Ver­sor­gungs­aus­gleich: Exter­ne Tei­lung trotz gerin­gem Aus­gleichs­wert

§ 18 Abs. 2 VersAus­glG bestimmt, dass ein­zel­ne Anrech­te mit einem gerin­gen Aus­gleichs­wert nicht aus­ge­gli­chen wer­den sol­len. Das bedeu­tet, dass gering­wer­ti­ge Anrech­te nur dann aus­zu­glei­chen sind, wenn nach gericht­li­chem Ermes­sen beson­de­re Grün­de hier­für spre­chen. Wel­che kon­kre­ten Erwä­gun­gen in die Ermes­sens­aus­übung ein­zu­stel­len sind, lässt das Gesetz offen.

Ver­sor­gungs­aus­gleich: Exter­ne Tei­lung trotz gerin­gem Aus­gleichs­wert

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat [1], will die in § 18 VersAus­glG ent­hal­te­ne Rege­lung eine Ant­wort auf sol­che Fall­kon­stel­la­tio­nen geben, bei denen die Durch­füh­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs unver­hält­nis­mä­ßig und aus Sicht der Par­tei­en nicht vor­teil­haft ist. Die Rege­lung will ins­be­son­de­re ver­mei­den, dass dem zustän­di­gen Ver­sor­gungs­trä­ger durch die Tei­lung und Auf­nah­me eines neu­en Anwär­ters – wie es dem gesetz­li­chen Leit­bild der inter­nen Tei­lung ent­spricht – ein gemes­sen am gerin­gen Aus­gleichs­wert unver­hält­nis­mä­ßig hoher Ver­wal­tungs­auf­wand ent­steht. Nach dem Geset­zes­zweck sind daher die Belan­ge der Ver­wal­tungs­ef­fi­zi­enz auf Sei­ten des Ver­sor­gungs­trä­gers gegen das Inter­es­se des aus­gleichs­be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten an der Erlan­gung auch gering­fü­gi­ger Anrech­te abzu­wä­gen.

Bei die­ser Abwä­gung darf der Halb­tei­lungs­grund­satz als Maß­stab des Ver­sor­gungs­aus­gleichs­rechts (§ 1 Abs. 1 VersAus­glG) nicht außer Betracht blei­ben; die­ser ist bei der Aus­le­gung ein­zel­ner Vor­schrif­ten und Ermes­sens­ent­schei­dun­gen des Ver­sor­gungs­aus­gleichs stets zu berück­sich­ti­gen [2]. Kann die mit der Rege­lung des § 18 Abs. 2 VersAus­glG bezweck­te Ver­wal­tungs­ver­ein­fa­chung nicht in einem den Aus­schluss des Aus­gleichs recht­fer­ti­gen­den Maße erreicht wer­den, gebührt dem Halb­tei­lungs­grund­satz der Vor­rang.

Dabei kann die Ermes­sens­er­wä­gun­gen tra­gend dar­auf gestützt wer­den, dass die – bei der exter­nen Tei­lung von vorn­her­ein nur in gerin­ge­rem Maße vor­lie­gen­den – Belan­ge der Ver­wal­tungs­ef­fi­zi­enz hin­ter dem als för­de­rungs­wür­dig zu erach­ten­den Inter­es­se der Ehe­frau an der Erlan­gung des – wenn auch nur gering­wer­ti­gen – Anrechts zurück­tre­ten.

Das ent­spricht der Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung [3], wonach die Belas­tung des Ver­sor­gungs­trä­gers mit den Kos­ten einer exter­nen Tei­lung für sich genom­men regel­mä­ßig nicht den Aus­schluss eines Aus­gleichs wegen Gering­wer­tig­keit nach § 18 Abs. 2 VersAus­glG zu recht­fer­ti­gen ver­mag. Auch wird durch die ange­ord­ne­te Tei­lung kein unwirt­schaft­li­ches Klein­st­an­recht begrün­det.

  1. BGH, Beschluss vom 30.11.2011 – XII ZB 79/​11, FamRZ 2012, 189 Rn.19; vgl. auch BT-Drucks. 16/​10144 S. 38, 60[]
  2. BT-Drucks. 16/​10144 S. 45[]
  3. BGH, Beschluss vom 30.11.2011 – XII ZB 79/​11, FamRZ 2012, 189 Rn. 22[]