Iso­lier­te Anfech­tung von Kos­ten­ent­schei­dun­gen in Fami­li­en­sa­chen

Die iso­lier­te Anfech­tung von Kos­ten­ent­schei­dun­gen ist nach einer Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart auch in Unter­halts- und Ehe­sa­chen gem. §§ 58 FamFG zuläs­sig, sofern der Beschwer­de­wert von 600,- € gem. § 61 Abs. 1 FamFG über­schrit­ten wird.

Iso­lier­te Anfech­tung von Kos­ten­ent­schei­dun­gen in Fami­li­en­sa­chen

Inwie­weit in Ehe- und Fami­li­en­sa­chen die iso­lier­te Anfech­tung einer Kos­ten­ent­schei­dung zuläs­sig ist, ist in der Recht­spre­chung und Kom­men­tar­li­te­ra­tur umstrit­ten. Zum Teil wird ver­tre­ten, dass Kos­ten­ent­schei­dun­gen in Unter­halts­sa­chen auch dann nicht iso­liert anfecht­bar sei­en, wenn der Haupt­sa­che­ent­schei­dung ein Aner­kennt­nis zugrun­de lie­ge. Denn § 99 Abs. 2 ZPO kön­ne kei­ne Anwen­dung fin­den, da die Vor­schrift im Zusam­men­hang mit § 93 ZPO zu ver­ste­hen sei. Nur des­sen rich­ti­ge Anwen­dung sol­le über­prüf­bar sein. Dage­gen sei die Bil­lig­keits­ent­schei­dung gemäß § 243 FamFG nicht mit der for­ma­len Prü­fung ver­gleich­bar.

Ein ande­rer Teil der Recht­spre­chung wen­det auf die iso­lier­te Anfech­tung von Kos­ten­ent­schei­dun­gen in allen Fami­li­en­sa­chen die §§ 58 ff. FamFG an mit der Begrün­dung, dass § 113 Abs. 1 FamFG die Rechts­mit­tel­vor­schrif­ten des FamFG nicht aus­schlie­ße. Auch die Kos­ten­ent­schei­dung sei Teil der End­ent­schei­dung und sonach gemäß §§ 58 ff. FamFG anfecht­bar [1]. Aus dem Vor­be­halt des anzu­wen­den­den Ver­fah­rens­rechts in § 58 Abs. 1 2. Hs. FamFG erge­be sich jeden­falls in Unter­halts­sa­chen nichts ande­res, da § 243 FamFG als lex spe­cia­lis die Vor­schrif­ten der ZPO über Kos­ten­ent­schei­dun­gen ver­drän­ge [2].

Das OLG Mün­chen wie­der­um hat die Anwend­bar­keit von § 99 Abs. 2 ZPO bejaht, im Ergeb­nis aller­dings die §§ 58 ff. FamFG ange­wandt [3].

Schließ­lich wird auch ver­tre­ten dass sich die iso­lier­te Anfecht­bar­keit einer Kos­ten­ent­schei­dung nach §§ 113 Abs. 1 FamFG, 99 Abs. 2, 567 Abs. 1 Nr. 1 ZPO rich­te [4]. Dies wird damit begrün­det, dass § 113 Abs. 1 FamFG auch auf § 99 ZPO ver­wei­se und § 99 Abs. 2 ZPO eine ande­re Rege­lung der Anfecht­bar­keit im Sin­ne des § 58 Abs. 1 FamFG dar­stel­le; § 243 FamFG sei im Ver­hält­nis zu § 99 Abs. 2 ZPO kei­ne spe­zi­el­le­re Rege­lung, da die Vor­schrift die inhalt­li­chen Kri­te­ri­en für die Kos­ten­ent­schei­dung in Unter­halts­sa­chen rege­le und damit auch nur die §§ 91 bis 93, 97, 269 Abs. 3 ZPO ver­drän­gen kön­ne. Dies ent­spre­che auch dem Wil­len des Gesetz­ge­bers.

Das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart folgt der Auf­fas­sung, dass die iso­lier­te Anfech­tung von Kos­ten­ent­schei­dun­gen auch in Unter­halts- und – wie vor­lie­gend – in Ehe­sa­chen nach §§ 58 ff. FamFG statt­fin­det.

Die in der Geset­zes­be­grün­dung und in den Mate­ria­li­en zur Ent­ste­hung des FamFG geäu­ßer­te Rechts­auf­fas­sung, in Ehe- und Fami­li­en­streit­sa­chen sei­en infol­ge der Ver­wei­sung nach § 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG auf Kos­ten­be­schwer­den die §§ 91 ff. ZPO anzu­wen­den [5], fin­det weder in § 58 FamFG noch in § 113 Abs. 1 FamFG eine Grund­la­ge [6]. Denn gemäß § 58 Abs. 1 FamFG ist die Beschwer­de das statt­haf­te Rechts­mit­tel gegen End­ent­schei­dun­gen, und zwar auch in Bezug auf Unter­halts- und Ehe­sa­chen. Die Kos­ten­ent­schei­dung ist aber eine End­ent­schei­dung im Sin­ne von §§ 38 Abs. 1, 58 Abs. 1 FamFG, da durch sie der Ver­fah­rens­ge­gen­stand jeden­falls teil­wei­se, näm­lich in Bezug auf die Kos­ten­fra­ge, erle­digt wird [7].

Das Gesetz sieht für die iso­lier­te Anfech­tung von Kos­ten­ent­schei­dun­gen auch kein ande­res Rechts­mit­tel im Sin­ne von § 58 Abs. 1 2. Hs FamFG vor. § 113 Abs. 1 FamFG ver­weist nicht auf § 99 Abs. 2 ZPO. Nach § 113 Abs. 1 FamFG sind zwar die Kos­ten­vor­schrif­ten des FamFG in Fami­li­en­streit­sa­chen und Ehe­sa­chen nicht anzu­wen­den. § 99 ZPO trifft aber kei­ne Rege­lung über den mate­ri­el­len Gehalt von Kos­ten­ent­schei­dun­gen, son­dern nur über deren Anfecht­bar­keit. Es han­delt sich daher nicht um eine von der Ver­wei­sung in § 113 Abs. 1 FamFG erfass­te Kos­ten­vor­schrift im Sin­ne der §§ 81 ff. FamFG, son­dern ledig­lich um eine Rechts­mit­tel­vor­schrift [8].

Bei der Kos­ten­vor­schrift des § 150 FamFG, wel­che die Kos­ten­tra­gungs­pflicht in Ehe­sa­chen regelt, han­delt es sich um eine dem § 243 FamFG in sei­ner Sys­te­ma­tik ent­spre­chen­den Vor­schrift, so dass die iso­lier­te Anfecht­bar­keit von Kos­ten­ent­schei­dun­gen sowohl in Fami­li­en­streit­sa­chen als auch in Ehe­sa­chen nach Ansicht des Senats gem. §§ 58 ff FamFG statt­fin­det.

Bei Anwen­dung der §§ 58 ff. FamFG auf Rechts­mit­tel gegen End­ent­schei­dun­gen in Fami­li­en­streit­sa­chen und Ehe­sa­chen ent­steht auch kei­ne Rege­lungs­lü­cke in Bezug auf Beschwer­den gegen die Bewil­li­gung oder Ver­sa­gung von Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe, da es sich inso­weit nicht um End­ent­schei­dun­gen im Sin­ne von § 38 FamFG han­delt.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 2. August 2011 – 18 UF 223/​11

  1. OLG Bre­men Beschluss vom 18.04.2011 – 4 WF 23/​11; OLG Olden­burg FamRZ 2010, 1831 f.; OLG Hamm FamRZ 2011, 582[]
  2. OLG Bre­men und OLG Olden­burg a.a.O.[]
  3. OLG Mün­chen Beschluss vom 06.04.2010 – 2 WF 107/​10[]
  4. so OLG Köln FamRZ 2011, 579; OLG Olden­burg FamRZ 2011, 578; KG NJW 2010, 3588[]
  5. vgl. BT-Drs. 16/​11385 und 16/​12727 Sei­te 60 sowie BT-Drs. 16/​6308 S. 168[]
  6. vgl. OLG Bre­men a.a.O.; OLG Olden­burg FamRZ 2010, 1831 f.[]
  7. Ves­korn in Zöl­ler, § 38 FamFG RN 3; Ober­heim in SchulteBunert/​Weinreich, Kom­men­tar zum FamFG, 2. Aufl.2010, § 38 FamFG RN 6[]
  8. vgl. zu § 91a ZPO eben­so OLG Olden­burg FamRZ 2010, 1693 f.[]