Der Außen­me­nis­kus­riss als Berufs­krank­heit eines Profi-Handballers

Ein iso­lier­ter Außen­me­nis­kus­riss eines Pro­fi-Hand­ball­spie­lers stellt ein belas­tungs­kon­for­mes Scha­dens­bild für eine Berufs­krank­heit nach der Nr. 2102 der Anla­ge 1 zur Berufs­krank­heitV dar.

Der Außen­me­nis­kus­riss als Berufs­krank­heit eines Profi-Handballers

Die Aus­füh­run­gen im Merk­blatt für die ärzt­li­che Unter­su­chung zur Berufs­krank­heit Nr. 2102, wonach ein belas­tungs­kon­for­mes Scha­dens­bild ins­be­son­de­re am Innen­me­nis­kus­hin­ter­horn zu erwar­ten ist, befas­sen sich nur mit der ers­ten Belas­tungs­al­ter­na­ti­ve (Dau­er­zwangs­hal­tung, ins­be­son­de­re Belas­tun­gen durch Hocken oder Knien bei gleich­zei­ti­ger Kraft­auf­wen­dung) und kön­nen daher nicht auf die zwei­te Belas­tungs­al­ter­na­ti­ve (häu­fig wie­der­keh­ren­de erheb­li­che Bewe­gungs­be­an­spru­chung, ins­be­son­de­re Lau­fen oder Sprin­gen mit häu­fi­gen Knick, Scher- oder Dreh­be­we­gun­gen auf grob unebe­ner Unter­la­ge) über­tra­gen werden.

Eine aus­rei­chen­de wis­sen­schaft­li­che Grund­la­ge dafür, dass auch bei Berufs­sport­lern mit geeig­ne­ter beruf­li­cher Belas­tung nur ein Innen­me­nis­kus­riss ein geeig­ne­tes Scha­dens­bild dar­stellt, ent­hal­ten die im Merk­blatt auf­ge­führ­ten Stu­di­en nicht. Somit ist bei der Berufs­krank­heit Nr. 2102 ein ein­deu­ti­ges belas­tungs­kon­for­mes Scha­dens­bild für die zwei­te Belas­tungs­al­ter­na­ti­ve nicht definiert.

Berufs­krank­hei­ten sind nach § 9 Abs. 1 Satz 1 SGB VII Krank­hei­ten, die die Bun­des­re­gie­rung durch Rechts­ver­ord­nung mit Zustim­mung des Bun­des­ra­tes als Berufs­krank­hei­ten bezeich­net und die Ver­si­cher­te infol­ge einer den Ver­si­che­rungs­schutz begrün­den­den Tätig­keit erlei­den. Die Bun­des­re­gie­rung wird ermäch­tigt, in der Rechts­ver­ord­nung sol­che Krank­hei­ten als Berufs­krank­hei­ten zu bezeich­nen, die nach den Erkennt­nis­sen der medi­zi­ni­schen Wis­sen­schaft durch beson­de­re Ein­wir­kun­gen ver­ur­sacht sind und denen bestimm­te Per­so­nen­grup­pen durch ihre ver­si­cher­te Tätig­keit in erheb­lich höhe­rem Gra­de als die übri­ge Bevöl­ke­rung aus­ge­setzt sind. Die streit­ge­gen­ständ­li­che Berufs­krank­heit Nr. 2102 erfasst Menis­kus­schä­den nach mehr­jäh­ri­gen andau­ern­den oder häu­fig wie­der­keh­ren­den, die Knie­ge­len­ke über­durch­schnitt­lich belas­ten­den Tätigkeiten.

Für die Aner­ken­nung einer Berufs­krank­heit muss die Ver­rich­tung einer ver­si­cher­ten Tätig­keit (sach­li­cher Zusam­men­hang) zu Ein­wir­kun­gen von Belas­tun­gen oder Ähn­li­chem auf den Kör­per geführt haben (Ein­wir­kungs­kau­sa­li­tät) und die­se Ein­wir­kun­gen müs­sen wei­ter­hin die betref­fen­de Krank­heit ver­ur­sacht haben (haf­tungs­be­grün­den­de Kau­sa­li­tät). Die vor­ge­nann­ten Merk­ma­le der ver­si­cher­ten Tätig­keit, Ver­rich­tung, Ein­wir­kun­gen und Krank­heit müs­sen im Sin­ne des Voll­be­wei­ses, also mit an Gewiss­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit vor­lie­gen. Für die nach der Theo­rie der wesent­li­chen Bedin­gung zu beur­tei­len­den Ursa­chen­zu­sam­men­hän­ge genügt dage­gen die hin­rei­chen­de Wahr­schein­lich­keit, nicht aller­dings die blo­ße Mög­lich­keit. Ein Zusam­men­hang ist hin­rei­chend wahr­schein­lich, wenn nach herr­schen­der ärzt­lich-wis­sen­schaft­li­cher Lehr­mei­nung mehr für als gegen ihn spricht und erns­te Zwei­fel an einer ande­ren Ursa­che aus­schei­den. „Wesent­lich“ ist dabei nicht gleich­zu­set­zen mit „gleich­wer­tig“ oder „annä­hernd gleich­wer­tig“. Auch eine nicht annä­hernd gleich­wer­ti­ge, son­dern rech­ne­risch ver­hält­nis­mä­ßig nied­ri­ger zu bewer­ten­de Ursa­che kann für den Erfolg recht­lich wesent­lich sein, solan­ge die ande­ren Ursa­chen kei­ne über­ra­gen­de Bedeu­tung haben. Gesichts­punk­te für die Beur­tei­lung der Wesent­lich­keit einer Ursa­che sind ins­be­son­de­re die ver­si­cher­te Ursa­che bzw. das Ereig­nis als sol­ches, ein­schließ­lich der Art und des Aus­ma­ßes der Ein­wir­kung, kon­kur­rie­ren­de Ursa­chen unter Berück­sich­ti­gung ihrer Art und ihres Aus­ma­ßes, der zeit­li­che Ablauf des Gesche­hens und Rück­schlüs­se aus dem Ver­hal­ten des Ver­letz­ten nach dem schä­di­gen­den Ereig­nis, den Befun­den und Dia­gno­sen der erst­be­han­deln­den Ärz­te sowie der gesam­ten Kran­ken­ge­schich­te. Trotz die­ser Aus­rich­tung an dem kon­kre­ten Ver­si­cher­ten ist der Beur­tei­lung des Ursa­chen­zu­sam­men­hangs im Ein­zel­fall der aktu­el­le wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­stand über die Ursa­chen­zu­sam­men­hän­ge zwi­schen Ereig­nis­sen und Gesund­heits­schä­den zugrun­de zu legen. Abwei­chend von einem Arbeits­un­fall mit sei­nem zeit­lich begrenz­ten Ereig­nis, das oft­mals rela­tiv ein­deu­tig die allein wesent­li­che Ursa­che für einen als Unfall­fol­ge gel­tend gemach­ten Gesund­heits­scha­den ist, ist die Beur­tei­lung des Ursa­chen­zu­sam­men­hangs bei Berufs­krank­hei­ten in der Regel schwie­ri­ger. Denn ange­sichts der mul­ti­fak­to­ri­el­len Ent­ste­hung vie­ler Erkran­kun­gen, der Län­ge der zu berück­sich­ti­gen­den Zeit­räu­me und des Feh­lens eines typi­scher­wei­se durch beruf­li­che Ein­wir­kung ver­ur­sach­ten Krank­heits­bil­des bei vie­len Berufs­krank­hei­ten stellt sich letzt­lich oft nur die Fra­ge nach einer wesent­li­chen Mit­ver­ur­sa­chung der Erkran­kung durch die ver­si­cher­ten Ein­wir­kun­gen1.

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Im hier vom Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg ent­schie­de­nen Fall unter­lag der Pro­fi-Hand­bal­ler im maß­geb­li­chen Zeit­raum vom 01.07.2003 bis zum 30.06.2016 als Pro­fi­hand­ball­spie­ler einer aus­rei­chen­den Belas­tung im Sin­ne der Berufs­krank­heit Nr. 2102 und erfüllt daher die arbeits­tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen für die Aner­ken­nung der Menis­kus­er­kran­kung als Berufs­krank­heit Nr. 2102. Der Pro­fi-Hand­bal­ler erfüllt jedoch nach Über­zeu­gung des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Baden-Würt­tem­berg auch die medi­zi­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen für die Aner­ken­nung einer Berufs­krank­heit Nr. 2102. Der Pro­fi-Hand­bal­ler erlitt am 24.10.2009 bei der ver­si­cher­ten Tätig­keit einen iso­lier­ten Außen­me­nis­kus­riss im Über­gang vom Vor­der­horn zur Pars inter­me­dia am lin­ken Knie. Der Innen­me­nis­kus des lin­ken Knies war dage­gen intakt. Am rech­ten Knie lag kei­ne Menis­kus­lä­si­on vor. Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg stellt dies anhand der inso­weit über­ein­stim­men­den Gut­ach­ten fest.

Der iso­lier­te Außen­me­nis­kus­riss am lin­ken Knie stellt ein belas­tungs­kon­for­mes Scha­dens­bild für die hier maß­geb­li­che Berufs­grup­pe eines Pro­fi­hand­ball­spie­lers dar. Nach dem Merk­blatt2 sind Belas­tun­gen durch Hocken oder Knien bei gleich­zei­ti­ger Kraft­auf­wen­dung oder häu­fig wie­der­keh­ren­de erheb­li­che Bewe­gungs­be­an­spru­chung, ins­be­son­de­re Lau­fen oder Sprin­gen mit häu­fi­gen Knick, Scher- oder Dreh­be­we­gun­gen auf grob unebe­ner Unter­la­ge eine geeig­ne­te Belas­tung. Sport­ar­ten, wie Fuß­ball oder Hand­ball fal­len somit hier­un­ter, soweit die­se durch einen Berufs­sport­ler aus­ge­übt werden.

Nach dem Merk­blatt zur Berufs­krank­heit3 ist ein belas­tungs­kon­for­mes Scha­dens­bild bevor­zugt am Innen­me­nis­kus­hin­ter­horn zu erwar­ten, da die­ser über sei­ne gesam­te Kon­ve­xi­tät mit der Gelenk­kap­sel ver­bun­den ist, der Außen­me­nis­kus aber nur im Vor­der- und Hin­ter­horn­be­reich und dies ihm somit bei unphy­sio­lo­gi­schen Belas­tun­gen ein Aus­wei­chen erlaubt. Ein belas­tungs­kon­for­mes Scha­dens­bild ist somit bevor­zugt am Innen­me­nis­kus­hin­ter­horn zu erwar­ten. Beglei­tend – aber schwer­lich iso­liert – kön­nen Außen­me­nis­kus­ver­än­de­run­gen – wie­der­um bevor­zugt im Hin­ter­horn­be­reich – hin­zu­tre­ten. Die feh­len­de Betei­li­gung des Hin­ter­horns oder z.B. nur eine Außen­me­nis­kus­vor­der­horn­schä­di­gung ent­beh­ren danach gänz­lich der gefor­der­ten Belas­tungs­kon­for­mi­tät4.

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Die­se Aus­füh­run­gen zum belas­tungs­kon­for­men Scha­dens­bild kön­nen nach Ansicht des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Baden-Würt­tem­berg jedoch nicht ohne wei­te­res auf die Grup­pe der Berufs­sport­ler mit geeig­ne­ter Menis­kus­be­las­tung über­tra­gen wer­den. Die zu den Aus­füh­run­gen im Merk­blatt unter V. auf­ge­führ­te Lite­ra­tur befasst sich nur mit der zunächst allein von der Berufs­krank­heit Nr. 2102 erfass­ten klas­si­schen Berufs­grup­pe im Knie- und Hock­sitz wie Unter­ta­ge­ar­bei­ter, Flie­sen- und Boden­le­ger und nicht kon­kret mit der Grup­pe der Berufs­sport­ler5. Eine aus­rei­chen­de wis­sen­schaft­li­che Grund­la­ge, dass auch bei Berufs­sport­lern mit geeig­ne­ter beruf­li­cher Belas­tung nur ein Innen­me­nis­kus­riss ein geeig­ne­tes Scha­dens­bild dar­stellt, ent­hal­ten die auf­ge­führ­ten Stu­di­en nicht. Eine spe­zi­fi­sche Unter­su­chung der Ein­wir­kungs­me­cha­nis­men und ent­spre­chen­den medi­zi­ni­schen Fol­ge­er­schei­nun­gen bei Pro­fi­ball­sport­lern liegt nicht vor6. Somit ist bei der Berufs­krank­heit Nr. 2102 im Unter­schied zur Berufs­krank­heit Nr. 2112 ein ein­deu­ti­ges belas­tungs­kon­for­mes Scha­dens­bild für die zwei­te Belas­tungs­al­ter­na­ti­ve nicht definiert.

Der Gut­ach­ter Prof. Dr. R. hat jedoch in sei­nem Gut­ach­ten auf sport­me­di­zi­ni­sche Stu­di­en zur Menis­kus­scha­dens­ver­tei­lung bei Kin­dern und Jugend­li­chen sowie bei Fuß­ball­spie­lern aus den Jah­ren 2004, 2013 und 2019 ver­wie­sen. Er führt aus, dass dege­ne­ra­ti­ve Menis­kus­ver­än­de­run­gen ohne beson­de­re prä­dis­po­si­tio­nel­le Erkran­kun­gen und ohne beson­de­re menis­kus­schä­di­gen­de Expo­si­ti­on anla­ge­be­dingt erst nach dem 40. Lebens­jahr zu erwar­ten sei­en. Vor dem 40. Lebens­jahr sei­en kei­ne bzw. höchs­tens gerin­ge bis leicht­gra­di­ge Ver­än­de­run­gen zu erwar­ten. Auch trä­ten Menis­kus­schä­den im mitt­le­ren und höhe­ren Lebens­al­ter weit über­wie­gend am Innen­me­nis­kus auf. Bezo­gen auf die Grup­pe der Pati­en­ten im Lebens­al­ter zwi­schen 10 und 19 Jah­ren erge­be sich bei sport­lich akti­ven Jugend­li­chen dage­gen ein völ­lig ande­res Ver­tei­lungs­mus­ter mit einer Prä­va­lenz von Außen­me­nis­kus­schä­den von fast 75 % zu 25 % Innen­me­nis­kus­schä­den. Auch wenn bei 46 % zusätz­lich eine Kreuz­bandrup­tur und bei 27 % ein Schei­ben­me­nis­kus als ana­to­mi­sche Vari­an­te vor­lag, kön­ne aus den Zah­len geschlos­sen wer­den, dass die sport­li­che Bean­spru­chung stark den Außen­me­nis­kus betref­fe. Dies zeig­ten auch Unter­su­chun­gen zu Belas­tungs­re­ak­tio­nen und Mikro­ver­let­zun­gen von Fuß­ball­spie­lern im Schien­bein­pla­teau und Menis­kus­be­reich, wel­che deut­lich häu­fi­ger das äuße­re Knie­kom­par­ti­ment und den Außen­me­nis­kus betref­fen wür­den. Somit wir­ke bei Ball­sport­ar­ten auf­grund der spe­zi­fi­schen Bewe­gungs­mus­ter eine höhe­re Belas­tung auf den äuße­ren Knie­be­reich als den inne­ren Knie­be­reich. Dies stel­le den bedeu­ten­den Unter­schied im Ver­gleich zu der typi­schen Bevor­zu­gung des Innen­me­nis­kus beim dege­ne­ra­ti­ven Menis­kus­scha­den bei älte­ren Men­schen dar. Soweit Dr. P. in der ergän­zen­den Stel­lung­nah­me vom 15.09.2019 als Kon­tra­ar­gu­ment anführt, dass auch bei Nicht­sport­lern ohne ent­spre­chen­de Expo­si­ti­on Menis­kus­schä­den in nicht uner­heb­li­chem Aus­maß fest­zu­stel­len sei­en, greift dies daher nach den über­zeu­gen­den und wis­sen­schaft­lich fun­dier­ten Aus­füh­run­gen von Prof. Dr. R. in sei­nem Gut­ach­ten vom 28.09.2020 zu kurz7.

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Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg folgt dem Gut­ach­ter Prof. Dr. R. auch dar­in, dass kei­ne Anhalts­punk­te für eine rele­van­te dege­ne­ra­ti­ve und somit expo­si­ti­ons­un­ab­hän­gi­ge Mit­ver­ur­sa­chung des Menis­kus­scha­dens im Zeit­punkt des Außen­me­nis­kus­ris­ses vor­la­gen. Der Pro­fi-Hand­bal­ler war im Zeit­punkt des Auf­tre­tens des Außen­me­nis­kus­ris­ses erst 23 Jah­re alt und damit nach den wis­sen­schaft­li­chen Erfah­rungs­sät­zen zu jung, um rele­van­te Ver­än­de­run­gen am Menis­kus ent­wi­ckeln zu kön­nen. Auch führt der Gut­ach­ter zutref­fend an, dass der Scha­dens­ort am Außen­me­nis­kus einer Loka­li­sa­ti­on ent­spre­che, die auch unter der Hypo­the­se dege­ne­ra­ti­ver Ver­än­de­run­gen in der Regel nicht betrof­fen werde.

Soweit Dr. P. ein­wen­det, dass die Fort­set­zung der Tätig­keit als Pro­fi­hand­bal­ler und die Teil­nah­me an Mann­schaftspie­len bis zum Jahr 2016 gegen einen expo­si­ti­ons­be­ding­ten Scha­den des Außen­me­nis­kus­vor­horns des lin­ken Knie­ge­len­kes spre­che, über­zeugt dies das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg nicht. Prof. Dr. R. weist hier­zu in sei­nem Gut­ach­ten vom 28.09.2020 schlüs­sig dar­auf hin, dass bei kor­rek­tem Ope­ra­ti­ons­er­geb­nis das Bestre­ben eines Berufs­sport­lers zu sei­nem Beruf zurück­zu­keh­ren sehr häu­fig gege­ben ist. Die ein­zi­ge in der Lite­ra­tur bekann­te Beson­der­heit sei, dass die Rück­kehr­quo­te nach Außen­me­nis­kus­teil­re­sek­tio­nen gerin­ger sei, als nach einer Innen­me­nis­kus­schä­di­gung, was indi­rekt auch für eine sehr star­ke Bean­spru­chung des Außen­me­nis­kus bei die­sen Ball­sport­ar­ten spre­che. Es ist jedoch nach Ansicht des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Baden-Würt­tem­berg trotz des höhe­ren Schwe­re­grads der Ver­let­zung nicht aus­ge­schlos­sen, dass der Sport wei­ter auf Pro­fi­ni­veau aus­ge­übt wer­den kann. Ob dies der Fall ist, hängt vom Ope­ra­ti­ons­er­geb­nis, dem Hei­lungs­ver­lauf und dem kon­kre­ten Gesund­heits­zu­stand sowie der indi­vi­du­el­len Ent­schei­dung des betrof­fe­nen Sport­lers ab. Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg sieht daher die Tat­sa­che der Fort­set­zung der Pro­fi­kar­rie­re nicht als Argu­ment gegen das Vor­lie­gen einer Berufs­krank­heit der Nr. 2102 an.

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Da es für die Beja­hung des ursäch­li­chen Zusam­men­hangs zwi­schen der Belas­tung auf­grund der ver­si­cher­ten Tätig­kei­ten und dem Ein­tritt der zur Ent­schä­di­gung berech­ti­gen­den Gesund­heits­stö­rung aus­rei­chend ist, dass die beruf­li­che Belas­tung zumin­dest eine recht­lich wesent­li­che Teil­ur­sa­che im vor­ge­nann­ten Sinn dar­stellt, steht dem Anspruch des Pro­fi-Hand­bal­lers auch nicht ent­ge­gen, dass die­ser bei einer Auf­nah­me des Hand­ball­sports im Kin­des­al­ter und nach Durch­lau­fen aller Jugend­mann­schaf­ten bis zum Über­gang in den Lizenz­spie­ler­ka­der bereits einer erheb­li­chen Menis­kus­be­las­tung mit mög­li­cher­wei­se vor­aus­ei­len­den Ver­än­de­run­gen unter­lag. Es ist nicht zuläs­sig, einer­seits zur Ermitt­lung der Belas­tungs­do­sis nur den Zeit­raum ab Beginn der Aus­übung als Berufs­sport­ler zugrun­de zu legen, ande­rer­seits aber einen mög­li­cher­wei­se vor­zei­tig ein­set­zen­den Ver­schleiß durch die – zum Errei­chen eines Pro­fi­ni­veaus vor­aus­ge­setz­te – inten­si­ve Aus­übung des Sports im Kin­des- und Jugend­al­ter bei der medi­zi­ni­schen Kau­sa­li­täts­be­trach­tung als anspruchs­aus­schlie­ßen­de Kon­kur­renz­ur­sa­che anzusehen.

Somit stellt die beruf­li­che Expo­si­ti­on die recht­lich wesent­li­che Ursa­che für den Menis­kus­scha­den dar. Zusam­men mit der unstrei­ti­gen Tat­sa­che, dass der Pro­fi-Hand­bal­ler einer geeig­ne­ten Belas­tung mit repe­ti­ti­ver Mikro­trau­ma­ti­sie­rung unter­lag, sind daher die Vor­aus­set­zun­gen für die Aner­ken­nung einer Berufs­krank­heit Nr. 2102 zur Über­zeu­gung des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Baden-Würt­tem­berg erfüllt. 

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Urteil vom 19. März 2021 – L 8 U 958/​20

  1. BSG, Urteil vom 27.06.2006, B 2 U 20/​04 R[]
  2. vgl. Mehrtens/​Brandenburg, Kom­men­tar zur Berufs­krank­heitV, M 2102, S. 1[]
  3. vgl. Mehrtens/​Brandenburg, Kom­men­tar zur Berufs­krank­heitV, M 2102, S. 4[]
  4. vgl. Merk­blatt, a.a.O sowie Schönberger/​Mehrtens/​Valentin, Arbeits­un­fall und Berufs­krank­heit, 9. Auf­la­ge, S. 662f[]
  5. vgl. hier­zu auch LSG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 29.09.2010, L 6 U 14/​06 31[]
  6. vgl. hier­zu auch Schles­wig-Hol­stei­ni­sches LSG, Urteil vom 21.02.2007 – L 8 U 115/​05[]
  7. sie­he hier­zu auch SG Ham­burg, Urteil vom 10.10.2008, S 40 U 252/​07 49f[]

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