Halb­tei­lungs­be­darf – und die Ein­kom­mens­gren­ze zur kon­kre­ten Bedarfs­er­mitt­lung

Bei berei­nig­ten Gesamt­ein­künf­ten der Ehe­leu­te von 8.839, 00 € monat­lich errech­net sich der Unter­halts­an­spruch nach dem Halb­tei­lungs­be­darf. Eine kon­kre­te Bedarfs­er­mitt­lung ist nicht erfor­der­lich.

Halb­tei­lungs­be­darf – und die Ein­kom­mens­gren­ze zur kon­kre­ten Bedarfs­er­mitt­lung

Eine kon­kre­te Bedarfs­be­mes­sung ist vor­zu­neh­men, wenn bei beson­ders güns­ti­gen Ein­kom­mens­ver­hält­nis­sen gene­rell davon aus­zu­ge­hen ist, dass bereits nach einem objek­ti­ven Maß­stab ein Teil der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel in die Ver­mö­gens­bil­dung fließt, weil er für die Lebens­füh­rung nicht benö­tigt wird 1. Wo aller­dings bei sehr guten Ein­kom­mens­ver­hält­nis­sen die Gren­ze für eine kon­kre­te Bedarfs­er­mitt­lung zu zie­hen ist, hängt stets vom Ein­zel­fall ab.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart bil­det ein Bedarf (nicht Ein­kom­men des Pflich­ti­gen) von ca.05.000 € die Richt­schnur 2.

Ange­sichts der Tat­sa­che, dass das Durch­schnitts­ein­kom­men aller ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ten sich im Jahr 2014 auf 34.857 € brut­to (ent­spre­chend 1 Ent­gelt­punkt im Ver­sor­gungs­aus­gleich) belief (net­to bei Steu­er­klas­se I/​0 1.829 €) erscheint es nicht gerecht­fer­tigt, beson­ders güns­ti­ge Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se bereits bei 3/​7 von 5.100 € (so die Leit­li­ni­en der Ober­lan­des­ge­rich­te Hamm und Olden­burg) oder bei Fest­be­trä­gen von 2.500 € (so die Leit­li­ni­en der Ober­lan­des­ge­rich­te Frank­furt und Jena) anzu­neh­men, da die­se Ein­künf­te das Durch­schnitts­ein­kom­men nur mode­rat über­stei­gen und damit noch nicht ein­mal der Tat­sa­che der geho­be­nen Lebens­hal­tungs­kos­ten in Bal­lungs­ge­bie­ten Rech­nung tra­gen. So hat in jüngs­ter Zeit auch das OLG Düs­sel­dorf 3 nach sei­nen Erfah­rungs­wer­ten die Richt­schnur auf einen Bedarf ober­halb von 3.000 € ange­ho­ben, was im Rah­men der 3/​7‑Methode Gesamt­ein­künf­ten der Ehe­leu­ten vor Bonus­ab­zug in Höhe von 7.000 € ent­spricht. Zwar hat der Bun­dese­ge­richts­hof in der Ver­gan­gen­heit 1 das Ver­lan­gen der Instanz­ge­rich­te nach Dar­le­gung eines kon­kre­ten Bedarfs gebil­ligt, sofern der pflich­ti­ge Ehe­gat­te mehr als 5.100 € ver­dient, jedoch stets auf das tatrich­ter­li­che Ermes­sen in die­sen Fäl­len hin­ge­wie­sen.

Der vor­lie­gend fest­ge­stell­te Halb­tei­lungs­be­darf in Höhe von 4.419, 75 € unter­fällt somit noch der regel­mä­ßi­gen Unter­halts­be­rech­nung nach der Halb­tei­lung und macht noch kei­ne Dar­stel­lung eines kon­kre­ten Bedarfs erfor­der­lich.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 17. Sep­tem­ber 2015 – 11 UF 100/​15

  1. BGH Fam­RZ 2010, 1637; 2012, 947
  2. so auch OLG Zwei­brü­cken Fam­RZ 2014, 216; OLG Köln Fam­RZ 2012, 1731; OLG Bran­den­burg Fam­FR 2012, 320; Fam­RZ 2015, 1118; Wendl/​Siebert, das Unter­halts­recht in der fami­li­en­recht­li­chen Pra­xis, 9. Aufl.2015, § 4 Rn. 767; Hand­buch des Fach­an­walts Fami­li­en­recht/​Maier, 10. Aufl.2015, Kap. 6 Rn. 706; Hand­buch des Fach­an­walts Familienrecht/​Gerhardt aaO Kap. 6 Rn. 268
  3. OLG Düs­sel­dorf Fam­RZ 2015, 1392