Ver­ein­ba­run­gen zum Ver­sor­gungs­aus­gleich

Ein – durch Ver­ein­ba­rung der betei­lig­ten Ehe­gat­ten der Höhe nach fest­ge­leg­ter – an den Ziel­ver­sor­gungs­trä­ger im Wege der exter­nen Tei­lung zu zah­len­der Kapi­tal­be­trag ist nicht zu ver­zin­sen.

Ver­ein­ba­run­gen zum Ver­sor­gungs­aus­gleich

Nach § 14 Abs. 2 Nr. 2 VersAus­glG ist eine exter­ne Tei­lung durch­zu­füh­ren, wenn der Ver­sor­gungs­trä­ger des Aus­gleichs­pflich­ti­gen die exter­ne Tei­lung ver­langt und der Aus­gleichs­wert die in § 14 Abs. 2 Nr. 2 VersAus­glG fest­ge­leg­te Wert­gren­ze nicht über­schrei­tet. Eine exter­ne Tei­lung die­ser Anrech­te ist auf ein­sei­ti­ges Ver­lan­gen des Ver­sor­gungs­trä­gers durch­zu­füh­ren, wenn der Aus­gleichs­wert am Ende der Ehe­zeit bei einem Ren­ten­be­trag als maß­geb­li­chem Bezugs­fak­tor höchs­tens 2 Pro­zent, in allen ande­ren Fäl­len als Kapi­tal­wert höchs­tens 240 Pro­zent der monat­li­chen Bezugs­grö­ße nach § 18 Abs. 1 des SGB IV beträgt. Die Wert­gren­ze beträgt für das Jahr 2011 – aus­ge­hend von einer Bezugs­grö­ße von 2.555 € – 6.232 €.

Gemäß § 15 Abs. 1 VersAus­glG hat der Antrag­stel­ler als aus­gleichs­be­rech­tig­te Per­son ein Wahl­recht hin­sicht­lich der Ziel­ver­sor­gung. Die Anfor­de­run­gen an die gewähl­te Ziel­ver­sor­gung nach § 15 Abs. 2 und 3 VersAus­glG sind bei einer berufs­stän­di­schen Ver­si­che­rung erfüllt, die in ihrer Sat­zung zusätz­li­che Ver­sor­gungs­ab­ga­ben bis zu einer bestimm­ten Höhe gestat­tet, vgl. § 15 Abs. 4 VersAus­glG.

Abwei­chend von § 14 Abs. 1 und 4 VersAus­glG wird im vor­lie­gen­den Fall nicht der auf das Ende der Ehe­zeit bezo­ge­ne Aus­gleichs­wert – die­ser beträgt hier 3.284,80 € – als an den Ziel­ver­sor­gungs­trä­ger zu zah­len­der Kapi­tal­be­trag fest­ge­setzt, son­dern – ent­spre­chend der Ver­ein­ba­rung der betei­lig­ten Ehe­gat­ten – ein Kapi­tal­be­trag von (nur) 1.728 €. Der Antrag­stel­ler hat in der münd­li­chen Ver­hand­lung wirk­sam auf die Durch­füh­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs betref­fend das Anrecht der Antrags­geg­ne­rin auf eine pri­va­te Alters­ver­sor­gung bei der Vic­to­ria Lebens­ver­si­che­rung AG ver­zich­tet, soweit der Aus­gleichs­be­trag 1.728 € über­stei­gen wür­de. Die Antrags­geg­ne­rin hat den Ver­zicht ange­nom­men. In Hin­blick dar­auf, dass Beden­ken gegen die Wirk­sam­keit die­ses Teil­ver­zichts weder vor­ge­tra­gen noch ersicht­lich sind, ist das Fami­li­en­ge­richt an die­se – gemäß §§ 7 Abs. 2 VersAus­glG, 127a BGB for­mell wirk­sa­me – Ver­ein­ba­rung gebun­den, §§ 6 Abs. 2, 8 Abs. 1 VersAus­glG.

Der an den Ziel­ver­sor­gungs­trä­ger zu zah­len­de Kapi­tal­be­trag ist nicht zu ver­zin­sen.

Grund­sätz­lich ist der zum Voll­zug der exter­nen Tei­lung nach § 14 Abs. 4 VersAus­glG in Ver­bin­dung mit § 222 Abs. 3 FamFG vom Ver­sor­gungs­trä­ger der aus­gleichs­pflich­ti­gen Per­son an den Ver­sor­gungs­trä­ger der aus­gleichs­be­rech­tig­ten Per­son zu zah­len­de Aus­gleichs­wert ab Ende der Ehe­zeit bis zur Rechts­kraft der Ent­schei­dung über den Ver­sor­gungs­aus­gleich in Höhe des Rech­nungs­zin­ses der aus­zu­glei­chen­den Ver­sor­gung zu ver­zin­sen 1. Mit der Ver­zin­sung des nach § 14 Abs. 4 VersAus­glG zu zah­len­den Kapi­tal­be­tra­ges soll dem im Gesetz vor­ge­schrie­be­nen Gebot der Halb­tei­lung Rech­nung getra­gen wer­den 2. Bei der exter­nen Tei­lung wird der Ver­sor­gungs­aus­gleich mit der Rechts­kraft der Ent­schei­dung voll­zo­gen, § 224 Abs. 1 FamFG. In Hin­blick dar­auf, dass sich der Aus­gleichs­wert nach § 14 Abs. 1 VersAus­glG in Ver­bin­dung mit § 5 Abs. 2 Satz 1 VersAus­glG auf das Ende der Ehe­zeit bezieht, wäh­rend die Titu­lie­rung nach § 14 Abs. 4 Ver­sAuslG erst spä­ter erfol­gen kann, nimmt der Aus­gleichs­be­rech­tig­te nicht an den zwi­schen Ehe­zei­ten­de und Rechts­kraft der Ent­schei­dung über den Ver­sor­gungs­aus­gleich ein­tre­ten­den Wert­än­de­run­gen des Anrechts teil. Aus die­sem Grund soll der zu zah­len­de Kapi­tal­be­trag ver­zinst wer­den, um ein dem Grund­satz der Halb­tei­lung gerecht wer­den­des Anrecht für den Aus­gleichs­be­rech­tig­ten zu begrün­den.

Im vor­lie­gen­den Fall haben die betei­lig­ten Ehe­gat­ten jedoch eine vom Halb­tei­lungs­grund­satz abwei­chen­de, wirk­sa­me Ver­ein­ba­rung über das im Wege der exter­nen Tei­lung aus­zu­glei­chen­de Anrecht der Antrags­geg­ne­rin auf eine pri­va­te Alters­ver­sor­gung getrof­fen. Der Antrag­stel­ler hat aus­drück­lich auf den (teil­wei­sen) Aus­gleich die­ses Anrechts – mit einem errech­ne­ten Aus­gleichs­wert von 3.284,80 € – ver­zich­tet, soweit der Aus­gleichs­wert den Betrag von 1.728 € über­stei­gen wür­de. Die Antrags­geg­ne­rin hat den Teil­ver­zicht ange­nom­men. Eine Ver­zin­sung die­ses Betrags haben die Ehe­leu­te nicht ver­ein­bart. Sie kann auch schon des­we­gen nicht durch das Gericht ergän­zend ange­ord­net wer­den, weil eine Ver­zin­sung zu einer – wenn auch nur gering­fü­gi­gen – Über­schrei­tung des durch die Ver­sor­gungs­an­stalt mit Schrei­ben vom 9.11.2011 akzep­tier­ten Betrags füh­ren wür­de, bis zu dem sie bereit war, als Ziel­ver­sor­gung zu fun­gie­ren.

Die betei­lig­ten Ehe­gat­ten sind nicht dar­an gehin­dert, die Zin­sen für den zu zah­len­den Kapi­tal­wert in ihre ver­trag­li­che Abre­de ein­zu­be­zie­hen und (auch) inso­weit vom gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Halb­tei­lungs­grund­satz abzu­se­hen. Durch die neu­en Rege­lun­gen zum Ver­sor­gungs­aus­gleich wer­den viel­mehr die Dis­po­si­ti­ons­be­fug­nis­se der Ehe­gat­ten im Ver­sor­gungs­aus­gleich gestärkt 3.

Bei dem Ver­zicht auf eine Ver­zin­sung des Aus­gleichs­be­trags han­delt es sich vor­lie­gend nicht um einen Ver­trag zu Las­ten Drit­ter, also zu Las­ten des Ziel­ver­sor­gungs­trä­gers.

Durch die gericht­li­che Ent­schei­dung über den Ver­sor­gungs­aus­gleich wird zwi­schen dem aus­gleichs­be­rech­tig­ten Antrag­stel­ler und dem Ziel­ver­sor­gungs­trä­ger das bereits bestehen­de Rechts­ver­hält­nis erwei­tert. Der Aus­gleichs­be­rech­tig­te erhält durch rich­ter­li­chen Gestal­tungs­akt wei­te­re Rech­te im Umfang des über­tra­ge­nen Kapi­tal­be­tra­ges 4. Dabei rich­tet sich die Aus­ge­stal­tung des Rechts­ver­hält­nis­ses nach der gel­ten­den Sat­zung des Ver­sor­gungs­trä­gers, hier der Baden-Würt­tem­ber­gi­schen Ver­sor­gungs­an­stalt für Ärz­te, Zahn­ärz­te und Tier­ärz­te 5.

Der Ver­zicht auf eine Ver­zin­sung des (ver­ein­bar­ten) Aus­gleichs­wer­tes führt vor­lie­gend dazu, dass für den aus­gleichs­be­rech­tig­ten Antrag­stel­ler (nur) ein Anrecht begrün­det wird, das mit die­sem Aus­gleichs­wert im Zeit­punkt der rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung über den Ver­sor­gungs­aus­gleich finan­ziert wer­den kann 6. Dabei kann dahin ste­hen, ob der Ver­zin­sungs­vor­gang beim Ziel­ver­sor­gungs­trä­ger ab Rechts­kraft der Ent­schei­dung oder ab Zugang der Kapi­tal­zah­lung nach § 14 Abs. 4 VersAus­glG 7 beginnt. Jeden­falls fin­det eine Ver­zin­sung für den Zeit­raum zwi­schen Ehe­zei­ten­de und Ein­tritt der Rechts­kraft der Ent­schei­dung nicht statt. Inso­weit ist die Situa­ti­on anders als bei der exter­nen Tei­lung nach § 15 Abs. 5 Satz 1 VersAus­glG durch Begrün­dung eines Anrechts in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung, bei der durch § 76 Abs. 4 Satz 2 SGB VI fest­ge­legt ist, dass der nach § 14 Abs. 4 VersAus­glG fest­ge­setz­te Kapi­tal­be­trag zur Ermitt­lung der über­tra­ge­nen Ent­gelt­punk­te mit dem zum Ende der Ehe­zeit maß­geb­li­chen Umrech­nungs­fak­tor ver­viel­fäl­tigt wird. In die­sem Fall nimmt das Anrecht ab Ehe­zei­ten­de des­we­gen an der Ent­wick­lung des all­ge­mei­nen Ren­ten­werts teil, sodass sich eine feh­len­de Ver­zin­sung zu Las­ten der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft in der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung aus­wir­ken wür­de.

Vor­lie­gend fehlt eine sol­che Rege­lung der „auto­ma­ti­schen“ Teil­ha­be. Das Anrecht des Antrag­stel­lers bei der Betei­lig­ten Zif­fer 1 wird nicht rück­wir­kend begrün­det (auf den Zeit­punkt des Ehe­zei­ten­des), son­dern erst mit Rechts­kraft der Ent­schei­dung zum Ver­sor­gungs­aus­gleich wird zwi­schen der aus­gleichs­be­rech­tig­ten Per­son und der Ziel­ver­sor­gung für den als Kapi­tal­be­trag zu leis­ten­den Aus­gleichs­wert ein Rechts­ver­hält­nis begrün­det oder aus­ge­baut 8. In Hin­blick dar­auf, dass der Ziel­ver­sor­gungs­trä­ger für den Aus­gleichs­be­rech­tig­ten ledig­lich in Höhe des fest­ge­setz­ten Kapi­tal­be­tra­ges ein Anrecht begrün­den muss, liegt kei­ne Ver­ein­ba­rung zum Nach­teil des Ziel­ver­sor­gungs­trä­gers vor.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 16. August 2012 – 18 UF 347/​11

  1. BGH Fam­RZ 2011, 1785; Borth, a.a.O., Rz. 612, Palandt/​Brudermüller, BGB, 71. Auf­la­ge 2012, § 14 VersAus­glG Rz. 8; Berg­mann in: Beck'scher Online-Kom­men­tar, BGB, Stand 1.5.2012, § 14 VersAus­glG Rz. 7; Johannsen/​Henrich/​Holzwarth, Fami­li­en­recht, 5. Auf­la­ge 2010, § 14 VersAus­glG Rz. 26[]
  2. BGH Fam­RZ 2011, 1785[]
  3. vgl. Borth, a.a.O., Kap. 7 Rz. 906[]
  4. NK-BGB/­Göt­sche, Fami­li­en­recht, 2. Auf­la­ge 2010, § 14 VersAus­glG Rz. 18[]
  5. OLG Olden­burg Beschluss vom 07.02.2012 – 3 UF 171/​11; NK-BGB/­Göt­sche, a.a.O., § 14 VersAus­glG Rz. 18[]
  6. vgl. BGH Fam­RZ 2011, 1785 Tz. 23[]
  7. so Borth, a.a.O., Rz. 550, 1139[]
  8. Johannsen/​Henrich/​Holzwarth, a.a.O., § 14 VersAus­glG Rz. 24[]