Aus­gleich unbe­nann­ter Zuwen­dun­gen

Mit dem Aus­gleich unbe­nann­ter Zuwen­dun­gen, die im Hin­blick auf die künf­ti­ge Ehe und wäh­rend der bestehen­den Ehe mit Güter­tren­nung dem ande­ren Ehe­gat­ten geleis­tet wur­den, hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:

Aus­gleich unbe­nann­ter Zuwen­dun­gen

Nach der Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung fal­len unter das Rechts­in­sti­tut der soge­nann­ten ehe­be­ding­ten oder unbe­nann­ten Zuwen­dun­gen sol­che Zuwen­dun­gen unter Ehe­gat­ten, denen die Vor­stel­lung oder Erwar­tung zugrun­de liegt, dass die ehe­li­che Lebens­ge­mein­schaft Bestand haben wer­de, oder die sonst um der Ehe wil­len und als Bei­trag zur Ver­wirk­li­chung oder Aus­ge­stal­tung, Erhal­tung oder Siche­rung der ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft erbracht wer­den und die dar­in ihre Geschäfts­grund­la­ge haben 1.

Dabei kommt einer­seits ein Aus­gleichs­an­spruch nach den Grund­sät­zen über den Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge (§ 313 BGB) auch unter nicht­ehe­li­chen Part­nern in Betracht, soweit den gemein­schafts­be­zo­ge­nen Zuwen­dun­gen die Vor­stel­lung oder Erwar­tung zugrun­de lag, die Lebens­ge­mein­schaft wer­de Bestand haben 2. Es ent­spricht des­we­gen der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass Rück­ge­währ­an­sprü­che nach den Grund­sät­zen über den Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge – sei es ent­we­der nach Schei­tern einer Ehe oder nach Schei­tern einer sons­ti­gen Lebens­ge­mein­schaft – grund­sätz­lich ver­gleich­ba­ren Regeln fol­gen 3. Ande­rer­seits ist nicht aus­ge­schlos­sen, dass Nicht­ver­hei­ra­te­te in Erwar­tung ihrer bevor­ste­hen­den Ehe­schlie­ßung beson­de­re Ver­mö­gens­dis­po­si­tio­nen tref­fen, als deren Geschäfts­grund­la­ge sowohl die Grün­dung als auch der Fort­be­stand der ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft ange­se­hen wer­den kann. Daher begeg­net es kei­nen Beden­ken, die im vor­lie­gen­den Fall unmit­tel­bar vor Ehe­schlie­ßung gesche­he­ne gemein­sa­me Dar­le­hens­auf­nah­me über 600.000 DM und die ganz über­wie­gend wäh­rend der Ehe­zeit vom Ehe­mann geleis­te­ten Annui­tä­ten auf die­ses Dar­le­hen ein­heit­lich nach den Grund­sät­zen einer ehe­be­ding­ten Zuwen­dung zu behan­deln.

Bei der Abwä­gung, ob und gege­be­nen­falls in wel­chem Umfang Zuwen­dun­gen wegen Weg­falls der Geschäfts­grund­la­ge zurück­er­stat­tet wer­den müs­sen, ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass der Part­ner es ein­mal für rich­tig erach­tet hat, dem ande­ren die­se Leis­tun­gen zu gewäh­ren. Ein kor­ri­gie­ren­der Ein­griff ist grund­sätz­lich nur gerecht­fer­tigt, wenn dem Leis­ten­den die Bei­be­hal­tung der durch die Leis­tung geschaf­fe­nen Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se nach Treu und Glau­ben nicht zuzu­mu­ten und des­halb unbil­lig ist. Das Merk­mal der Unbil­lig­keit impli­ziert zugleich, dass ein Aus­gleich nur wegen sol­cher Leis­tun­gen in Betracht kommt, denen nach den jewei­li­gen Ver­hält­nis­sen erheb­li­che Bedeu­tung zukommt. Maß­ge­bend ist eine Gesamt­ab­wä­gung der Umstän­de des Ein­zel­falls 4.

Ob und gege­be­nen­falls inwie­weit ein Anspruch besteht, hängt mit­hin ins­be­son­de­re von der Dau­er der Lebens­ge­mein­schaft, dem Alter der Par­tei­en, Art und Umfang der erbrach­ten Leis­tun­gen, der Höhe der dadurch beding­ten und noch vor­han­de­nen Ver­mö­gens­meh­rung sowie von den Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen ab 5. Dabei ist zu beach­ten, dass auch im Fall der Güter­tren­nung eine ange­mes­se­ne Betei­li­gung bei­der Ehe­gat­ten an dem gemein­sam erar­bei­te­ten Ver­mö­gen dem Cha­rak­ter der ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft als einer Schick­sals- und Risi­ko­ge­mein­schaft ent­spricht 6.

Die Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se der Part­ner kön­nen sich wäh­rend des Bestehens einer Ehe dahin aus­wir­ken, dass der Part­ner mit dem höhe­ren Ein­kom­men in grö­ße­rem Umfang als der ande­re zu den Kos­ten der gemein­sa­men Lebens­füh­rung bei­trägt. Soweit er damit aber einen Ver­mö­gens­zu­wachs des ande­ren bewirkt hat und die Geschäfts­grund­la­ge hier­für weg­ge­fal­len ist, gebie­ten es Treu und Glau­ben nicht zwangs­läu­fig, die Ver­mö­gens­zu­ord­nung mit dem Hin­weis auf die wäh­rend der Zeit des Zusam­men­le­bens güns­ti­ge­ren Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se des Zuwen­den­den bei­zu­be­hal­ten. Wesent­li­che Bedeu­tung kommt viel­mehr auch dem Umstand zu, inwie­weit eine Ver­mö­gens­meh­rung noch vor­han­den ist 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Sep­tem­ber 2012 – XII ZR 136/​10

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 30.06.1996 – XII ZR 230/​96, Fam­RZ 1999, 1580 und vom 17.01.1990 – XII ZR 1/​89, Fam­RZ 1990, 600 mwN[]
  2. BGH, Urtei­le vom 06.07.2011 – XII ZR 190/​08, Fam­RZ 2011, 1563 Rn. 14; BGHZ 177, 193 = Fam­RZ 2008, 1822 Rn. 31 ff.; BGHZ 183, 242 = Fam­RZ 2010, 277 Rn. 25[]
  3. BGH, Urteil BGHZ 177, 193 = Fam­RZ 2008, 1822[]
  4. BGH, Urtei­le vom 06.07.2011 – XII ZR 190/​08, Fam­RZ 2011, 1563 Rn. 23 ff. und BGHZ 177, 193 = Fam­RZ 2008, 1822 Rn. 44[]
  5. BGH, Urteil vom 06.07.2011, Fam­RZ 2011, 1563 Rn. 24 und BGHZ 84, 361, 368 = Fam­RZ 1982, 910[]
  6. BGH, Urteil BGHZ 142, 137, 148 = Fam­RZ 1999, 1580, 1583 und BGH Urteil vom 04.04.1990 – IV ZR 42/​89, Fam­RZ 1990, 855, 856[]
  7. BGH, Urteil vom 06.07.2011 – XII ZR 190/​08, Fam­RZ 2011, 1563 Rn. 25 zur nicht­ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft[]