chen Geschlechts, son­dern schützt auch Men­schen, die sich die­sen bei­den Kate­go­ri­en in ihrer geschlecht­li­chen Iden­ti­tät nicht zuord­nen, vor Dis­kri­mi­nie­run­gen wegen die­ses weder allein männ­li­chen noch allein weib­li­chen Geschlechts38.

Zweck des Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG ist es, Ange­hö­ri­ge struk­tu­rell dis­kri­mi­nie­rungs­ge­fähr­de­ter Grup­pen vor Benach­tei­li­gung zu schüt­zen39. Die Vul­nera­bi­li­tät von Men­schen, deren geschlecht­li­che Iden­ti­tät weder Frau noch Mann ist, ist in einer über­wie­gend nach binä­rem Geschlechts­mus­ter agie­ren­den Gesell­schaft beson­ders hoch. Der Wort­laut des Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG lässt es ohne Wei­te­res zu, sie in den Schutz ein­zu­be­zie­hen. Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG spricht ohne Ein­schrän­kung all­ge­mein von "Geschlecht", was auch ein Geschlecht jen­seits von männ­lich oder weib­lich sein kann.

In sys­te­ma­ti­scher Hin­sicht besteht kein Wider­spruch zum Gleich­be­rech­ti­gungs­ge­bot des Art. 3 Abs. 2 GG, das nur von Män­nern und Frau­en spricht40. So nennt schon der Wort­laut des Absat­zes 3, anders als Absatz 2 nicht Män­ner und Frau­en, son­dern spricht all­ge­mein vom Geschlecht. Vor allem aber besitzt Art. 3 Abs. 2 GG gegen­über Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG eigen­stän­di­ge Bedeu­tung, die die enge­re Fas­sung von Absatz 2 erklärt. Der über das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot des Art. 3 Abs. 3 GG hin­aus­rei­chen­de Rege­lungs­ge­halt von Art. 3 Abs. 2 GG besteht dar­in, dass er ein Gleich­be­rech­ti­gungs­ge­bot auf­stellt und die­ses auch auf die gesell­schaft­li­che Wirk­lich­keit erstreckt41. Seit 1994 betont Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG die tat­säch­li­che Durch­set­zung der Gleich­be­rech­ti­gung im Geschlech­ter­ver­hält­nis.

Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te steht der Annah­me, dass Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG die Dis­kri­mi­nie­rung wegen eines wei­te­ren Geschlechts erfasst, eben­falls nicht ent­ge­gen. Dass dem Ver­fas­sungs­ge­ber 1949 bei der For­mu­lie­rung von Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG kaum Men­schen wei­te­ren Geschlechts vor Augen gestan­den haben dürf­ten, hin­dert die Ver­fas­sungs­in­ter­pre­ta­ti­on nicht dar­an, die­se Men­schen ange­sichts des heu­ti­gen Wis­sens um wei­te­re geschlecht­li­che Iden­ti­tä­ten in den Dis­kri­mi­nie­rungs­schutz ein­zu­be­zie­hen.

Auch die Ent­schei­dung des ver­fas­sungs­än­dern­den Gesetz­ge­bers, das Merk­mal der "sexu­el­len Iden­ti­tät" nicht in Art. 3 Abs. 3 GG auf­zu­neh­men, spricht – unge­ach­tet von Bedeu­tungs­un­ter­schie­den zwi­schen Geschlechts­iden­ti­tät und sexu­el­ler Iden­ti­tät – nicht gegen eine wei­te Inter­pre­ta­ti­on des Merk­mals "Geschlecht". Zuletzt wur­de die Ein­fü­gung des Merk­mals der sexu­el­len Iden­ti­tät nicht wegen inhalt­li­cher Beden­ken gegen den ange­streb­ten Dis­kri­mi­nie­rungs­schutz der sexu­el­len Iden­ti­tät, son­dern mit dem Argu­ment abge­lehnt, die­ser sei recht­lich bereits ver­wirk­licht; der Schutz vor Dis­kri­mi­nie­run­gen wegen der sexu­el­len Iden­ti­tät durch Art. 3 Abs. 1 GG decke sich nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts mitt­ler­wei­le mit dem Schutz nach Art. 3 Abs. 3 GG42.

Im Übri­gen hat auch der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on den Schutz vor geschlechts­be­zo­ge­ner Dis­kri­mi­nie­rung weit gefasst, indem er Dis­kri­mi­nie­run­gen ein­be­zieht, die ihre Ursa­che in der Geschlechts­um­wand­lung einer Per­son haben43.

Die Benach­tei­li­gung ist nicht gerecht­fer­tigt. Wie gese­hen, gibt es hier­für kei­nen trag­fä­hi­gen Grund.

Kei­ne Nich­tig­keit, Über­gangs­an­ord­nung und Ände­rungs­pflicht[↑]

Die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit einer mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de mit­tel­bar ange­grif­fe­nen gesetz­li­chen Vor­schrift führt in der Regel zu ihrer Nich­tig­keit (§ 95 Abs. 3 Satz 2 BVerfGG). Hier kommt jedoch nur eine Unver­ein­bar­keits­er­klä­rung in Betracht, weil dem Gesetz­ge­ber meh­re­re Mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung ste­hen, die Benach­tei­li­gung der Betrof­fe­nen zu besei­ti­gen44. So könn­te der Gesetz­ge­ber auf einen per­so­nen­stands­recht­li­chen Geschlechts­ein­trag gene­rell ver­zich­ten. Er kann aber statt­des­sen auch für die betrof­fe­nen Per­so­nen – zusätz­lich zu der bestehen­den Opti­on kei­nen Geschlechts­ein­trag vor­zu­neh­men (§ 22 Abs. 3 PStG) – die Mög­lich­keit schaf­fen, eine ein­heit­li­che posi­ti­ve Bezeich­nung eines Geschlechts zu wäh­len, das nicht männ­lich oder weib­lich ist. Die Opti­on eines wei­te­ren Geschlechts­ein­trags lässt sich gesetz­lich auf unter­schied­li­che Wei­se aus­ge­stal­ten. Ins­be­son­de­re ist der Gesetz­ge­ber nicht auf die Wahl einer der von der antrag­stel­len­den Per­son im fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren ver­folg­ten Bezeich­nun­gen beschränkt.

Gerich­te und Ver­wal­tungs­be­hör­den dür­fen die Nor­men im Umfang der fest­ge­stell­ten Unver­ein­bar­keit nicht mehr anwen­den. Der Gesetz­ge­ber muss bis zum 31.12 2018 eine Neu­re­ge­lung tref­fen. Ver­fah­ren, in denen eine Per­son mit Vari­an­ten der Geschlechts­ent­wick­lung, die sich zudem selbst dau­er­haft weder dem männ­li­chen noch dem weib­li­chen Geschlecht zuord­net, die Ein­tra­gung einer ande­ren Geschlechts­be­zeich­nung als männ­lich oder weib­lich begehrt, sind bis zu einer Neu­re­ge­lung aus­zu­set­zen.

Kon­se­quen­zen im vor­lie­gen­den Fall[↑]

Die Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs, des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le und des Amts­ge­richts Han­no­ver beru­hen auf der mit den genann­ten Grund­rech­ten unver­ein­ba­ren Rege­lung und ver­sto­ßen gegen die Grund­rech­te der beschwer­de­füh­ren­den Per­son. Die Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs und des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le wer­den auf­ge­ho­ben. Die Sache wird an das Ober­lan­des­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Das Ver­fah­ren ist bis zu einer gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung aus­zu­set­zen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 10. Okto­ber 2017 – 1 BvR 2019 – /​16

  1. BGBl. I Sei­te 122 []
  2. BGBl. I Sei­te 1122 []
  3. RGBl I S. 23 []
  4. dazu Wacke, in: Fest­schrift für Kurt Reb­mann, 1989, S. 861, 868 ff.; Kol­be, Inter­se­xua­li­tät, Zwei­ge­schlecht­lich­keit und Ver­fas­sungs­recht, 2010, S. 81; Lett­ra­ri, Aktu­el­le Aspek­te der Rechts­la­ge zur Inter­se­xua­li­tät, 2015, S. 6 []
  5. CEDAW/​C/​DEU/​CO/​6 Nr. 62 []
  6. BT-Drs. 17/​9088, S. 59 []
  7. BR-Drs. 304/​12; BT-Drs. 17/​10489, S. 5 ff. []
  8. BT-Drs. 17/​10489, S. 56 []
  9. BT-Drs. 17/​10489, S. 72; BT-Ple­nar­pro­to­koll 17/​219, S. 27222 []
  10. BT-Drs. 17/​12192, S. 3, 11 []
  11. vgl. BT-Ple­nar­pro­to­koll 17/​219, S. 27217 ff. []
  12. vgl. BT-Ple­nar­pro­to­koll 17/​219, S. 27222 []
  13. vgl. Koali­ti­ons­ver­trag zwi­schen CDU, CSU und SPD, 18. Legis­la­tur­pe­ri­ode, S. 105 []
  14. vgl. Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf eine Klei­ne Anfra­ge der Frak­ti­on BÜNDNIS 90/​DIE GRÜNEN, BT-Drs. 18/​7310, S. 14 []
  15. Dis­or­ders of Sex Deve­lop­ment, DSD []
  16. vgl. Bun­des­ärz­te­kam­mer, Deut­sches Ärz­te­blatt vom 30.01.2015, S. 1, 2 []
  17. Arbeits­ge­mein­schaft der Wis­sen­schaft­li­chen Medi­zi­ni­schen Fach­ge­sell­schaf­ten e.V., AWMF, S2k-Leit­li­nie Regis­ter Nr. 174/​001, Stand: 07/​2016, Vari­an­ten der Geschlechts­ent­wick­lung, S. 4 []
  18. z.B. Bun­des­ärz­te­kam­mer, a.a.O., S. 5, 7; Pschy­rem­bel, Kli­ni­sches Wör­ter­buch, 266. Aufl.2014, Stich­wort: Geschlecht; Rich­ter-Appelt, in: Irr­sin­nig weib­lich – Psy­chi­sche Kri­sen im Frau­en­le­ben, Aufl.2016, S. 107, 116 []
  19. Pschy­rem­bel, a.a.O., Stich­wort: Inter­se­xua­li­tät []
  20. wei­te­re Zah­len­an­ga­ben bei Schmidt am Busch, AöR 2012, S. 441, 443; Böcker/​Denk u.a., Patho­lo­gie, 5. Aufl.2012, S. 730; Johow/​Voland, APuZ 2012, S. 9, 12 f.; Helms, Brau­chen wir ein drit­tes Geschlecht?, 2015, S. 3 m.w.N.; Bun­des­ärz­te­kam­mer, a.a.O., S. 4; vgl. auch Alt­hof­f/­Sch­ab­ram/­Foll­mar-Otto, Gut­ach­ten Geschlech­ter­viel­falt im Recht – Sta­tus quo und Ent­wick­lung von Rege­lungs­mo­del­len zur Aner­ken­nung und zum Schutz von Geschlech­ter­viel­falt, BMFSFJ (Hrsg.), 2017, S. 18 und Fn. 39 []
  21. AG Han­no­ver, Beschluss vom 13.10.2014 – 85 III 105/​14 []
  22. OLG Cel­le, Beschluss vom 21.01.2015 – 17 W 28/​14 []
  23. BGH, Beschluss vom 22.06.2016 – XII ZB 52/​15 []
  24. vgl. BVerfGE 54, 148, 153 []
  25. vgl. BVerfGE 35, 202, 220; 79, 256, 268; 90, 263, 270; 117, 202, 225 []
  26. vgl. BVerfGE 79, 256, 268; 99, 185, 193; 120, 274, 303; stRspr []
  27. BVerfGE 141, 186, 201 f. Rn. 32 []
  28. vgl. BVerfGE 115, 1, 14 ff.; 116, 243, 259 ff.; 121, 175, 190 ff.; 128, 109, 123 ff. []
  29. vgl. zum Ein­griffs­cha­rak­ter bereits BVerfGE 49, 286, 298; 60, 123, 132 ff.; 116, 243, 259 ff.; 121, 175, 190 ff.; 128, 109, 124 []
  30. vgl. Alt­hof­f/­Scha-bram/­Foll­mar-Otto, a.a.O., S. 24, 44; vgl. auch Vöneky/​Wilms, Stel­lung­nah­me zur Situa­ti­on von Men­schen mit Inter­se­xua­li­tät in Deutsch­land im Deut­schen Ethik­rat, 2011, S. 3; Sie­be­richs, Fam­RZ 2013, S. 1180, 1181; Gössl, NZFam 2016, 1122, 1123 []
  31. vgl. zur eigen­stän­di­gen Grund­rechts­re­le­vanz des Regis­ter­ein­trags für den Fall von Trans­se­xua­li­tät bereits BVerfGE 49, 286, 297 f.; s. auch zur Namens­füh­rung BVerfGE 104, 373, 385; 109, 256, 266; 115, 1, 14 []
  32. vgl. BVerfGE 99, 185, 193; 114, 339, 346; 119, 1, 24; Kube, in: Isensee/​Kirchhof, HStR VII, 3. Aufl.2009, § 148 Rn. 29, 43 ff., ins­bes. Rn. 46; Di Fabio, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 2 Rn. 166 ff. [Sept.2016]; Drei­er, in: Drei­er, GG, Bd. 1, 3. Aufl.2013, Art. 2 I Rn. 72 ff. []
  33. vgl. BVerfGE 85, 191, 207; Heun, in: Drei­er, GG, Bd. 1, 3. Aufl.2013, Art. 3 Rn. 107; Jarass, in: Jarass/​Pieroth, GG, 14. Aufl.2016, Art. 3 Rn. 79; Rüf­ner, in: Bon­ner Kom­men­tar, Bd. 2, Art. 3 Abs. 2 und 3 Rn. 550 [Mai 1996]; Sack­s­of­sky, Das Grund­recht auf Gleich­be­rech­ti­gung, 2. Aufl.1996, S. 323 ff., ins­bes. S. 331 []
  34. vgl. BVerfGE 49, 286, 298 []
  35. vgl. BVerfGE 128, 109, 129 f. []
  36. vgl. zu Vor­schlä­gen z.B. die Stel­lung­nah­me des Deut­schen Ethik­rats, BT-Drs. 17/​9088, S. 59 []
  37. BVerfGE 85, 191, 206; stRspr []
  38. vgl. Lan­gen­feld, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 3 Abs. 2 Rn. 24 sowie Art. 3 Abs. 3 Rn. 42 [Sept.2016]; Krie­ger, in: Schmidt-Bleib­treu/Hof­man­n/Hen­ne­ke, 13. Aufl.2014, GG, Art. 3 Rn. 77; Jarass, in: Jarass/​Pieroth, GG, 14. Aufl.2016, Art. 3 Rn. 120; Sachs, in: Isensee/​Kirchhof, HStR VIII, 3. Aufl.2010, § 182 Rn. 42; Froese, AöR 2015, S. 598, 611; Lett­ra­ri, Aktu­el­le Aspek­te der Rechts­la­ge zu Inter­se­xua­li­tät, 2015, S. 13; Kol­be, Inter­se­xua­li­tät, Zwei­ge­schlecht­lich­keit und Ver­fas­sungs­recht, 2010, S. 120 ff.; Schmidt, in: Schochow/​Gehrmann/​Steger, Inter* und Trans*identitäten, 2016, S. 231, 245 f., 251 f.; Ada­mietz, Geschlecht als Erwar­tung, 2011, S. 246 ff. []
  39. vgl. BVerfGE 88, 87, 96; Osterloh/​Nußberger, in: Sachs, GG, 7. Aufl.2014, Art. 3 Rn. 236, 244 []
  40. vgl. aber Heun, in: Drei­er, GG, Bd. 1, 3. Aufl.2013, Art. 3 Rn. 127; Boy­sen, in: von Münch/​Kunig, GG, Bd. 1, 6. Aufl.2012, Art. 3 Rn. 155; Kischel, in: Epping/​Hillgruber, Beck‘scher Online-Kom­men­tar Grund­ge­setz, 31. Edi­ti­on, Stand Dezem­ber 2016, Art. 3 Rn. 183, 219; Hufen, Staats­recht II Grund­rech­te, 5. Aufl.2016, § 40 Rn. 3; Mans­sen, Staats­recht II Grund­rech­te, 13. Aufl.2016, Rn. 831; vgl. auch Starck, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 1, 6. Aufl.2010, Art. 3 Abs. 3 Rn. 383 []
  41. BVerfGE 85, 191, 206 f. []
  42. vgl. BT-Drs. 17/​4775, S. 5 []
  43. grund­le­gend EuGH, Urteil vom 30.04.1996, P./S. und Corn­wall Coun­ty Coun­cil, – C‑13/​94, Slg. 1996, I‑2143, Rn.20 []
  44. vgl. BVerfGE 133, 59, 99 Rn. 106; stRspr []