Kin­des­un­ter­halt – und die über­ob­li­ga­to­ri­sche Arbeit des Vaters

Das aus einer über­ob­li­ga­to­ri­schen Tätig­keit erziel­te Ein­kom­men des Unter­halts­pflich­ti­gen kann nach der Recht­spre­chung auch beim Kin­des­un­ter­halt teil­wei­se anrech­nungs­frei bleiben.

Kin­des­un­ter­halt – und die über­ob­li­ga­to­ri­sche Arbeit des Vaters

Über­ob­li­ga­to­risch ist eine Tätig­keit dann, wenn für sie kei­ne oder nur eine ein­ge­schränk­te Erwerbs­ob­lie­gen­heit besteht und des­halb der­je­ni­ge, der sie aus­übt, unter­halts­recht­lich nicht dar­an gehin­dert ist, sie jeder­zeit zu been­den oder zu redu­zie­ren [1]. Es ent­spricht der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass auch beim Ver­wand­ten­un­ter­halt (§ 1601 BGB) das Ein­kom­men des Unter­halts­pflich­ti­gen nur ein­ge­schränkt zu berück­sich­ti­gen ist, wenn es auf einer über­ob­li­ga­to­ri­schen Tätig­keit beruht und eine voll­stän­di­ge Her­an­zie­hung des Ein­kom­mens zu Unter­halts­zwe­cken gegen Treu und Glau­ben nach § 242 BGB ver­stie­ße [2].

Es ist fer­ner in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur aner­kannt, dass die Tätig­keit eines Unter­halts­pflich­ti­gen auch dann als ganz oder teil­wei­se über­ob­li­ga­to­risch bewer­tet wer­den kann, wenn die Aus­übung der Erwerbs­tä­tig­keit mit an sich unzu­mut­ba­ren gesund­heit­li­chen Belas­tun­gen ver­bun­den ist. Wer sich gegen­über sei­ner Erwerbs­ob­lie­gen­heit auf eine krank­heits­be­ding­te Ein­schrän­kung sei­ner Erwerbs­fä­hig­keit beru­fen will, muss grund­sätz­lich Art und Umfang der behaup­te­ten gesund­heit­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen oder Lei­den ange­ben und hat fer­ner dar­zu­le­gen, inwie­weit die behaup­te­ten gesund­heit­li­chen Stö­run­gen sich auf die Erwerbs­fä­hig­keit aus­wir­ken [3].

Die­sen Anfor­de­run­gen genügt die im vor­lie­gen­den Fall in der Vor­in­stanz vom Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf [4] gege­be­ne Begrün­dung nicht. Es hat sich dar­auf beschränkt fest­zu­stel­len, dass der Vater seit Dezem­ber 2016 an Krebs erkrankt und laut einem ärzt­li­chen Attest bis Ende 2017 nicht arbeits­fä­hig gewe­sen ist. Das Ober­lan­des­ge­richt ist von der Prä­mis­se aus­ge­gan­gen, dass der Vater den Krank­heits­ver­lauf und die durch­ge­führ­ten The­ra­pie­maß­nah­men nicht näher dar­ge­legt hat. Ent­spre­chen­de Fest­stel­lun­gen wären aber nach den dar­ge­stell­ten Maß­ga­ben erfor­der­lich gewe­sen, zumal der Vater nach den getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen gera­de im Jahr 2017 über­durch­schnitt­lich gut ver­dient hat.

Weiterlesen:
Fiktive Einkommenszurechnung beim Kindesunterhalt

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Okto­ber 2020 – XII ZB 201/​19

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 15.02.2017 – XII ZB 201/​16 FamRZ 2017, 711 Rn.19 ff. mwN und BGH, Urteil BGHZ 162, 384 = FamRZ 2005, 1154, 1156[]
  2. BGH, Beschluss vom 10.07.2013 – XII ZB 297/​12 , FamRZ 2013, 1558 Rn. 12, 16 f.[]
  3. BGH, Beschluss vom 10.07.2013 – XII ZB 297/​12 , FamRZ 2013, 1558 Rn. 12 mwN[]
  4. OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 11.04.2019 – II‑7 UF 151/​18[]