Ord­nungs­geld wegen Ver­sto­ßes gegen eine befris­te­te Gewalt­schutz­an­ord­nung

Der Ver­stoß gegen ein befris­te­tes Unter­las­sungs­ge­bot nach § 1 Gewalt­schutzG kann auch noch nach Fris­ten­de durch Ver­hän­gung eines Ord­nungs­gel­des geahn­det wer­den, sofern der Ver­stoß inner­halb der Ver­bots­frist erfolgt ist 1.

Ord­nungs­geld wegen Ver­sto­ßes gegen eine befris­te­te Gewalt­schutz­an­ord­nung

Der Ver­hän­gung eines Ord­nungs­mit­tels stand und steht es nicht ent­ge­gen, dass das gegen den Antrags­geg­ner aus­ge­spro­che­ne Ver­bot befris­tet und somit bei Ver­hän­gung des Ord­nungs­mit­tels durch Beschluss des Amts­ge­richts nicht mehr wirk­sam war.

Aller­dings hat das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le mit Beschluss vom 21.01.2013 2 ent­schie­den, dass nach Fris­ten­de eines befris­te­ten Unter­las­sungs­ti­tels Ord­nungs­mit­tel nicht mehr ver­hängt wer­den dürf­ten, selbst wenn die Zuwi­der­hand­lung noch inner­halb des Gül­tig­keits­zeit­raums des Unter­las­sungs­ti­tels erfolgt sei.

Die­ser Ent­schei­dung folgt das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he nicht. Viel­mehr schließt es sich der eben­falls ober­ge­richt­lich ver­tre­te­nen Ansicht 3 an, dass es für eine Ahn­dung aus­reicht, dass der Ver­stoß gegen ein befris­te­tes Unter­las­sungs­ge­bot inner­halb der Ver­bots­frist erfolgt ist; weder der Bestra­fungs­an­trag noch die Ver­hän­gung des Ord­nungs­mit­tels muss sodann inner­halb der Ver­bots­frist erfol­gen.

Im Hin­blick auf den dem Ord­nungs­mit­tel bei­zu­mes­sen­den auch repres­si­ven Cha­rak­ter 4 ist es gebo­ten, statt­ge­fun­de­ne Ver­stö­ße auch dann zu ahn­den, wenn das Unter­las­sungs­ge­bot inzwi­schen durch Zeit­ab­lauf geen­det hat 5. Inso­weit liegt der Fall anders als dort, wo ein vor­läu­fig wirk­sa­mes Unter­las­sungs­ge­bot spä­ter durch Auf­he­bung, Antrags­rück­nah­me, Erle­di­gungs­er­klä­run­gen oder auf ande­re Wei­se ins­ge­samt wir­kungs­los gewor­den ist.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 1. Juni 2015 – 20 WF 35/​15

  1. ent­ge­gen OLG Cel­le, Beschluss vom 21.01.2013, Az. 21 WF 318/​12 , Fam­RZ 2013, 1758[]
  2. OLG Cel­le, Beschluss vom 21.01.2013 – 21 WF 318/​12 , Fam­RZ 2013, 1758; eben­so LAG Ham­burg, MDR 1990, 365; ableh­nend Keidel/​Giers, FamFG, 18. Aufl., § 95 Rn. 16 a; Giers, Fam­FR 2013, 161[]
  3. OLG Stutt­gart OLGR 2001, 248; OLG Düs­sel­dorf OLGR 2001, 350; eben­so OLG Nürn­berg GRUR 1996, 79 – die man­geln­de Voll­streck­bar­keit wur­de dort nicht dar­aus her­ge­lei­tet, dass zwi­schen­zeit­lich die Ver­bots­frist geen­det hat­te, son­dern dar­aus, dass im Erkennt­nis­ver­fah­ren inzwi­schen über­ein­stim­men­de Erle­di­gungs­er­klä­run­gen abge­ge­ben waren[]
  4. Zöller/​Stöber, ZPO, 30. Aufl., § 890 Rn. 5; Münch­Komm-ZPO/Gru­ber, 4. Aufl., § 890 Rn. 2[]
  5. eben­so mit ein­ge­hen­der Begrün­dung OLG Stutt­gart OLGR 2001, 248[]