Wie­der­ein­set­zung nach einem abge­lehn­ten Berich­ti­gungs­an­trag

Ein Antrag auf Wie­der­ein­set­zung ist dann begrün­det, wenn der Betei­lig­te ohne Ver­schul­den an der recht­zei­ti­gen Vor­nah­me der Pro­zess­hand­lung – hier der Ein­le­gung der Beschwer­de – gehin­dert war. Ob ein Ver­schul­den des Betei­lig­ten oder sei­nes Ver­tre­ters vor­liegt, ist nach dem objek­tiv ab-strak­ten Maß­stab des § 276 Abs. 2 BGB zu beur­tei­len; maß­geb­lich ist die Sorg­falt eines ordent­li­chen Betei­lig­ten.

Wie­der­ein­set­zung nach einem abge­lehn­ten Berich­ti­gungs­an­trag

Etwai­ges anwalt­li­ches Ver­schul­den ist dem Betei­lig­ten gemäß § 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG i.V.m. § 85 Abs. 2 ZPO zuzu­rech­nen. Hier ist dann die übli­che, also die berufs­be­dingt stren­ge Sorg­falt vor­aus­zu­set­zen, sodass inso­weit regel­mä­ßig eine Frist­ver­säu­mung ver­schul­det ist, wenn sie für einen pflicht­be­wuss­ten Rechts­an­walt abwend­bar gewe­sen wäre 1.

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Umstän­de war die Frist­ver­säum­nis nicht unver­schul­det. Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs hat die Berich­ti­gung einer gericht­li­chen Ent­schei­dung wegen offen­ba­rer Unrich­tig­keit gemäß § 319 ZPO grund­sätz­lich kei­nen Ein­fluss auf Beginn und Lauf von Rechts­mit­tel­fris­ten. Den Betei­lig­ten wird zuge­mu­tet, in ihrer Ent­schlie­ßung zur Ein­le­gung eines Rechts­mit­tels die offen­ba­re Unrich­tig­keit der Ent­schei­dung zu berück­sich­ti­gen, schon bevor sie gemäß § 319 ZPO rich­tig­ge­stellt wird 2.

Ins­be­son­de­re wäre er gehal­ten gewe­sen – jeden­falls so lan­ge wie nicht die Berich­ti­gung der fami­li­en­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung erfolgt ist – rein vor­sorg­lich Rechts­mit­tel gegen den fami­li­en­ge­richt­li­chen Beschluss ein­zu­le­gen.

m Übri­gen hält das Ober­lan­des­ge­richt es für zwei­fel­haft, ob selbst bei einer Zusa­ge der erst­in­stanz­lich zustän­di­gen Fami­li­en­rich­te­rin der Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­te des Antrag­stel­lers auf eine sol­che hät­te ver­trau­en dür­fen. Denn eine sol­che Zusa­ge sieht das Ver­fah­rens­recht nicht vor und sie dürf­te in der Sache auch unzu­läs­sig sein. Erst die Aus­kunft des erst­in­stanz­li­chen Gerichts, dass die Berich­ti­gung tat­säch­lich erfolgt ist, kann ein sol­ches schutz­wür­di­ges Ver­trau­en begrün­den 3.

Auch unter Anwen­dung des Grund­sat­zes, dass der Rechts­an­walt zur Frist­wah­rung den sichers­ten Wege zu gehen hat 4, wäre er gehal­ten gewe­sen, jeden­falls rein vor­sorg­lich Beschwer­de ein­zu­le­gen.

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 6. Janu­ar 2016 – 10 UF 169/​15

  1. Zöller/​Greger, ZPO, 31. Aufl.2016, § 233 Rn. 12, 13[]
  2. BGH Fam­RZ 2009, 1480; BGH Fam­RZ 1993, 1424; BGH Fam­RZ 1990, 988[]
  3. vgl. BGH NJW 1998, 3280[]
  4. vgl. Zöller/​Greger, ZPO, 31. Aufl.2016, § 233 Rn. 14[]