Die Ver­gü­tung des Kran­ken­hau­ses – und der feh­len­de gesetz­li­che Schlich­tungs­aus­schuss

Wenn der Gesetz­ge­ber zur Ent­las­tung der Sozi­al­ge­rich­te vor Erhe­bung von Kla­gen über umstrit­te­ne Kran­ken­haus­ver­gü­tun­gen die Anru­fung eines Schlich­tungs­aus­schus­ses vor­schreibt, muss die­ser errich­tet sein und die Auf­ga­be der Streit­schlich­tung effek­tiv wahr­neh­men kön­nen. Solan­ge das nicht gesi­chert ist, sind Kla­gen, mit denen Kran­ken­häu­ser umstrit­te­ne Ver­gü­tun­gen for­dern oder Kran­ken­kas­sen zu Unrecht gezahl­te Ver­gü­tun­gen für Kran­ken­haus­leis­tun­gen zurück­for­dern, zuläs­sig.

Die Ver­gü­tung des Kran­ken­hau­ses – und der feh­len­de gesetz­li­che Schlich­tungs­aus­schuss

So hat jetzt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt im Streit zwi­schen der Cha­rité Uni­ver­si­täts­me­di­zin Ber­lin und der DAK ent­schie­den, dass die von der Cha­rité am 22.11.2013 erho­be­ne Kla­ge auf wei­te­re Kran­ken­haus­ver­gü­tung in Höhe von 1018 € zuläs­sig ist, obwohl die Klä­ge­rin nicht den Schlichtungs­ausschuss nach § 17c Abs 4b Satz 3 Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs­ge­setz (KHG) ange­ru­fen hat­te. In Ber­lin war zum Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung ein sol­cher Aus­schuss nicht errich­tet. Im Hin­blick auf die ver­fas­sungs­recht­li­che Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes kann die Anru­fung eines Schlichtungsaus­schusses erst dann Kla­ge­vor­aus­set­zung sein, wenn die­ser Aus­schuss tat­säch­lich ange­ru­fen wer­den kann. Das war im Novem­ber 2013 in Ber­lin nicht der Fall. Des­halb hät­te das Sozi­al­ge­richt die Kla­ge nicht als unzu­läs­sig abwei­sen dür­fen.

Die Kla­ge ist auch nicht nach­träg­lich unzu­läs­sig gewor­den, weil seit dem 1.09.2014 die ? tat­säch­lich bestehen­de ? Schieds­stel­le nach § 18a Abs 1 KHG die Funk­ti­on eines Schlich­tungs­aus­schus­ses über­neh­men muss. Kla­gen, die zum Zeit­punkt ihrer Erhe­bung zuläs­sig waren, blei­ben das nach all­ge­mei­nen pro­zess­recht­li­chen Grund­sät­zen auch nach spä­te­ren Rechts­än­de­run­gen.

Im Übri­gen sind auch der­zeit Kla­gen über strei­tig geblie­be­ne Ver­gü­tun­gen von Kran­ken­haus­leis­tun­gen noch unmit­tel­bar zuläs­sig. Die Sper­re des § 17c Abs 4b Satz 3 KHG greift im Hin­blick auf die unver­zicht­ba­re Klar­heit über den gege­be­nen Rechts­weg erst ein, wenn die Schieds­stel­le nach § 18a Abs 1 KHG und/​oder die zu errich­ten­den Schlich­tungs­aus­schüs­se nach § 17c Abs 4 KHG den ört­lich zustän­di­gen Ver­bän­den der Kran­ken­kas­sen und den Lan­des­kran­ken­haus­ge­sell­schaf­ten ver­bindlich ange­zeigt haben, wel­ches Gre­mi­um im jewei­li­gen Bun­des­land die Schlich­tung nach die­ser Vor­schrift durch­führt und dass es tat­säch­lich hand­lungs­fä­hig ist. Den ein­zel­nen Kran­ken­häu­sern und Kran­ken­kas­sen ist nicht zumut­bar, von sich aus die Zustän­dig­keit und Hand­lungs­fä­hig­keit des zur Schlich­tung beru­fe­nen Gre­mi­ums zu recher­chie­ren, zumal die Anru­fung eines nicht arbeits­fä­hi­gen Schlich­tungs­gre­mi­ums in der Regel nicht die Ver­jäh­rung eines Zah­lungs- oder Rück­zah­lungs­an­spruchs hemmt.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat des­halb das Urteil des SG auf­ge­ho­ben und den Recht­streit nach Ber­lin zurückver­wiesen. Die Rich­ter dort müs­sen die Ein­wän­de der Kran­ken­kas­se gegen die Rich­tig­keit der Abrech­nung der Cha­rité nun in der Sache prü­fen.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 8. Okto­ber 2014 – B 3 KR 7/​14 R