Die Qua­li­fi­ka­ti­on des Gut­ach­ters im Betreu­ungs­ver­fah­ren

Gemäß § 280 Abs. 1 Satz 2 FamFG soll der in einem Betreu­ungs­ver­fah­ren mit der Erstel­lung eines Gut­ach­tens beauf­trag­te Sach­ver­stän­di­ge Arzt für Psych­ia­trie oder Arzt mit Erfah­rung auf dem Gebiet der Psych­ia­trie sein. Ergibt sich die Qua­li­fi­ka­ti­on nicht ohne Wei­te­res aus der Fach­be­zeich­nung des Arz­tes, ist sei­ne Sach­kun­de vom Gericht zu prü­fen und in der Ent­schei­dung dar­zu­le­gen [1].

Die Qua­li­fi­ka­ti­on des Gut­ach­ters im Betreu­ungs­ver­fah­ren

Dem wer­den die instanz­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen nicht gerecht. Obgleich sich dem vom Amts­ge­richt zuletzt ein­ge­hol­ten Gut­ach­ten ledig­lich ent­neh­men lässt, dass der Sach­ver­stän­di­ge „ärzt­li­cher Gut­ach­ter“ ist, haben weder Amts- noch Land­ge­richt Fest­stel­lun­gen zur Qua­li­fi­ka­ti­on des Sach­ver­stän­di­gen getrof­fen.

Von der Prü­fung der Sach­kun­de des Gut­ach­ters ist das Gericht auch nicht etwa des­halb befreit, weil in den frü­he­ren jeweils ein­ge­stell­ten Betreu­ungs­ver­fah­ren bereits eine Ärz­tin u.a. für Psych­ia­trie und Psy­cho­the­ra­pie als Sach­ver­stän­di­ge tätig gewor­den ist.

Zwar hat auch sie in dem vor­lie­gend vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall bei der Betrof­fe­nen eine chro­ni­sche schi­zo­phre­ne Psy­cho­se dia­gnos­ti­ziert. Aller­dings hat sie in ihren bei­den Gut­ach­ten im Ergeb­nis die Anord­nung einer Betreu­ung für nicht indi­ziert gehal­ten. Ersicht­lich hat das Amts­ge­richt sei­ne Ent­schei­dung des­halb auch nicht auf die­se Gut­ach­ten gegrün­det, son­dern die Ein­ho­lung eines neu­en Gut­ach­tens für erfor­der­lich gehal­ten, um die not­wen­di­gen Fest­stel­lun­gen tref­fen zu kön­nen.

Wenn aber ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten ein­ge­holt wird und das Gericht sei­ne Ent­schei­dung dar­auf stützt, muss die­ses den for­ma­len Anfor­de­run­gen des § 280 FamFG auch dann genü­gen, wenn es ver­fah­rens­recht­lich nicht obli­ga­to­risch ist [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. August 2013 – XII ZB 188/​13

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 16.05.2012 – XII ZB 454/​11 FamRZ 2012, 1207[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 09.11.2011 – XII ZB 286/​11, FamRZ 2012, 104 Rn. 15 f.[]