Inob­hut­nah­me – und das Kin­der­geld als Kos­ten­bei­trag

Eltern dür­fen im Fal­le der Inob­hut­nah­me ihres Kin­des dazu her­an­ge­zo­gen wer­den, einen Min­dest­kos­ten­bei­trag in Höhe des Kin­der­gel­des für die vom Jugend­amt sicher­ge­stell­te Unter­brin­gung des Kin­des zu zah­len.

Inob­hut­nah­me – und das Kin­der­geld als Kos­ten­bei­trag

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall hat­te das städ­ti­sche Jugend­amt die 17-jäh­ri­ge Toch­ter auf ihre Bit­te Anfang Febru­ar 2009 in Obhut genom­men und in einer Jugend­hil­feein­rich­tung unter­ge­bracht. Für die bis Mai 2009 andau­ern­de Inob­hut­nah­me ent­stand dem Jugend­amt ein monat­li­cher Auf­wand von min­des­tens 8 250 €. Mit dem strei­ti­gen Bescheid zog die beklag­te Stadt den Vater zu einem jugend­hil­fe­recht­li­chen Kos­ten­bei­trag in Höhe des monat­li­chen Kin­der­gel­des (164 €) her­an. Wenn Jugend­äm­ter auf ihre Kos­ten Kin­der oder Jugend­li­che in Hei­men oder bei Pfle­ge­el­tern unter­brin­gen, sind die leib­li­chen Eltern, die wäh­rend der Zeit der Unter­brin­gung den Unter­halt erspa­ren, grund­sätz­lich ver­pflich­tet, sich an den ent­ste­hen­den Auf­wen­dun­gen durch Kos­ten­bei­trä­ge – gestaf­felt nach ihrem Ein­kom­men – zu betei­li­gen. Ist ihr Ein­kom­men wie bei dem Vater zu gering, haben sie nach einer Rege­lung im Sozi­al­ge­setz­buch Ach­tes Buch (Kin­der- und Jugend­hil­fe) zumin­dest einen Kos­ten­bei­trag in Höhe des Kin­der­gel­des zu zah­len.

Hier­auf gestützt hat das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg die vom Vater erho­be­ne Kla­ge abge­wie­sen 1. Dage­gen hat­te die Beru­fung zum Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg Erfolg 2. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg ver­trat die Auf­fas­sung, der Vater sei nicht ver­pflich­tet, einen Kos­ten­bei­trag zu erbrin­gen, weil die genann­te Vor­schrift nur für Leis­tun­gen der Jugend­hil­fe gel­te, nicht aber für (vor­läu­fi­ge) Maß­nah­men mit Ein­griffs­cha­rak­ter wie die Inob­hut­nah­me. Auf die Revi­si­on der beklag­ten Stadt hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nun die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg auf­ge­ho­ben, da der Vater für die noch im Streit ste­hen­den Mona­te März und April 2009 zu Recht zur Zah­lung eines Kos­ten­bei­tra­ges in Höhe des Kin­der­gel­des her­an­ge­zo­gen wor­den sei:

Bei der Inob­hut­nah­me han­delt es sich um eine Leis­tung über Tag und Nacht außer­halb des Eltern­hau­ses im Sin­ne der gesetz­li­chen Vor­schrift. Die Inob­hut­nah­me weist nicht nur den Cha­rak­ter einer staat­li­chen Ein­griffs­maß­nah­me auf. Sie ent­hält not­wen­dig auch Leis­tungs­ele­men­te, weil das Jugend­amt zur Gewäh­rung von Unter­kunft, Ver­pfle­gung und sozi­al­päd­ago­gi­scher Betreu­ung gesetz­lich ver­pflich­tet ist. Zwar unter­fällt die Inob­hut­nah­me nicht dem Leis­tungs­be­griff, wie er in den ers­ten Kapi­teln des Sozi­al­ge­setz­buchs Ach­tes Buch ver­wen­det wird. Im Kos­ten­bei­trags­recht des Ach­ten Kapi­tels fin­det sich jedoch ein ande­rer, wei­te­rer Leis­tungs­be­griff, der auch die Inob­hut­nah­me erfasst. Der Gesetz­ge­ber hat dort die Inob­hut­nah­me in den Kata­log der bei­trags­pflich­ti­gen Leis­tun­gen auf­ge­nom­men. Damit hat er die mit der Inob­hut­nah­me ver­bun­de­nen Zuwen­dun­gen der Sache nach als aus­gleichs­fä­hi­gen und aus­gleichs­be­dürf­ti­gen geld­wer­ten Vor­teil aus­ge­wie­sen. Er woll­te dem Umstand Rech­nung tra­gen, dass bei einer Unter­brin­gung über Tag und Nacht außer­halb des Eltern­hau­ses die Eltern von der Leis­tung des Unter­halts befreit wer­den, weil die­se vom Jugend­amt erbracht wird. Der kin­der­geld­be­rech­tig­te Eltern­teil soll zumin­dest in Höhe des Kin­der­gel­des zu den inso­weit auf­ge­wen­de­ten Kos­ten bei­tra­gen. Durch die­se Abschöp­fung soll die Zweck­bin­dung des Kin­der­gel­des, dem Unter­halt des unter­ge­brach­ten Kin­des zu die­nen, sicher­ge­stellt und eine dies­be­züg­li­che Dop­pel­fi­nan­zie­rung durch die staat­li­che Gemein­schaft ver­mie­den wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 21. Okto­ber 2014 – 5 C 21.2014 -

  1. VG Frei­burg, Urteil vom 26.01.2012 – 4 K 949/​11[]
  2. VGH Baden-Würt­tem­berg, urteil vom 20.02.2014 – 12 S 494/​12[]