Hartz-IV-Regel­be­darf

Die der­zei­ti­ge Höhe des Regel­be­darfs nach dem SGB II (Arbeits­lo­sen­geld II) für ein Ehe­paar mit einem zwei­jäh­ri­gen Kind ist nach Ansicht des Bun­des­so­zi­al­ge­richts nicht ver­fas­sungs­wid­rig zu nied­rig bemes­sen.

Hartz-IV-Regel­be­darf

In dem jetzt vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall bewil­lig­te das beklag­te Job­cen­ter Del­men­horst bewil­lig­te den Eltern sowie ihrem gemein­sa­men, am 15. Okto­ber 2009 gebo­re­nen Sohn im Mai 2011 Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts nach dem SGB II in Höhe von monat­lich 1182 €. Dabei leg­te er der Berech­nung einen Regel­be­darf für die bei­den Erwach­se­nen in Höhe von je 328 € sowie für den Sohn in Höhe von 215 € zu Grun­de. Leis­tun­gen für Unter­kunft und Hei­zung erbrach­te er in tat­säch­li­cher Höhe.

Einen Anspruch der Klä­ger auf höhe­res ALG II und Sozi­al­geld hat das Sozi­al­ge­richt ver­neint, ins­be­son­de­re hat es die vom Gesetz­ge­ber zum 1. Janu­ar 2011 neu bestimm­te Höhe der Regel­be­dar­fe für ver­fas­sungs­ge­mäß gehal­ten. Auch in der Revi­si­ons­in­stanz hat­ten die Klä­ger kei­nen Erfolg. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt konn­te sich ins­be­son­de­re nicht davon über­zeu­gen, dass der Gesetz­ge­ber die Höhe der Regel­be­dar­fe der Klä­ger zum 1. Janu­ar 2011 unter Ver­stoß gegen die Men­schen­wür­de (Art 1 GG) in Ver­bin­dung mit dem Sozi­al­staats­prin­zip (Art 20 GG) zu nied­rig bemes­sen hat.

Dies gilt nach Ansicht des Bun­des­so­zi­al­ge­richts sowohl für den Regel­be­darf eines Allein­ste­hen­den, von dem der Regel­be­darf von zwei Erwach­se­nen, die zusam­men­le­ben, abge­lei­tet ist, als auch dem von zwei Erwach­se­nen, in deren Haus­halt ein zwei­jäh­ri­ges Kind lebt. Eben­so wenig ist der für Kin­der bis zur Voll­endung des 2. Lebens­jah­res gesetz­lich vor­ge­se­he­ne Bedarf in ver­fas­sungs­wid­ri­ger Wei­se zu nied­rig bemes­sen.

Sowohl die Metho­de (Bestim­mung eines Ver­tei­lungs­schlüs­sels für die Zuord­nung der Bedar­fe zu ein­zel­nen Per­so­nen inner­halb der Fami­lie) zur Bestim­mung des kind­li­chen Bedarfs, als auch die Auf­spal­tung der Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen in Regel­be­darf sowie Bil­dungs- und Teil­ha­be­be­dar­fe führt nach Ansicht des Bun­des­so­zi­al­ge­richts nicht zu einer Ver­let­zung von Ver­fas­sungs­recht. Regel­be­darf und Bedar­fe für Bil­dung und Teil­ha­be zusam­men­ge­nom­men decken den grund­si­che­rungs­re­le­van­ten Bedarf von Kin­dern und Jugend­li­chen.

Nicht ent­schei­dend ist dabei, dass der Sohn im kon­kre­ten Fall kei­ne Teil­ha­be­leis­tun­gen in Anspruch genom­men hat und nicht fest­ge­stellt wor­den ist, wel­che Teil­ha­be­an­ge­bo­te in der Wohn­ort­ge­mein­de bzw dem sozia­len Umfeld des Soh­nes tat­säch­lich vor­han­den sind. Die Teil­ha­be­mög­lich­kei­ten sind zwar abhän­gig von den ört­li­chen Ver­hält­nis­sen. Die Leis­tungs­an­sprü­che sol­len jedoch ledig­lich gewähr­leis­ten, dass den Betrof­fe­nen eine Teil­ha­be im Rah­men der bestehen­den ört­li­chen Infra­struk­tur ermög­licht wird. Damit reicht es für die Exis­tenz­si­che­rung aus, wenn die Inan­spruch­nah­me ent­spre­chen­der Ange­bo­te durch die Teil­ha­be­leis­tun­gen grund­sätz­lich sicher­ge­stellt wer­den kann. Unschäd­lich ist auch, dass der Gesetz­ge­ber das Exis­tenz­mi­ni­mum im Bil­dungs- und Teil­ha­be­be­reich durch Sach- oder Dienst­leis­tun­gen (vor allem Gut­schei­ne) und nicht durch Geld­leis­tun­gen sichert, denn die Form der Leis­tungs­er­brin­gung ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts grund­sätz­lich ihm über­las­sen. Eben­so wenig ist die Höhe der Teil­ha­be­leis­tun­gen von 10 € monat­lich für Mit­glieds­bei­trä­ge in den Berei­chen Sport, Spiel, Kul­tur und Gesel­lig­keit, Unter­richt in künst­le­ri­schen Fächern (zum Bei­spiel Musik­un­ter­richt) und ver­gleich­ba­re ange­lei­te­te Akti­vi­tä­ten der kul­tu­rel­len Bil­dung sowie die Teil­nah­me an Frei­zei­ten nach Auf­fas­sung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts ver­fas­sungs­recht­lich zu bean­stan­den.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 28. März 2013 – B 4 AS 12/​12 R