Die Aus­kunfts­pflicht der in Spa­ni­en täti­gen Ban­ken

Nach den Richt­li­ni­en der Euro­päi­schen Uni­on ist es nicht aus­drück­lich ver­bo­ten, zu ver­lan­gen, dass Kre­dit­in­sti­tu­te, die ihre Tätig­keit in Spa­ni­en im Rah­men des frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehrs aus­üben, die zur Bekämp­fung der Geld­wä­sche und der Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung erbe­te­nen Aus­künf­te unmit­tel­bar an die spa­ni­sche zen­tra­le Mel­de­stel­le über­mit­teln. Daher steht die Richt­li­nie grund­sätz­lich der spa­ni­schen Rege­lung nicht ent­ge­gen, sofern die­se dazu dient, unter Beach­tung des Uni­ons­rechts die wirk­sa­me Bekämp­fung die­ser Straf­ta­ten zu ver­bes­sern.

Die Aus­kunfts­pflicht der in Spa­ni­en täti­gen Ban­ken

So hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens des Obers­ten Spa­ni­schen Gerichts­ho­fes, das Tri­bu­nal Supre­mo, mit dem die Fra­ge geklärt wer­den soll­te, ob Jys­ke, eine Toch­ter­ge­sell­schaft der däni­schen NS Jys­ke Bank und in Gibral­tar ansäs­sig, eine Aus­kunfts­pflicht den spa­ni­schen Behör­den gegen­über hat oder die­se spa­ni­schen Rechts­vor­schrif­ten nicht im Ein­klang mit dem Uni­ons­recht ste­hen.

Die Richt­li­nie zur Ver­hin­de­rung der Nut­zung des Finanz­sys­tems zum Zwe­cke der Geld­wä­sche und der Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung1 erlegt ins­be­son­de­re den Kre­dit­in­sti­tu­ten bestimm­te Aus­kunfts­pflich­ten auf. Zu die­sem Zweck ver­langt sie, dass jeder Mit­glied­staat eine zen­tra­le Mel­de­stel­le ein­rich­tet, deren Auf­ga­be es ist, Infor­ma­tio­nen ent­ge­gen­zu­neh­men, anzu­for­dern, zu ana­ly­sie­ren und an die zustän­di­gen Behör­den wei­ter­zu­ge­ben, die poten­zi­el­le Fäl­le von Geld­wä­sche oder Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung betref­fen2. Die Richt­li­nie sieht vor, dass die­se Infor­ma­tio­nen der zen­tra­len Mel­de­stel­le des Mit­glied­staats über­mit­telt wer­den, in des­sen Hoheits­ge­biet sich das Insti­tut befin­det.

Die spa­ni­sche Rege­lung ver­pflich­tet die in Spa­ni­en täti­gen Kre­dit­in­sti­tu­te unab­hän­gig vom Ort ihrer Nie­der­las­sung, der spa­ni­schen zen­tra­len Mel­de­stel­le Kon­ten­be­we­gun­gen mit­zu­tei­len, die Beträ­ge betref­fen, die 30 000 Euro über­stei­gen und aus Steu­er­pa­ra­die­sen und unko­ope­ra­ti­ven Gebie­ten ein­schließ­lich Gibral­tar stam­men oder in die­se flie­ßen.

Jys­ke, eine Toch­ter­ge­sell­schaft der däni­schen NS Jys­ke Bank, ist ein in Gibral­tar ansäs­si­ges Kre­dit­in­sti­tut, das in Spa­ni­en im Rah­men des frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehrs, d. h. ohne dort über eine Nie­der­las­sung zu ver­fü­gen, tätig war. Im Janu­ar 2007 ver­lang­te die spa­ni­sche zen­tra­le Mel­de­stel­le von Jys­ke, ihr bestimm­te Infor­ma­tio­nen zu lie­fern. Sie war näm­lich im Hin­blick auf eine Rei­he von Anhalts­punk­ten der Auf­fas­sung, dass die sehr gro­ße Gefahr bestehe, dass Jys­ke im Zuge ihrer Tätig­kei­ten in Spa­ni­en zur Geld­wä­sche benutzt wer­de. Hier­zu sei­en in Gibral­tar Gesell­schafts­struk­tu­ren geschaf­fen wor­den, mit denen ver­hin­dert wer­den sol­le, dass die Iden­ti­tät des wah­ren Eigen­tü­mers der in Spa­ni­en, im Wesent­li­chen an der Cos­ta del Sol, erwor­be­nen Immo­bi­li­en sowie die Her­kunft der für die­sen Erwerb ver­wen­de­ten Mit­tel bekannt wür­den. Im Juni 2007 über­mit­tel­te Jys­ke einen Teil der erbe­te­nen Infor­ma­tio­nen, wei­ger­te sich jedoch unter Beru­fung auf die in Gibral­tar gel­ten­den Bestim­mun­gen über das Bank­ge­heim­nis, Anga­ben über die Iden­ti­tät ihrer Kun­den zu machen. Des­halb sprach der Con­se­jo de Minis­tros (Minis­ter­rat, Spa­ni­en) , der der Auf­fas­sung war, dass Jys­ke gegen ihre Aus­kunfts­pflich­ten nach der spa­ni­schen Rege­lung ver­sto­ßen habe, gegen sie zwei öffent­li­che Ver­war­nun­gen aus und setz­te zwei Geld­bu­ßen in Höhe von ins­ge­samt 1 700 000 Euro fest. Jys­ke ist der Ansicht, dass die Richt­li­nie ihr nur gegen­über der zen­tra­len Mel­de­stel­le Gibral­tars eine Aus­kunfts­pflicht auf­er­le­ge und dass daher die spa­ni­schen Rechts­vor­schrif­ten nicht in Ein­klang mit der Richt­li­nie stün­den. Die Bank rief des­halb das Tri­bu­nal Supre­mo (Obers­ter Gerichts­hof, Spa­ni­en) an, das beschlos­sen hat, den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zu die­ser Ange­le­gen­heit zu befra­gen.

Nach Auf­fas­sung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on ist es nach der Richt­li­nie nicht aus­drück­lich ver­bo­ten, zu ver­lan­gen, dass Kre­dit­in­sti­tu­te, die ihre Tätig­keit in Spa­ni­en im Rah­men des frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehrs aus­üben, die zur Bekämp­fung der Geld­wä­sche und der Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung erbe­te­nen Aus­künf­te unmit­tel­bar an die spa­ni­sche zen­tra­le Mel­de­stel­le über­mit­teln. Daher steht die Richt­li­nie grund­sätz­lich der spa­ni­schen Rege­lung nicht ent­ge­gen, sofern die­se dazu dient, unter Beach­tung des Uni­ons­rechts die wirk­sa­me Bekämp­fung die­ser Straf­ta­ten zu ver­bes­sern. Die­se Rege­lung kann die durch die Richt­li­nie ein geführ­ten Grund­sät­ze in Bezug auf die Mel­de­pflich­ten der ihr unter­lie­gen­den Ein­rich­tun­gen mit­hin nicht beein­träch­ti­gen und der Wirk­sam­keit der bestehen­den For­men der Zusam­men­ar­beit und des Infor­ma­ti­ons­aus­tauschs zwi­schen den zen­tra­len Mel­de­stel­len nicht abträg­lich sein.

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on unter­sucht sodann die Ver­ein­bar­keit der spa­ni­schen Rege­lung mit dem frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehr. Er ist der Ansicht, dass sie eine Beschrän­kung die­ser Frei­heit dar­stellt, da sie Schwie­rig­kei­ten und zusätz­li­che Kos­ten ver­ur­sacht. Außer­dem kann sie zu den bereits in dem Mit­glied­staat, in dem sich das betref­fen­de Insti­tut befin­det, durch­ge­führ­ten Kon­trol­len hin­zu­tre­ten und es auf die­se Wei­se von der Aus­füh­rung die­ser Tätig­kei­ten abschre­cken.

Die­se Beschrän­kung des frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehrs kann jedoch durch einen zwin­gen­den Grund des All­ge­mein­in­ter­es­ses wie die Bekämp­fung der Geld­wä­sche und die Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung gerecht­fer­tigt sein. Das natio­na­le Gericht muss somit prü­fen, ob die in Rede ste­hen­de Rege­lung geeig­net ist, die Ver­wirk­li­chung die­ses Zie­les zu errei­chen, und ins­be­son­de­re, ob sie es Spa­ni­en ermög­licht, ver­däch­ti­ge Finanz­trans­ak­tio­nen von Kre­dit­in­sti­tu­ten die ihre Dienst­leis­tun­gen im Inland erbrin­gen, zu über­wa­chen und wirk­sam zu unter­bin­den sowie gege­be­nen­falls gegen die Ver­ant­wort­li­chen vor­zu­ge­hen und die­se zu bestra­fen. Hier­zu führt der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on aus, dass eine sol­che Rege­lung es Spa­ni­en ermög­licht, die Gesamt­heit der im Inland von den Kre­dit­in­sti­tu­ten durch­ge­führ­ten Finanz­trans­ak­tio­nen zu über­wa­chen, und zwar unab­hän­gig davon, zu wel­cher Form der Dienst­leis­tungs­er­brin­gung sich die­se ent­schlos­sen haben, was sich als Maß­nah­me erweist, die geeig­net ist, das ver­folg­te Ziel zuver­läs­sig und kohä­rent zu errei­chen.

Das natio­na­le Gericht muss sodann prü­fen, ob die­se Rege­lung in nicht­dis­kri­mi­nie­ren­der Wei­se ange­wandt wird und ob sie ver­hält­nis­mä­ßig, d. h. geeig­net ist, die Ver­wirk­li­chung des mit ihr ver­folg­ten Ziels zu gewähr­leis­ten, und nicht über das hin­aus­geht, was zu des­sen Errei­chung erfor­der­lich ist. Somit wäre die Rege­lung unver­hält­nis­mä­ßig, wenn es der ein­ge­rich­te­te Mecha­nis­mus der Zusam­men­ar­beit zwi­schen den zen­tra­len Mel­de­stel­len der ver­schie­de­nen Mit­glied­staa­ten der spa­ni­schen zen­tra­len Mel­de­stel­le bereits ermög­li­chen wür­de, die ange­for­der­ten Infor­ma­tio­nen über die zen­tra­le Mel­de­stel­le des­je­ni­gen Mit­glied­staats zu erhal­ten, in dem sich das Kre­dit­in­sti­tut befin­det. Hier­zu stellt der Gerichts­hof fest, dass der Mecha­nis­mus der Zusam­men­ar­beit zwi­schen den zen­tra­len Mel­de­stel­len gewis­se Lücken auf­weist. Ins­be­son­de­re gibt es erheb­li­che Aus­nah­men von der Ver­pflich­tung der ersuch­ten zen­tra­len Mel­de­stel­le, der ersu­chen­den zen­tra­len Mel­de­stel­le die ange­for­der­ten Infor­ma­tio­nen zu über­mit­teln. Eine zen­tra­le Mel­de­stel­le kann näm­lich die Wei­ter­ga­be von Infor­ma­tio­nen ver­wei­gern, die eine straf­recht­li­che Ermitt­lung in dem Mit­glied­staat stö­ren könn­ten, oder wenn die Wei­ter­ga­be ein­deu­tig in einem Miss­ver­hält­nis zu den legi­ti­men Inter­es­sen einer Per­son oder des betref­fen­den Mit­glied­staats ste­hen­de Wir­kun­gen her­vor­rie­fe oder wenn sie gegen die Grund­prin­zi­pi­en des inner­staat­li­chen Rechts ver­stie­ße3. Auch müs­sen im Bereich der Bekämp­fung der Geld­wä­sche die Behör­den so schnell wie mög­lich reagie­ren kön­nen, doch ist weder eine Frist für die Über­mitt­lung der Infor­ma­tio­nen noch eine Sank­ti­on für den Fall der unge­recht­fer­tig­ten Wei­ge­rung der ersuch­ten zen­tra­len Mel­de­stel­le, die ange­for­der­ten Infor­ma­tio­nen zu über­mit­teln, vor­ge­se­hen. Fer­ner wirft der Rück­griff auf die­sen Mecha­nis­mus der Zusam­men­ar­beit beson­de­re Schwie­rig­kei­ten auf, wenn es um im Rah­men des frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehrs aus­ge­führ­te Tätig­kei­ten geht. Daher stellt die­se Rege­lung, wenn es zum maß­geb­li­chen Zeit­punkt an einem wirk­sa­men Mecha­nis­mus fehlt, der eine voll­stän­di­ge und lücken­lo­se Zusam­men­ar­beit der zen­tra­len Mel­de­stel­len gewähr­leis­tet und eine eben­so wirk­sa­me Bekämp­fung der Geld­wä­sche und der Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung erlaubt, eine ver­hält­nis­mä­ßi­ge Maß­nah­me dar.

Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, Urteil vom 25. April 2013 – C‑212/​11, Jys­ke Bank Gibral­tar Ltd /​Admi­nis­tra­ción del Estado

  1. Richt­li­nie 2005/​60/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 26.10.2005 zur Ver­hin­de­rung der Nut­zung des Finanz­sys­tems zum Zwe­cke der Geld­wä­sche und der Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung, ABl. L 309, S. 15 []
  2. Das Ver­ei­nig­te König­reich wur­de ermäch­tigt, auch für Gibral­tar eine zen­tra­le Mel­de­stel­le zu noti­fi­zie­ren []
  3. Beschluss 2000/​642/​JI des Rates vom 17.10.2000 über Ver­ein­ba­run­gen für eine Zusam­men­ar­beit zwi­schen den zen­tra­len Mel­de­stel­len der Mit­glied­staa­ten beim Aus­tausch von Infor­ma­tio­nen, ABl. L 271, S. 4 []