Ver­sor­gungs­aus­künf­te der VBL – und die geschlechts­spe­zi­fi­schen Bar­wert­fak­to­ren

Nach dem 1.01.2013 von der VBL erteil­te Ver­sor­gungs­aus­kunft sind nicht ver­wert­bar, solan­ge sie inhalt­lich auf einer Zugrun­de­le­gung geschlechts­spe­zi­fi­scher Bar­wert­fak­to­ren beru­hen.

Ver­sor­gungs­aus­künf­te der VBL – und die geschlechts­spe­zi­fi­schen Bar­wert­fak­to­ren

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, führt das von der VBL auf der Grund­la­ge von § 32 a Abs. 2 Satz 2 VBLS prak­ti­zier­te Ver­fah­ren zur Ermitt­lung des Aus­gleichs­werts bei der inter­nen Tei­lung unter Ver­wen­dung der im Tech­ni­schen Gesamt­plan der VBL ent­hal­te­nen geschlechts­spe­zi­fi­schen Bar­wert­fak­to­ren für die Umrech­nung bzw. Zurück­rech­nung von Bar­wer­ten zu einer mit Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG nicht zu ver­ein­ba­ren­den Ungleich­be­hand­lung von aus­gleichs­be­rech­tig­ten Per­so­nen männ­li­chen und weib­li­chen Geschlechts [1] und sind des­halb ab einer ange­mes­se­nen, inzwi­schen abge­lau­fe­nen Umstel­lungs­pha­se nicht mehr ver­wert­bar.

Ein schüt­zens­wer­tes Ver­trau­en in die Zuläs­sig­keit geschlechts­spe­zi­fi­scher ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­scher Rech­nungs­grund­la­gen kann auf­grund der soge­nann­ten „Test-Achats“, Ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs [2] jeden­falls für die im Rah­men der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung nach dem 21.12 2012 neu abge­schlos­se­nen Ver­si­che­run­gen nicht mehr in Anspruch genom­men wer­den. Die mög­li­chen Fol­ge­wir­kun­gen der „Test-Achats“, Ent­schei­dung auf das Sys­tem der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung haben ihren Nie­der­schlag auch in den zwi­schen der VBL und der Fach­ver­ei­ni­gung Zusatz­ver­sor­gung in der Arbeits­ge­mein­schaft kom­mu­na­le und kirch­li­che Alters­ver­sor­gung e.V. (AKA) ver­ein­bar­ten „Richt­li­ni­en zum Ver­sor­gungs­aus­gleich“ [3] gefun­den. Nach Zif­fer 2.04.1 der „Richt­li­ni­en“ sol­len bei Ver­sor­gungs­aus­künf­ten ab dem 1.01.2013 aus Grün­den der Rechts­si­cher­heit unab­hän­gig vom Ehe­zei­t­en­de auch in der Pflicht­ver­si­che­rung nur noch geschlechts­neu­tra­le Bar­wert­fak­to­ren her­an­ge­zo­gen wer­den. Vor die­sem Hin­ter­grund kann die von den „Richt­li­ni­en“ abwei­chen­de und im Ergeb­nis schon gegen natio­na­les Ver­fas­sungs­recht ver­sto­ßen­de Pra­xis der Ver­wen­dung geschlechts­spe­zi­fi­scher Bar­wert­fak­to­ren bei der Ermitt­lung des Aus­gleichs­werts nur noch für sol­che Ver­sor­gungs­aus­künf­te hin­ge­nom­men wer­den, die vor dem 1.01.2013 erteilt wor­den sind [1].

Wird die Ver­sor­gungs­aus­kunft – wie hier – nach dem 1.01.2013 erteilt, ist sie bei Her­an­zie­hung geschlechts­spe­zi­fi­scher Bar­wert­fak­to­ren grund­sätz­lich nicht ver­wert­bar. Solan­ge der betrof­fe­ne Zusatz­ver­sor­gungs­trä­ger sein Bewer­tungs­sys­tem noch nicht auf geschlechts­neu­tra­le Rech­nungs­grund­la­gen umge­stellt hat, kommt in der Über­gangs­zeit auch eine Schät­zung auf­grund von Nähe­rungs­be­rech­nun­gen [4] in Betracht [1].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. März 2017 – XII ZB 385/​15

  1. BGH, Beschluss vom 08.03.2017 – XII ZB 697/​13[][][]
  2. EuGH Urteil vom 01.03.2011 Rs. C236/​09 Slg. 2011, I773 = NJW 2011, 907 Rn.1921[]
  3. abge­druckt bei Gilbert/​Hesse Die Ver­sor­gung der Beschäf­tig­ten des öffent­li­chen Diens­tes unter Nr. 610[]
  4. vgl. OLG Cel­le FamRZ 2014, 305, 308 f.[]