Rechts­be­schwer­de gegen die Ver­wer­fung einer Beschwer­de als unzu­läs­sig

Auch im Fall der Rechts­be­schwer­de gegen die Ver­wer­fung einer Beschwer­de als unzu­läs­sig (§ 117 Abs. 1 Satz 4 FamFG i.V.m. § 522 Abs. 1 Satz 4 ZPO) erüb­rigt sich nicht die Prü­fung der Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen nach § 574 Abs. 2 ZPO. Die Rechts­be­schwer­de ist daher auch in die­sen Fäl­len nur bei grund­sätz­li­cher Bedeu­tung, zur Fort­bil­dung des Rechts oder zur Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung zuläs­sig.

Rechts­be­schwer­de gegen die Ver­wer­fung einer Beschwer­de als unzu­läs­sig

Zwar ver­weist § 117 Abs. 1 Satz 4 FamFG nur auf § 522 Abs. 1 Satz 4 ZPO. Des­halb wird die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass die Rege­lung des § 117 Abs. 1 Satz 4 FamFG i.V.m. § 522 Abs. 1 Satz 4 ZPO neben den Zulas­sungs­vor­schrif­ten gemäß § 70 Abs. 1 und 2 FamFG gel­te 1. Nach § 117 FamFG ist das Beschwer­de­ver­fah­ren in Ehe- und Fami­li­en­streit­sa­chen aber näher an das Beru­fungs­ver­fah­ren im Zivil­pro­zess ange­lehnt als an das Beschwer­de­ver­fah­ren des FamFG 2. Nach der Stel­lung­nah­me des Bun­des­rats, die zur Ein­fü­gung der Ver­wei­sung auf § 522 ZPO geführt hat, soll­te die Gel­tung von § 522 Abs. 1 Satz 4 ZPO ange­ord­net wer­den, um einen Gleich­klang mit der Beru­fung zu errei­chen. Eben­so wie die Ver­wer­fung der Beru­fung soll­te auch die ent­spre­chen­de Ent­schei­dung des Beschwer­de­ge­richts in Ehe- und Fami­li­en­streit­sa­chen ohne Zulas­sung ange­foch­ten wer­den kön­nen 3.

Auf der Grund­la­ge die­ser Moti­ve des Gesetz­ge­bers kann der Ver­wei­sung auf § 522 Abs. 1 Satz 4 ZPO daher ent­nom­men wer­den, dass die dort ange­führ­te, also die nach der Zivil­pro­zess­ord­nung eröff­ne­te Rechts­be­schwer­de mit ihren Ver­fah­rens­grund­sät­zen und nicht die all­ge­mein für Ver­fah­ren nach dem Gesetz über das Ver­fah­ren in Fami­li­en­sa­chen und in den Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit in § 70 FamFG gere­gel­te Rechts­be­schwer­de auf den Ver­wer­fungs­be­schluss Anwen­dung fin­den soll. Not­wen­di­ge Fol­ge davon ist aber, dass nicht nur die Rege­lung über die Zulas­sungs­frei­heit, son­dern auch die Rege­lung in § 574 Abs. 2 ZPO Anwen­dung fin­det 4. Dem­entspre­chend ist der Bun­des­ge­richts­hof auch in der Ver­gan­gen­heit stets von der Anwend­bar­keit des § 574 ZPO aus­ge­gan­gen 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Sep­tem­ber 2013 – XII ZB 457/​11

  1. Musielak/​Borth/​Grandel FamFG 4. Aufl. § 117 Rn. 3[]
  2. BGH, Beschluss vom 28.09.2011 – XII ZB 2/​11, Fam­RZ 2011, 1933 Rn.20; BT-Drucks. 16/​6308 S. 372; Keidel/​Weber FamFG 17. Aufl. § 117 Rn. 9; BeckOK/​Nickel [Stand: 1.04.2013] § 117 Rn. 21[]
  3. BT-Drucks. 16/​6308 S. 372[]
  4. Prütting/​Helms/​Feskorn FamFG 2. Aufl. § 117 Rn. 73; Keidel/​MeyerHolz FamFG 17. Aufl. § 70 Rn. 47; Zöller/​Lorenz ZPO 29. Aufl. § 117 Rn. 2; BeckOK/​Gutjahr FamFG [Stand: 1.07.2013] § 70 Rn. 42 und BeckOK/​Nickel FamFG [Stand: 1.07.2013] § 117 Rn. 22[]
  5. BGH, Beschlüs­se vom 07.03.2012 – XII ZB 421/​11, Fam­RZ 2012, 962 Rn. 5; vom 09.11.2011 – XII ZB 212/​11, Fam­RZ 2012, 204 Rn. 5 und vom 17.08.2011 – XII ZB 50/​11, Fam­RZ 2011, 1649 Rn. 5[]