Die Fehl­über­wei­sung auf ein Rechts­an­walt­san­der­kon­to

Es ent­spricht stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass Zah­lun­gen, die auf ein von einem Rechts­an­walt als Insol­venz­ver­wal­ter ein­ge­rich­te­tes Ander­kon­to ein­ge­hen, weder in das Schuld­ner­ver­mö­gen noch in die Mas­se fal­len, son­dern aus­schließ­lich dem Anwalt zuste­hen und von die­sem nach berei­che­rungs­recht­li­chen Grund­sät­zen zurück­ge­for­dert wer­den kön­nen 1.

Die Fehl­über­wei­sung auf ein Rechts­an­walt­san­der­kon­to

Es ist nicht ersicht­lich, wes­halb die­se Recht­spre­chung auf den abga­ben­recht­li­chen Rück­zah­lungs­an­spruch aus § 37 Abs. 2 AO nicht über­trag­bar sein soll­te, zumal der Bun­des­fi­nanz­hof im Fal­le von Fehl­über­wei­sun­gen grund­sätz­lich den­je­ni­gen als rück­zah­lungs­pflich­tig ansieht, der den Betrag tat­säch­lich erhal­ten hat 2.

Die Fra­ge, ob die auf dem Ander­kon­to ein­ge­hen­den Gel­der dem Pri­vat­ver­mö­gen des Anwalts zuzu­ord­nen sind mit der Fol­ge, dass des­sen Gläu­bi­ger dar­auf zugrei­fen kön­nen, beant­wor­tet sich aus der recht­li­chen Aus­ge­stal­tung der Ander­kon­ten als offe­ne Voll­rechts­treu­hand­kon­ten, aus denen aus­schließ­lich der das Kon­to eröff­nen­de Rechts­an­walt per­sön­lich berech­tigt und ver­pflich­tet ist, wäh­rend wirt­schaft­lich die auf dem Kon­to ver­wal­te­ten Gel­der dem Schuld­ner­ver­mö­gen bzw. der Mas­se zuge­hö­ren. Dar­aus folgt, dass der Rechts­an­walt gegen eine Voll­stre­ckung sei­ner eige­nen Gläu­bi­ger in das Ander­kon­to Wider­spruchs­kla­ge nach § 771 ZPO erhe­ben kann 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 12. August 2013 – VII B 188/​12

  1. BGH, Urtei­le vom 18.12.2008 – IX ZR 192/​07, ZIP 2009, 531; vom 12.05.2011 – IX ZR 133/​10, ZIP 2011, 1220; vom 15.12.2011 – IX ZR 118/​11, ZIP 2012, 333[]
  2. vgl. Klein/​Ratschow, AO, 11. Aufl., § 37 Rz 78, m.w.N.[]
  3. so schon BGH, Urteil vom 05.11.1953 – IV ZR 95/​53, BGHZ 11, 37[]
  4. LG Bochum, Beschluss vom 16.04.2015 – I7 T 82/​15[]