Der öffent­lich-recht­li­che Rund­funk und sei­ne Finan­zie­rung in der EU

Das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on hat aktu­ell eine Ent­schei­dung der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on bestä­tigt, wonach das Sys­tem der Finan­zie­rung öffent­lich-recht­li­cher Rund­funk­an­stal­ten in den Nie­der­lan­den eine Bei­hil­fe dar­stellt, die mit dem Gemein­sa­men Markt unver­ein­bar ist. Die Nie­der­lan­de müs­sen dem­nach einen Betrag von 76,327 Mio. € zuzüg­lich Zin­sen von der nie­der­län­di­schen Rund­funk­stif­tung (NOS) zurück­for­dern.

Der öffent­lich-recht­li­che Rund­funk und sei­ne Finan­zie­rung in der EU

Auf dem nie­der­län­di­schen Rund­funk­markt sind außer kom­mer­zi­el­len Rund­funk­ver­an­stal­tern auch ver­schie­de­ne öffent­lich-recht­li­che Rund­funk­an­stal­ten tätig. Von die­sen übt die "Neder­land­se Omro­ep Stich­t­ing" (NOS), die nie­der­län­di­sche Rund­funk­stif­tung, zwei Funk­tio­nen aus: Einer­seits ist sie eine öffent­lich-recht­li­che Rund­funk­an­stalt, die unter dem Namen NOS RTV agiert. Ande­rer­seits hat ihr Vor­stand, der unter dem Namen Publie­ke Omro­ep (PO) (öffent­li­cher Rund­funk) tätig ist, die Auf­ga­be, das gesam­te Sys­tem des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks zu koor­di­nie­ren.

Die wesent­li­chen Ein­nah­me­quel­len der öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­an­stal­ten, NOS in ihren bei­den Funk­tio­nen inbe­grif­fen, sind die jähr­li­chen staat­li­chen Zah­lun­gen. Die­se Rund­funk­an­stal­ten kön­nen Rück­la­gen bil­den, um Schwan­kun­gen der im Haus­halt vor­ge­se­he­nen Beträ­ge kom­pen­sie­ren zu kön­nen. Seit 1994 erhal­ten sie zudem Ad-hoc-Zah­lun­gen.

Nach­dem die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on in den Jah­ren 2002 und 2003 meh­re­re Beschwer­den ins­be­son­de­re von kom­mer­zi­el­len nie­der­län­di­schen Rund­funk­ver­an­stal­tern erhal­ten hat­te, die behaup­te­ten, dass die Finan­zie­rung öffent­lich-recht­li­cher Rund­funk­an­stal­ten in den Nie­der­lan­den eine mit dem Gemein­sa­men Markt unver­ein­ba­re Bei­hil­fe sei, hat sie eine Unter­su­chung ein­ge­lei­tet.

Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on kam dar­auf­hin zu dem Ergeb­nis, dass die Ad-hoc-Finan­zie­run­gen als staat­li­che Bei­hil­fe zu betrach­ten sei­en 1. Außer­dem sei­en sie als neue Bei­hil­fe anzu­se­hen, die ihr hät­te bekannt gege­ben wer­den müs­sen. Die Kom­mis­si­on stell­te fest, dass bestimm­te öffent­lich-recht­li­che Rund­funk­an­stal­ten über­höh­te Zuschüs­se erhal­ten hät­ten, die im All­ge­mei­nen in die Pro­gramm­rück­la­gen über­führt wor­den sei­en, betrach­te­te die­se staat­li­che Bei­hil­fe aber als mit dem Gemein­sa­men Markt ver­ein­bar, solan­ge der über­höh­te Betrag in einer Son­der­rück­la­ge ver­wal­tet wird, die sich auf höchs­tens 10 % des Jah­res­haus­hal­tes der Rund­funk­an­stal­ten beläuft. Da ein Teil die­ser Rück­la­gen im Jahr 2005 an den PO abge­führt wor­den sei, sah die Kom­mis­si­on die­sen Trans­fer, der die Bezu­schus­sung des PO erhöht habe, eben­falls als Ad-hoc-Finan­zie­rung an. Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on war der Ansicht, die staat­li­che Ad-hoc-Bei­hil­fe, die der NOS für die Funk­tio­nen gewährt wor­den sei, die die­se als PO aus­ge­übt habe, sei nicht mit dem Gemein­sa­men Markt ver­ein­bar und müs­se von der NOS zurück­ge­for­dert wer­den. Der zurück­zu­for­dern­de Betrag belau­fe sich auf 76,327 Mio. € zuzüg­lich Zin­sen.

Dar­auf­hin haben sowohl die Nie­der­lan­de als auch NOS beim Gericht der Euro­päi­schen Uni­on Kla­gen auf Nich­tig­erklä­rung der Ent­schei­dung der Kom­mis­si­on erho­ben. Zur Stüt­zung ihrer Kla­gen haben sie meh­re­re Argu­men­te gel­tend gemacht, u. a. eine Ver­let­zung der Ver­tei­di­gungs­rech­te, die fal­sche Ein­stu­fung der Ad-hoc-Zah­lun­gen als Bei­hil­fen, die fal­sche Ein­stu­fung der Ad-hoc-Zah­lun­gen als neue Bei­hil­fe und Feh­ler bei der Berech­nung der behaup­te­ten über­höh­ten Bezu­schus­sung.

In sei­nem Urteil ver­wirft das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on nun alle die­se von den Nie­der­lan­den und NOS vor­ge­tra­ge­nen Argu­men­te und bestä­tigt die Ent­schei­dung der EU-Kom­mis­si­on.

Gericht der Euro­päi­schen Uni­on, Urteil vom 16. Dezem­ber 2010 – T‑231/​06 und T‑237/​06 [König­reich der Nie­der­lan­de und Neder­land­se Omro­ep Stich­t­ing /​Kom­mis­si­on]

  1. EU-Kom­mis­si­on, Ent­schei­dung vom 22.06.2006 – 2008/​136/​EWG[]