Der abge­wie­se­ne Aus­kunfts­an­trag im Güter­rechts­ver­fah­ren – und der Beschwer­de­wert

Legt der in ers­ter Instanz unter­le­ge­ne Anspruch­stel­ler in einem Ver­fah­ren, das die Ver­pflich­tung zur Aus­kunfts­er­tei­lung in einem Güter­rechts­ver­fah­ren betrifft, Rechts­mit­tel ein, so rich­tet sich der Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands nach sei­nem wirt­schaft­li­chen Inter­es­se an der Ertei­lung der Aus­kunft 1.

Der abge­wie­se­ne Aus­kunfts­an­trag im Güter­rechts­ver­fah­ren – und der Beschwer­de­wert

Bei der Bemes­sung des Wer­tes des Beschwer­de­ge­gen­stan­des im Sin­ne des § 61 Abs. 1 FamFG ist allein auf den (erst­in­stanz­lich abge­wie­se­nen) Aus­kunfts­an­trag abzu­stel­len. Nur über die­sen hat das Amts­ge­richt ent­schie­den.

Legt der in ers­ter Instanz unter­le­ge­ne Anspruch­stel­ler in einem Ver­fah­ren, das die Ver­pflich­tung zur Aus­kunfts­er­tei­lung in einem Güter­rechts­ver­fah­ren (§ 1379 Abs. 1 BGB) betrifft, Rechts­mit­tel ein, so rich­tet sich der Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands nach sei­nem wirt­schaft­li­chen Inter­es­se an der Ertei­lung der Aus­kunft. Die­ses ist gemäß § 3 ZPO nach frei­em Ermes­sen zu schät­zen. Weil die Aus­kunft die Gel­tend­ma­chung des Leis­tungs­an­spruchs erst vor­be­rei­ten und erleich­tern soll, beträgt der Wert des Aus­kunfts­an­spruchs in der Regel einen Bruch­teil, näm­lich ein Zehn­tel bis ein Vier­tel des Leis­tungs­an­spruchs, und ist umso höher anzu­set­zen, je gerin­ger die Kennt­nis­se des Anspruch­stel­lers von den zur Begrün­dung des Leis­tungs­an­spruchs maß­geb­li­chen Tat­sa­chen sind. Der Leis­tungs­an­spruch bil­det die Schät­zungs­grund­la­ge für den anzu­set­zen­den Wert und ist eben­falls gemäß § 3 ZPO zu schät­zen. Dies geschieht nach objek­ti­ven Anhalts­punk­ten, wobei anhand des Tat­sa­chen­vor­trags des Antrag­stel­lers danach zu fra­gen ist, wel­che Vor­stel­lun­gen er sich vom Wert des Leis­tungs­an­spruchs gemacht hat. Dabei ist auch zu berück­sich­ti­gen, ob ein sol­cher Anspruch nach den fest­ge­stell­ten Ver­hält­nis­sen über­haupt oder nur in gerin­ge­rer Höhe in Betracht kommt, mit der Fol­ge, dass das Inter­es­se des Recht­mit­tel­klä­gers dann unter wirt­schaft­li­chen Gesichts­punk­ten ent­spre­chend gerin­ger zu bewer­ten ist 2. Maß­geb­lich für die Wert­be­mes­sung ist dabei der Zeit­punkt der Beschwer­de­ein­le­gung 3.

Die vom Beschwer­de­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Schät­zung kann auf­grund des ihm ein­ge­räum­ten Ermes­sens­spiel­raums im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren nur ein­ge­schränkt dar­auf über­prüft wer­den, ob das Gericht die gesetz­li­chen Gren­zen über­schrit­ten oder sein Ermes­sen feh­ler­haft aus­ge­übt hat 4.

Gemes­sen hier­an ist im hier ent­schie­de­nen Fall die Auf­fas­sung des Beschwer­de­ge­richts nicht zu bean­stan­den, der Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands über­schrei­te 600 € nicht:

Das wirt­schaft­li­che Inter­es­se der Antrags­geg­ne­rin an der Ertei­lung der Aus­kunft zum End­ver­mö­gen besteht hier aller­dings erkenn­bar nicht dar­in, einen eige­nen Zah­lungs­an­spruch vor­zu­be­rei­ten, son­dern den Zuge­winn­aus­gleichs­an­spruch des Antrag­stel­lers so weit wie mög­lich zu redu­zie­ren. Maß­geb­lich ist für die Wert­be­mes­sung daher, in wel­chem Umfang sie nach ihren Vor­stel­lun­gen den gegen sie gerich­te­ten Anspruch mit­tels der Aus­kunft der Höhe nach begren­zen kann. Das hin­ter dem Aus­kunfts­an­spruch ste­hen­de Leis­tungs­in­ter­es­se ist mit­hin grund­sätz­lich mit dem Abwehr­in­ter­es­se der Antrags­geg­ne­rin gegen den Zah­lungs­an­spruch des Antrag­stel­lers iden­tisch.

Der durch den Teil­be­schluss abge­wie­se­ne Aus­kunfts­an­spruch hat­te jedoch bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se nur zum Ziel, eine Redu­zie­rung der zu Guns­ten des Antrag­stel­lers bestehen­den Zuge­winn­dif­fe­renz zu errei­chen, indem vom Antrag­stel­ler im Zeit­raum vom 29.08.2012 bis zum 1.04.2013 erziel­te Meh­run­gen sei­nes Ver­mö­gens auf­ge­deckt wer­den soll­ten. Denn die Aus­kunft zum Stich­tag der Zustel­lung des Schei­dungs­an­trags am 29.08.2012 ist bereits wäh­rend des erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­rens erteilt wor­den.

Daher hat das Beschwer­de­ge­richt im Grund­satz zu Recht dar­auf abge­stellt, wel­che in die­sem Zeit­raum erfolg­ten Ver­mö­gens­zu­wäch­se des Antrag­stel­lers sich die Antrags­geg­ne­rin vor­stell­te. Aller­dings konn­te sich eine Erhö­hung des Ver­mö­gens­be­stands beim Antrag­stel­ler nur in hälf­ti­ger Höhe auf sei­nen Anspruch aus­wir­ken, weil der Zuge­winn­aus­gleichs­an­spruch sich gemäß § 1378 Abs. 1 BGB auf die Hälf­te des Über­schus­ses beläuft.

Zwar führ­te das Amts­ge­richt im vor­lie­gen­den aus, der Antrag sei hilfs­wei­se für den Fall gestellt, dass sich die güter­recht­li­chen Wir­kun­gen der Ehe nach deut­schem Güter­recht rich­te­ten. Dies hat jedoch kein Even­tu­al­ver­hält­nis begrün­det, weil es an der Abhän­gig­keit zur Ent­schei­dung über einen ent­spre­chen­den Haupt­an­trag gefehlt hat 5. Der erst mit der Beschwer­de­be­grün­dung gel­tend gemach­te Fest­stel­lungs­an­trag zum anwend­ba­ren Recht konn­te unab­hän­gig von sei­ner Zuläs­sig­keit den Wert des Beschwer­de­ge­gen­stands nicht erhö­hen. Die­ser bestimmt sich danach, inwie­weit der Rechts­mit­tel­füh­rer die Besei­ti­gung der mit der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung für ihn ver­bun­de­nen Rechts­ver­kür­zung erstrebt, und erhöht sich nicht um den Wert eines erst­mals in der Beschwer­de­instanz gestell­ten Antrags 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2015 – XII ZB 405/​15

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 12.10.2011 XII ZB 127/​11 Fam­RZ 2011, 1929[]
  2. BGH, Beschluss vom 12.10.2011 XII ZB 127/​11 Fam­RZ 2011, 1929 Rn. 13 ff. mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 02.09.2015 XII ZB 132/​15 Fam­RZ 2015, 2142 Rn. 17 mwN[]
  4. BGH, Beschluss vom 12.10.2011 XII ZB 127/​11 Fam­RZ 2011, 1929 Rn. 17 mwN[]
  5. vgl. Zöller/​Greger ZPO 31. Aufl. vor § 128 Rn.20[]
  6. vgl. BGH Beschlüs­se vom 19.04.2012 – IX ZB 162/​10 MDR 2012, 876 Rn. 10 zu § 567 Abs. 2 ZPO; und vom 19.03.2009 – IX ZB 152/​08 NJW-RR 2009, 853 Rn. 5 ff. zu § 511 Abs. 2 Nr. 1 ZPO; Kei­del/­Mey­er-Holz FamFG 18. Aufl. § 61 Rn. 7; Musielak/​Voit/​Ball ZPO 12. Aufl. § 511 Rn. 18; Zöller/​Heßler ZPO 31. Aufl. § 511 Rn. 13[]