Urlaubs­se­mes­ter wegen Erkran­kung – und das BAföG

Stu­den­ten, denen auf Grund einer Erkran­kung ein Urlaubs­se­mes­ter gewährt wird, steht für die­ses Semes­ter Aus­bil­dungs­för­de­rung grund­sätz­lich nicht zu.

Urlaubs­se­mes­ter wegen Erkran­kung – und das BAföG

In dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall bewil­lig­te das Stu­den­ten­werk dem Stu­den­ten für sein Stu­di­um an der Fach­hoch­schu­le für den Zeit­raum von Okto­ber 2010 bis Sep­tem­ber 2011 Aus­bil­dungs­för­de­rung in Höhe von 439 € monat­lich. Im zwei­ten Fach­se­mes­ter, Anfang Juni 2011, erfuhr der Stu­dent, dass er an Krebs erkrankt war. Auf Anra­ten der Ärz­te besuch­te er des­halb drei Wochen lang kei­ne Lehr­ver­an­stal­tun­gen. Die Fach­hoch­schu­le ent­sprach zudem im Juli 2011 sei­nem Antrag, ihn für die Zeit von April bis Sep­tem­ber 2011 vom Stu­di­um zu beur­lau­ben. Dabei wies die Hoch­schu­le dar­auf hin, dass eine Teil­nah­me an Vor­le­sun­gen, Prak­ti­ka oder Prü­fun­gen nicht mög­lich sei. Mit dem strei­ti­gen Ände­rungs- und Rück­for­de­rungs­be­scheid hob das Stu­den­ten­werk sei­nen Bewil­li­gungs­be­scheid teil­wei­se auf und for­der­te die für die Mona­te Juli bis Sep­tem­ber 2011 geleis­te­te Aus­bil­dungs­för­de­rung vom Stu­den­ten zurück.

Der hier­ge­gen gerich­te­te Wider­spruch blieb eben­so ohne Erfolg wie die anschlie­ßen­de Kla­ge vor dem Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ver­wal­tungs­ge­richt 1. Das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat dage­gen der Beru­fung des Stu­den­ten teil­wei­se, näm­lich im Hin­blick auf den Monat Juli, statt­ge­ge­ben. Bezüg­lich der Mona­te August und Sep­tem­ber hat es die Rück­for­de­rung (878 €) für gerecht­fer­tigt erach­tet 2. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Ent­schei­dung der Schles­wi­ger Vor­in­stan­zen im Ergeb­nis bestä­tigt und die Revi­si­on des Stu­den­ten zurück­ge­wie­sen:

Macht der Aus­zu­bil­den­de im Fal­le einer Erkran­kung wäh­rend des Semes­ters von der Mög­lich­keit Gebrauch, sich (rück­wir­kend) beur­lau­ben zu las­sen, so hat dies unmit­tel­ba­re Rechts­wir­kun­gen für das Aus­bil­dungs­ver­hält­nis. Denn das Urlaubs­se­mes­ter ist dann weder hoch­schul­recht­lich noch för­de­rungs­recht­lich auf die Zahl der Fach­se­mes­ter anzu­rech­nen.

Die förm­li­che Beur­lau­bung vom Stu­di­um hat zur Fol­ge, dass dem Aus­zu­bil­den­den wäh­rend die­ses Zeit­raums Aus­bil­dungs­för­de­rung grund­sätz­lich nicht zusteht.

Dies gilt auch für den Fall, dass er vor oder nach einer rück­wir­kend aus­ge­spro­che­nen Urlaubs­be­wil­li­gung Lehr­ver­an­stal­tun­gen tat­säch­lich besucht hat.

Sieht der Aus­zu­bil­den­de dem­ge­gen­über von einem Antrag auf Beur­lau­bung ab, erlangt er den Vor­teil, dass Aus­bil­dungs­för­de­rung trotz krank­heits­be­ding­ter Ver­säu­mung von Lehr­ver­an­stal­tun­gen bis zu drei Mona­te wei­ter gezahlt wird. Hier hat sich der Stu­dent für die Beur­lau­bung ent­schie­den.

Er kann sich jeden­falls für die allein noch strei­ti­gen Mona­te August und Sep­tem­ber 2011 nicht erfolg­reich auf Ver­trau­ens­schutz beru­fen. Im Fal­le einer Erkran­kung obliegt es dem Aus­zu­bil­den­den, die för­de­rungs­recht­li­che Kon­se­quenz einer Beur­lau­bung vor Ein­rei­chung eines Antrags zu beden­ken und gege­be­nen­falls ent­spre­chen­den Rat ein­zu­ho­len. Der Stu­dent hät­te wis­sen müs­sen, dass er wegen des von ihm bean­trag­ten und von der Hoch­schu­le rück­wir­kend gewähr­ten Urlaubs­se­mes­ters jeden­falls für die im Streit ste­hen­den Mona­te kei­nen För­der­an­spruch mehr besaß.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 25. Juni 2015 – 5 C 15.2014 -

  1. VG Schles­wig, Urteil vom 10.06.2013 – 5 A 145/​12[]
  2. OVG Schles­wig, Urteil vom 05.06.2014 – 3 LB 4/​14[]