Das Risi­ko angeb­li­cher Schein­fir­men

Betriebs­aus­ga­ben und Wer­bungs­kos­ten sind nach § 160 AO steu­er­lich regel­mä­ßig nicht zu berück­sich­ti­gen, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge auf Ver­lan­gen des Finanz­am­tes Finanz­be­hör­de nicht die Gläu­bi­ger oder die Emp­fän­ger genau benennt. Dies gilt, wie jetzt das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf urteil­te, auch dann, wenn bei einer juris­ti­schen Per­son als Auf­trag­neh­mer nicht die dahin­ter ste­hen­den Per­so­nen benannt wer­den.

Das Risi­ko angeb­li­cher Schein­fir­men

Damit ver­la­gert das Finanz­ge­richt das Risi­ko eines Steu­er­aus­falls durch „Schein­fir­men” vom Fis­kus auf die jeweil­gen Auf­trag­ge­ber, auch wenn die „Schein­fir­ma” – wie in dem jetzt vom Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schie­de­nen Fall – eine ord­nungs­ge­mäß im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­ne GmbH ist und ihre Gewer­be­an­mel­dung und eine Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gung des für sie zustän­di­gen Finanz­am­tes vor­legt. In einem sol­chen Fall kann der Auf­trag­ge­ber regel­mä­ßig nicht erken­nen, dass es sich um eine Gesell­schaft han­delt, die beab­sich­tigt kei­ne Steu­ern zu zah­len – trotz­dem will ihm das Finanz­ge­richt das Risi­ko des Steu­er­aus­falls über­bür­den.

In dem jetzt vom Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf zu ent­schei­den­den Ver­fah­ren war strei­tig, ob das Finanz­amt zu Recht den Wer­bungs­kos­ten­ab­zug man­gels Emp­fän­ger­be­nen­nung nach § 160 AO teil­wei­se ver­sagt hat­te. Der Klä­ger erziel­te in den Streit­jah­ren Ein­künf­te aus der Ver­mie­tung und Ver­pach­tung von Gewer­be­hal­len. Im Jah­re 2000 ließ er schad­haf­te Licht­bän­der in den Hal­len durch Fens­ter erset­zen. Auf eine Zei­tungs­an­zei­ge mel­de­te sich eine im Novem­ber 1999 gegrün­de­te GmbH, deren Geschäfts­füh­rer dem Klä­ger einen beglau­big­ten Han­dels­re­gis­ter­aus­zug, eine Bestä­ti­gung der Gewer­be­an­mel­dung, Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gun­gen des Finanz­amts sowie der Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger vor­leg­te. Ein schrift­li­cher Werk­ver­trag wur­de nicht geschlos­sen. Die im Namen der GmbH erteil­ten Rech­nun­gen zahl­te der Klä­ger mit Ver­rech­nungs­schecks. Der Emp­fän­ger der Schecks quit­tier­te den Emp­fang jeweils auf den Rech­nun­gen mit unle­ser­li­chem Namen. Bei der GmbH han­del­te es sich tat­säch­lich um eine Stroh­mann-GmbH die von einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung vor­wie­gend ita­lie­ni­scher Staats­bür­ger beherrscht wur­de. Es wur­den kei­ner­lei Steu­er­be­trä­ge ent­rich­tet, tat­säch­lich aber Rech­nun­gen in Höhe von über 10 Mil­lio­nen DM erteilt. Der Klä­ger mach­te die Zah­lun­gen an die GmbH in Höhe von über 80.000 DM als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung gel­tend. Der Beklag­te setz­te die Ein­kom­men­steu­er zunächst wie erklärt an, ver­sag­te jedoch im Anschluss an eine Betriebs­prü­fung den Wer­bungs­kos­ten­ab­zug gem. § 160 AO.

Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf folg­te der Auf­fas­sung des Finanz­am­tes und wies die Kla­ge ab. Emp­fän­ger bzw. Gläu­bi­ger im Sin­ne des § 160 AO sei ent­ge­gen der Ansicht des Klä­gers nicht not­wen­di­ger­wei­se der zivil­recht­li­che Gläu­bi­ger der For­de­rung. Wer­de wie im Streit­fall eine juris­ti­sche Per­son zwi­schen­ge­schal­tet, so sei­en Emp­fän­ger im Sin­ne des § 160 AO die Hin­ter­män­ner der juris­ti­schen Per­son. Dies gel­te nicht nur dann, wenn es sich bei dem unmit­tel­ba­ren Zah­lungs­emp­fän­ger um eine sog. (aus­län­di­sche) Domi­zil­ge­sell­schaft han­de­le, son­dern auch bei der Zwi­schen­schal­tung einer sog. Ser­vice­ge­sell­schaft im Bau­ge­wer­be. Im Streit­fall habe die GmbH nicht selbst die Bau­leis­tun­gen erbracht, son­dern sei als sog. Ser­vice­ge­sell­schaft tätig gewor­den, die ledig­lich Rech­nun­gen für die eigent­li­chen Bau­un­ter­neh­mer, die „Kolon­nen­schie­ber“, aus­ge­stellt habe. Die eigent­li­chen Emp­fän­ger der Leis­tung habe der Klä­ger nicht bezeich­net.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 11. Febru­ar 2009 – 2 K 508/​08 F (nicht rechts­kräf­tig, Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de beim BFH anhän­gig – IX B 55/​09)