Bemes­sung des Eltern­gel­des

Nun hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in meh­re­re­ren Ver­fah­ren deut­lich gemacht, dass die Rege­lun­gen zur Berech­nung des Eltern­gel­des nach Bezug von Streik­geld, Kran­ken­geld oder Arbeits­lo­sen­geld ver­fas­sungs­ge­mäß sind.

Bemes­sung des Eltern­gel­des

Eltern­geld wird grund­sätz­lich nach dem Ein­kom­men aus Erwerbs­tä­tig­keit berech­net, das in den zwölf Kalen­der­mo­na­ten vor der Geburt des Kin­des durch­schnitt­lich erzielt wor­den ist. Als Ein­kom­men ist dabei die Sum­me der posi­ti­ven Ein­künf­te als Land? und Forst­wirt­schaft, Gewer­be­be­trieb, selbst­stän­diger Arbeit und nicht­selbst­stän­di­ger Arbeit im Sin­ne des Ein­kom­mens­steu­er­rechts zu berück­sichti­gen.

Für die Zei­ten der Teil­nah­me an Arbeits­kampf­maß­nah­men ist neben dem gekürz­ten Arbeits­ent­gelt nicht zusätz­lich das von der Gewerk­schaft gezahl­te Streik­geld zu berück­sich­ti­gen. Die­ses gehört nicht zu den gemäß § 2 Abs 1 Bun­des­el­tern­geld- und Eltern­zeit­ge­setz (BEEG) berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Ein­künf­ten aus nicht­selbst­stän­di­ger Arbeit iS des § 2 Abs 1 Satz 1 Nr 4 Ein­kom­men­steu­er­ge­setz (EStG). Auch blei­ben die Kalen­der­mo­na­te, in denen Streik­zei­ten mit ent­spre­chen­den Arbeits­ent­gelt­kür­zun­gen lie­gen, bei der Bestim­mung der zwölf für die Ein­kom­mens­er­mitt­lung vor der Geburt des Kin­des zugrun­de zu legen­den Kalen­der­mo­na­te nicht in einer ent­spre­chen­den Anwen­dung des § 2 Abs 7 Satz 5 und 6 BEEG außer Betracht1.

Die so ver­stan­de­nen Rege­lun­gen zur Berech­nung der Höhe des Eltern­gel­des sind mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar. Der Gesetz­ge­ber durf­te inso­weit im Rah­men sei­ner Gestal­tungs­frei­heit aus­schließ­lich an das im Bemes­sungs­zeit­raum tat­säch­lich erziel­te Erwerbs­ein­kom­men anknüp­fen und auf einen Aus­gleich für streik­be­ding­te Arbeits­ent­gelt­aus­fäl­le ver­zich­ten. Auch der ver­fas­sungs­recht­li­che Schutz der Koali­ti­ons­frei­heit (Art 9 Abs 3 GG) gebie­tet es nicht, die Teil­nah­me an Arbeits­kampf­maß­nah­men von jed­we­den ungüns­ti­gen Fol­gen bei der Berech­nung von Sozi­al­leis­tun­gen frei­zu­stel­len.

Genau­so blei­ben bei der Bestim­mung der für die Ein­kom­mens­er­mitt­lung maß­ge­ben­den zwölf Kalender­monate die Mona­te unbe­rück­sich­tigt, in denen die berech­tig­te Per­son für ein älte­res Kind Eltern­geld oder Mut­ter­schafts­geld bezo­gen hat oder in denen wegen einer auf die Schwan­ger­schaft zurück­zuführen­den Erkran­kung Erwerbs­ein­kom­men weg­ge­fal­len ist. Es besteht nach Mei­nung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts kein Anspruch auf eine leis­tungs­er­hö­hen­de Berück­sich­ti­gung eines Kran­ken­geld­be­zu­ges. Die­se Sozi­al­ver­si­che­rungs­leis­tung gehört nicht zu den Ein­künf­ten aus nicht­selbst­stän­di­ger Tätig­keit ( § 2 Abs 1 BEEG i.V.m. § 2 Abs 1 Satz 1 Nr 4 EStG).

Die danach maß­ge­ben­den Vor­schrif­ten des BEEG ver­sto­ßen nicht gegen das Grund­ge­setz. Der Gesetz­ge­ber durf­te im Rah­men sei­ner Gestal­tungs­frei­heit die Berech­nung des Eltern­gel­des aus­schließ­lich an dem im Bemes­sungs­zeit­raum tat­säch­lich erziel­ten Erwerbs­ein­kom­men ori­en­tie­ren, ohne für krank­heits­be­ding­te Arbeits­ent­gelt­aus­fäl­le einen Aus­gleich vor­zu­se­hen2.

Eben­so­we­nig las­sen die Vor­schrif­ten des BEEG eine Berück­sich­ti­gung des Bezu­ges von Arbeits­lo­sen­geld weder bei der Bestim­mung des Bemes­sungs­zeit­rau­mes noch bei der Fest­stel­lung des Bemes­sungs­ent­gel­tes zu3. Mit den inso­weit ein­schlä­gi­gen Rege­lun­gen hat sich der Gesetz­ge­ber im Rah­men sei­ner Gestal­tungs­frei­heit gehal­ten.

Weder Streik­geld noch Kran­ken­geld oder Arbeits­lo­sen­geld ist als Ein­kom­men aus Erwerbs­tä­tig­keit im Sin­ne der Vor­schrif­ten des Bun­des­el­tern­geld? und Eltern­zeit­ge­set­zes anzu­se­hen. Auch kön­nen Kalen­der­mo­na­te, in denen die berech­tig­te Per­son ? anstel­le von Arbeits­ent­gelt ? Streik­geld, Kran­ken­geld oder Arbeits­lo­sen­geld bezo­gen hat, nicht bei der Bestim­mung der zwölf für die Ein­kom­mens­er­mitt­lung maß­ge­ben­den Kalen­dermonate vor der Geburt des Kin­des unbe­rück­sich­tigt blei­ben, mit der Fol­ge, dass Arbeits­ent­gelt aus wei­ter zurück­lie­gen­den Kalender­monaten her­an­zu­zie­hen wäre4 .

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts sind die so ver­stan­de­nen Rege­lun­gen des Bundeseltern­geld? und Eltern­zeit­ge­set­zes mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar. Der Gesetz­ge­ber durf­te im Rah­men sei­ner Gestal­tungs­frei­heit inso­weit aus­schließ­lich an das im Bemes­sungs­zeit­raum tat­säch­lich erziel­te Erwerbs­ein­kom­men anknüp­fen und auf einen Aus­gleich von Arbeits­ent­gelt­aus­fäl­len auf­grund von Streik, Krank­heit oder Arbeits­lo­sig­keit ver­zich­ten.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt Kas­sel, Ent­schei­dun­gen vom 17. Febru­ar 2011 – B 10 EG 17/​09 R, B 10 EG 20/​09 R, B 10 EG 21/​09

  1. BSG – B 10 EG 17/​09 R
  2. BSG – B 10 EG 20/​09 R
  3. BSG – B 10 EG 21/​09 R
  4. vgl. auch BSG, Urteil v. 03.12.2009 – B 10 EG 2/​09 R