Zweit­ge­rä­te­frei­heit für inter­net­fä­hi­ge Rech­ner im Arbeits­zim­mer

Betreibt ein Rund­funk­teil­neh­mer in den aus­schließ­lich pri­vat genutz­ten Räu­men sei­nes Ein­fa­mi­li­en­hau­ses ange­mel­de­te Rund­funk­emp­fangs­ge­rä­te und zusätz­lich in sei­nem beruf­lich genutz­ten häus­li­chen Arbeits­zim­mer einen inter­net­fä­hi­gen Rech­ner (Per­so­nal­com­pu­ter), so ist die­ser Rech­ner in dem Arbeits­zim­mer von Rund­funk­ge­büh­ren befreit, bestä­tig­te jetzt der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof.

Zweit­ge­rä­te­frei­heit für inter­net­fä­hi­ge Rech­ner im Arbeits­zim­mer

Geklagt hat­te der Bewoh­ner eines Ein­fa­mi­li­en­hau­ses, der für die pri­vat genutz­ten Emp­fangs­ge­rä­te, die sich in den obe­ren bei­den Eta­gen des Hau­ses befin­den, Rund­funk- und Fern­seh­ge­büh­ren bezahlt. Im Kel­ler des Hau­ses ist ein Arbeits­zim­mer ein­ge­rich­tet, das der Klä­ger für sei­ne Arbeit als selb­stän­di­ger Infor­ma­ti­ker nutzt. Im Arbeits­zim­mer befin­det sich kein „klas­si­sches“ Rund­funk-oder Fern­seh­ge­rät, jedoch Rech­ner, die an das Inter­net ange­schlos­sen sind.

Mit Bescheid vom März 2008 zog der Hes­si­sche Rund­funk den Klä­ger zur Zah­lung von Rund­funk­ge­büh­ren in Höhe von 16,56 € für die Zeit von August bis Okto­ber 2007 her­an. Nach erfolg­lo­sem Wider­spruch erhob der Klä­ger gegen den Gebüh­ren­be­scheid Kla­ge­Die Kla­ge war sowohl erst­in­stanz­lich vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt wie auch auf die Beru­fung des Hes­si­schen Rund­funks hin vor dem Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Instan­zen erfolg­reich.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main ent­schied, die Her­an­zie­hung zu Rund­funk­ge­büh­ren ver­sto­ße gegen den Staats­ver­trag und sei des­halb rechts­wid­rig. Dage­gen leg­te der Hes­si­sche Rund­funk Beru­fung ein und trug zur Begrün­dung vor, eine nur am Wort­laut ori­en­tier­te Anwen­dung des Staats­ver­tra­ges ver­ken­ne, dass sich eine Pri­vi­le­gie­rung von inter­net­fä­hi­gen PCs nur auf den nicht aus­schließ­lich zu pri­va­ten Zwe­cken genutz­ten Bereich eines Wohn­grund­stücks beschrän­ken sol­le. Des­halb sei­en inter­net­fä­hi­ge PCs nur dann von Rund­funk­ge­büh­ren befreit, wenn bereits in dem nicht aus­schließ­lich pri­va­ten Bereich eines Grund­stücks ande­re, schon ange­mel­de­te Rund­funk­emp­fangs­ge­rä­te bereit gehal­ten wür­den. Dies gel­te unab­hän­gig davon, ob sich im aus­schließ­lich pri­vat genutz­ten Bereich eines Grund­stücks eben­falls Gerä­te befän­den. Die Gebüh­ren­frei­heit für inter­net­fä­hi­ge PCs sei näm­lich nicht auf die gesam­te Flä­che eines Grund­stücks oder zusam­men­hän­gen­der Grund­stü­cke bezo­gen.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on ist der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof nicht gefolgt. Da die PCs des Klä­gers gewerb­lich und somit nicht aus­schließ­lich pri­vat genutzt wür­den und auf ein und dem­sel­ben Grund­stück ande­re Rund­funk­ge­rä­te zum Emp­fang bereit gehal­ten wür­den, näm­lich die pri­vat genutz­ten Rund­funk- und Fern­seh­ge­rä­te des Klä­gers, die sich im pri­vat genutz­ten Teil des Ein­fa­mi­li­en­hau­ses befän­den, grei­fe die Rege­lung des Staats­ver­tra­ges über gebüh­ren­be­frei­te Gerä­te für die PCs hier ein. Unab­hän­gig davon, ob ein inter­net­fä­hi­ger PC über­haupt ein neu­ar­ti­ges Rund­funk­emp­fangs­ge­rät im Sin­ne des Rund­funk­ge­büh­ren­staats­ver­tra­ges ist, was der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof aus­drück­lich offen ließ, sei der Wort­laut der ent­spre­chen­den Bestim­mung des Staats­ver­tra­ges über Zweit­ge­rä­te bzw. über gebüh­ren­be­frei­te Gerä­te ein­deu­tig. Danach set­ze die Gebüh­ren­frei­heit für inter­net­fä­hi­ge PCs nur vor­aus, dass bereits ein ange­mel­de­tes Rund­funk­ge­rät auf ein und dem­sel­ben Grund­stück oder zusam­men­hän­gen­den Grund­stü­cken vor­han­den ist. Dies sei – anders als bei „klas­si­schen“ Rund­funk­emp­fangs­ge­rä­ten, die als Zweit­ge­rä­te in Arbeits­zim­mern bereit gehal­ten wür­den und für die Gebüh­ren zu zah­len sei­en – auch sach­lich gerecht­fer­tigt, da bei inter­net­fä­hi­gen PCs die Fähig­keit zum Rund­funk­emp­fang nur eine von vie­len Eigen­schaf­ten die­ser Gerä­te sei.

Hes­si­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. März 2010 – 10 A 2910/​09