Dop­pel­stö­cki­ge Per­so­nen­ge­sell­schaft – und die Zuord­nung von Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II

Die Gleich­stel­lung des mit­tel­bar über eine oder meh­re­re Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten betei­lig­ten Gesell­schaf­ters mit dem unmit­tel­bar betei­lig­ten Gesell­schaf­ter gemäß § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 EStG bezieht sich nicht nur auf Son­der­ver­gü­tun­gen und das Son­der­be­triebs­ver­mö­gen I, son­dern auch auf das Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II.

Dop­pel­stö­cki­ge Per­so­nen­ge­sell­schaft – und die Zuord­nung von Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II

Zu den Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb gehö­ren nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes in der im Streit­jahr gel­ten­den Fas­sung die Gewinn­an­tei­le der Gesell­schaf­ter einer Offe­nen Han­dels­ge­sell­schaft, einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft und einer ande­ren Gesell­schaft, bei der der Gesell­schaf­ter als Unter­neh­mer (Mit­un­ter­neh­mer) des Betriebs anzu­se­hen ist.

In den steu­er­li­chen Betriebs­ver­mö­gens­ver­gleich (§ 4 Abs. 1 Satz 1 EStG) sind alle Wirt­schafts­gü­ter ein­zu­be­zie­hen, wel­che die Mit­un­ter­neh­mer des Betriebs die­sem wid­men. Die Gewinn­ermitt­lung der Mit­un­ter­neh­mer­schaft erstreckt sich auch auf die (posi­ti­ven und nega­ti­ven) Wirt­schafts­gü­ter des Son­der­be­triebs­ver­mö­gens sowie die Son­der­be­triebs­ein­nah­men, ins­be­son­de­re die Ver­gü­tun­gen, die der Gesell­schaf­ter von der Gesell­schaft für sei­ne Tätig­keit im Dienst der Gesell­schaft oder für die Hin­ga­be von Dar­le­hen oder für die Über­las­sung von Wirt­schafts­gü­tern bezo­gen hat (§ 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 Halb­satz 2 EStG), und die Son­der­be­triebs­aus­ga­ben [1].

Zum Son­der­be­triebs­ver­mö­gen eines Mit­un­ter­neh­mers gehö­ren alle Wirt­schafts­gü­ter, die dazu geeig­net und bestimmt sind, dem Betrieb der Per­so­nen­ge­sell­schaft (Son­der­be­triebs­ver­mö­gen I) oder der Betei­li­gung des Mit­un­ter­neh­mers (Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II) zu die­nen. Not­wen­di­ges Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II ist anzu­neh­men, wenn die dem Mit­un­ter­neh­mer gehö­ren­den Wirt­schafts­gü­ter zur Begrün­dung oder Stär­kung sei­ner Betei­li­gung ein­ge­setzt wer­den [2]. Die Betei­li­gung des Gesell­schaf­ters an der Per­so­nen­ge­sell­schaft kann dabei sowohl dadurch gestärkt wer­den, dass das Wirt­schafts­gut für das Unter­neh­men der Per­so­nen­ge­sell­schaft wirt­schaft­lich vor­teil­haft ist, als auch dadurch, dass es der Mit­un­ter­neh­merstel­lung des Gesell­schaf­ters selbst dient [3]. Blo­ße mit­tel­ba­re güns­ti­ge Wir­kun­gen auf den Betrieb der Per­so­nen­ge­sell­schaft rei­chen für die Zuord­nung zum Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II nicht aus [4].

Auch im Fal­le einer dop­pel­stö­cki­gen Per­so­nen­ge­sell­schaft, d.h. bei einer Betei­li­gung einer Per­so­nen­ge­sell­schaft (Ober­ge­sell­schaft) an einer ande­ren Per­so­nen­ge­sell­schaft (Unter­ge­sell­schaft), kann für den Gesell­schaf­ter der Ober­ge­sell­schaft Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II bei der Unter­ge­sell­schaft gebil­det wer­den.

Nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 EStG steht der mit­tel­bar über eine oder meh­re­re Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten betei­lig­te Gesell­schaf­ter dem unmit­tel­bar betei­lig­ten Gesell­schaf­ter gleich. Er ist als Mit­un­ter­neh­mer des Betriebs der Gesell­schaft anzu­se­hen, an der er mit­tel­bar betei­ligt ist, wenn er und die Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten, die sei­ne Betei­li­gung ver­mit­teln, jeweils als Mit­un­ter­neh­mer der Betrie­be der Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten anzu­se­hen sind, an denen sie unmit­tel­bar betei­ligt sind. Außer­halb ihres Anwen­dungs­be­reichs lässt die Vor­schrift des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 EStG die Mit­un­ter­neh­merstel­lung der Ober­ge­sell­schaft an der Unter­ge­sell­schaft unbe­rührt; der auf die Ober­ge­sell­schaft ent­fal­len­de Anteil am Gesamt­ge­winn der Unter­ge­sell­schaft ist ihr nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen zuzu­rech­nen [5].

Dabei muss der mit­tel­bar betei­lig­te Gesell­schaf­ter Mit­un­ter­neh­mer der Per­so­nen­ge­sell­schaft sein, wel­che die Betei­li­gung ver­mit­telt; die ver­mit­teln­de Per­so­nen­ge­sell­schaft muss ihrer­seits als Mit­un­ter­neh­mer­schaft anzu­se­hen sein [6]. Grund­sätz­lich ist dafür erfor­der­lich, dass ihre Gesell­schaf­ter in ihrer Ver­bun­den­heit als Per­so­nen­ge­sell­schaft ein gewerb­li­ches Unter­neh­men (§ 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG) betrei­ben [7].

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat im Streit­fall nicht dar­auf ein­zu­ge­hen, ob die Tätig­keit der Ober­ge­sell­schaft ereits nach § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG als Gewer­be­be­trieb gilt, da die­se ‑über ihre Betei­li­gung an der Per­so­nen­ge­sell­schaft- gewerb­li­che Ein­künf­te i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG bezieht. Ins­be­son­de­re kann offen blei­ben, ob die in § 52 Abs. 32a EStG i.d.F. des Art. 1 Nr. 43 Buchst. f des Jah­res­steu­er­ge­set­zes 2007 vom 13.12 2006 [8] ange­ord­ne­te ‑auch das Streit­jahr 2005 betref­fen­de- Anwen­dung der Erwei­te­rung des § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG auf den Bezug von Ein­künf­ten i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG für Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me vor 2006 dem ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­ten Ver­trau­ens­schutz­ge­bot und damit dem Rechts­staats­ge­bot des Art.20 Abs. 3 GG genügt. Der Wort­laut ("auch") des § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG setzt vor­aus, dass neben den Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb ‑im Sin­ne von von­ein­an­der abgrenz­ba­ren Tätig­kei­ten- auch Ein­künf­te einer ande­ren Ein­kunfts­art erzielt wer­den [9]. Besteht ‑wie im Streit­fall- die Geschäfts­tä­tig­keit einer Per­so­nen­ge­sell­schaft aus­schließ­lich in dem Hal­ten der Antei­le an einer ande­ren Per­so­nen­ge­sell­schaft und ver­fügt die Per­so­nen­ge­sell­schaft über kein wei­te­res Ver­mö­gen, mit­tels des­sen Ein­künf­te erzielt wer­den, ist § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG nicht anwend­bar.

Auch braucht der Bun­des­fi­nanz­hof nicht zu ent­schei­den, ob allein die mit­un­ter­neh­me­ri­sche Betei­li­gung an einer gewerb­lich täti­gen Per­so­nen­ge­sell­schaft einen gewerb­li­chen Betrieb i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 EStG begrün­det [10]. Auch dies kann offen blei­ben, da sich ‑bei Feh­len einer ori­gi­när gewerb­li­chen Betä­ti­gung- das gewerb­li­che Unter­neh­men der AE CV ‑und damit die Mög­lich­keit der mit­un­ter­neh­me­ri­schen Betei­li­gung der Bei­ge­la­de­nen zu 1.- in jedem Fall aus § 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG ergibt. Danach gilt als Gewer­be­be­trieb in vol­lem Umfang die mit Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht unter­nom­me­ne Tätig­keit einer Per­so­nen­ge­sell­schaft, bei der aus­schließ­lich eine oder meh­re­re Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­ter sind und nur die­se oder Per­so­nen, die nicht Gesell­schaf­ter sind, zur Geschäfts­füh­rung befugt sind. Inso­weit kommt es nicht dar­auf an, ob die Per­so­nen­ge­sell­schaft und die Kapitalgesellschaft(en) nach in- oder ‑wie im Streit­fall- nach aus­län­di­schem Recht orga­ni­siert sind [11]. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind von der AE CV erfüllt, da an der AE CV ledig­lich die Bei­ge­la­de­nen und damit aus­schließ­lich Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten betei­ligt waren.

Offen blei­ben kann fer­ner, ob der umfas­sen­de Wort­laut des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 EStG der­ge­stalt ein­zu­schrän­ken ist, dass sich die Gleich­stel­lung ledig­lich auf die Tätig­keits- und Nut­zungs­ver­gü­tun­gen sowie auf Son­der­be­triebs­ver­mö­gen bezieht [12]. Jeden­falls ist der Anwen­dungs­be­reich des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 EStG nicht ‑wie es das Finanz­amt annimmt- auf Fäl­le der Son­der­ver­gü­tun­gen und des Son­der­be­triebs­ver­mö­gens I zu begren­zen, son­dern bezieht auch Fäl­le des Son­der­be­triebs­ver­mö­gens II ein [13]. Die von der Gegen­an­sicht [14] ver­tre­te­ne Begren­zung lässt sich der Begrün­dung [15] zu der durch das Gesetz zur Ent­las­tung der Fami­li­en und zur Ver­bes­se­rung der Rah­men­be­din­gun­gen für Inves­ti­tio­nen und Arbeits­plät­ze (Steu­er­än­de­rungs­ge­setz 1992) vom 25.02.1992 [16] ein­ge­füg­ten Rege­lung des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 EStG, nach des­sen Wort­laut der mit­tel­bar betei­lig­te Gesell­schaf­ter dem unmit­tel­bar betei­lig­ten Gesell­schaf­ter ohne Ein­schrän­kun­gen gleich­steht, nicht ent­neh­men.

Zwar hat der Gesetz­ge­ber mit die­ser Bestim­mung auf den Beschluss des Gro­ßen Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 25.02.1991 [17] reagiert, nach dem die Gesell­schaf­ter der Ober­ge­sell­schaft nicht (auch) Mit­un­ter­neh­mer der Unter­ge­sell­schaft waren mit der Fol­ge, dass nicht nur die von der Unter­ge­sell­schaft an die Ober­ge­sell­schaft gezahl­ten Son­der­ver­gü­tun­gen i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Halb­satz 2 EStG als Betriebs­aus­ga­ben den gewerb­li­chen Gewinn (d.h. auch die Bemes­sungs­grund­la­ge Gewer­be­steu­er) der Unter­ge­sell­schaft gemin­dert haben, son­dern zudem auch die Wirt­schafts­gü­ter, die vom Ober­ge­sell­schaf­ter der Unter­ge­sell­schaft zur Nut­zung über­las­sen wur­den, nicht zum Son­der­be­triebs­ver­mö­gen des Ober­ge­sell­schaf­ters bei der Unter­ge­sell­schaft zu rech­nen waren.

Die Bezug­nah­me der Begrün­dung auf Son­der­ver­gü­tun­gen und auf Wirt­schafts­gü­ter des Son­der­be­triebs­ver­mö­gens I lässt jedoch nicht auf den Wil­len des Gesetz­ge­bers schlie­ßen, das Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II vom Anwen­dungs­be­reich des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 EStG aus­zu­neh­men. Viel­mehr hat der Gesetz­ge­ber den Beschluss des Gro­ßen Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs in BFHE 163, 1, BStBl II 1991, 691 zum Anlass genom­men, "den (an einer Unter­per­so­nen­ge­sell­schaft) nur mit­tel­bar betei­lig­ten Gesell­schaf­ter und Mit­un­ter­neh­mer wie einen unmit­tel­bar betei­lig­ten Gesell­schaf­ter und Mit­un­ter­neh­mer zu behan­deln" und sich ‑so die Geset­zes­be­grün­dung wei­ter- dafür ent­schie­den, die "Rechts­la­ge für mehr­stö­cki­ge Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten … der Recht­la­ge bei nor­ma­len (d.h. ein­stö­cki­gen) Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten anzu­glei­chen" [18]. Die­se "umfas­sen­de Reak­ti­on" lässt nur den Schluss zu, dass der Gesetz­ge­ber das Anlie­gen einer mög­lichst weit­ge­hen­den Gleich­be­hand­lung der in Fra­ge ste­hen­den Betei­li­gungs­struk­tu­ren (ein- und mehr­stu­fi­ge Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten) ver­folg­te, und es des­halb auch nicht in Betracht kom­men kann, von die­sem Geset­zes­zweck ‑ent­ge­gen dem Geset­zes­wort­laut- abzu­rü­cken und die dem Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II des mit­tel­ba­ren Mit­un­ter­neh­mers zuzu­rech­nen­den (d.h. sei­ner mit­tel­ba­ren Betei­li­gung die­nen­den) Wirt­schafts­gü­ter aus­zu­neh­men. Dem­ge­mäß bedarf es auch kei­ner Erör­te­rung, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Wirt­schafts­gü­ter, die der Betei­li­gung an der Unter­ge­sell­schaft die­nen, gleich­zei­tig auch einen sol­chen Bezug zur Betei­li­gung an der Ober­ge­sell­schaft auf­wei­sen und damit bei die­ser als Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II zu erfas­sen sein könn­ten.

Die gebo­te­ne tat­be­stand­li­che Anwend­bar­keit auf Wirt­schafts­gü­ter des Son­der­be­triebs­ver­mö­gens II kann auch nicht mit der Erwä­gung ver­neint wer­den, dass es bei einem mit­tel­bar betei­lig­ten Gesell­schaf­ter an einer mit­un­ter­neh­mer­schaft­li­chen Betei­li­gung feh­le und eine sol­che damit nicht gestärkt wer­den kön­ne [19]. Dies lässt unbe­rück­sich­tigt, dass § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 EStG gera­de dar­auf gerich­tet ist, jeden­falls für Zwe­cke des Son­der­be­triebs­be­reichs die Stel­lung des mit­tel­bar betei­lig­ten Gesell­schaf­ters als Mit­un­ter­neh­mer der Unter­ge­sell­schaft zu fin­gie­ren [20] und sich erst im Anschluss hier­an die Fra­ge nach dem Umfang der der mit­tel­ba­ren Mit­un­ter­stel­lung zuzu­ord­nen­den Wirt­schafts­gü­ter stel­len kann.

Im Fall der Dar­le­hens­auf­nah­me sind die Zins­auf­wen­dun­gen dem Son­der­be­triebs­be­reich zuzu­ord­nen und als Son­der­be­triebs­aus­ga­ben zu berück­sich­ti­gen, wenn die Dar­le­hens­mit­tel im Bereich des Son­der­be­triebs­ver­mö­gens des Gesell­schaf­ters ver­wen­det wer­den [21]. Ins­be­son­de­re Ver­bind­lich­kei­ten, die der Gesell­schaf­ter zur Finan­zie­rung von in die Gesell­schaft ein­ge­leg­ten Wirt­schafts­gü­tern ein­geht, gehö­ren zu sei­nem (nega­ti­ven) Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II [22].

Für die Zuord­nung von Wirt­schafts­gü­tern zum pas­si­ven Son­der­be­triebs­ver­mö­gen ist ‑eben­so wie bei der Zuord­nung zum akti­ven Son­der­be­triebs­ver­mö­gen I und II- der Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang maß­ge­bend [23]. Ob der Gesell­schaf­ter mit der Ein­ge­hung einer Ver­bind­lich­keit sei­ne eige­nen wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen ver­folgt oder damit sei­ne Betei­li­gung an der Per­so­nen­ge­sell­schaft stärkt, bestimmt sich danach, ob die Ver­bind­lich­keit durch den Betrieb der Per­so­nen­ge­sell­schaft oder durch die ander­wei­ti­ge (eigen­be­trieb­li­che oder pri­va­te) Tätig­keit des Gesell­schaf­ters ver­an­lasst ist [24]. Dabei sind alle erkenn­ba­ren Umstän­de des ein­zel­nen Fal­les her­an­zu­zie­hen [25], ins­be­son­de­re kön­nen Zeit­punkt und Anlass der Dar­le­hens­auf­nah­me von Bedeu­tung sein [26].

Im Fall der Dar­le­hens­auf­nah­me sind die Zins­auf­wen­dun­gen dem Son­der­be­triebs­be­reich zuzu­ord­nen und als Son­der­be­triebs­aus­ga­ben zu berück­sich­ti­gen, wenn die Dar­le­hens­mit­tel im Bereich des Son­der­be­triebs­ver­mö­gens des Gesell­schaf­ters ver­wen­det wer­den [21]. Ins­be­son­de­re Ver­bind­lich­kei­ten, die der Gesell­schaf­ter zur Finan­zie­rung von in die Gesell­schaft ein­ge­leg­ten Wirt­schafts­gü­tern ein­geht, gehö­ren zu sei­nem (nega­ti­ven) Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II [22].

Für die Zuord­nung von Wirt­schafts­gü­tern zum pas­si­ven Son­der­be­triebs­ver­mö­gen ist ‑eben­so wie bei der Zuord­nung zum akti­ven Son­der­be­triebs­ver­mö­gen I und II- der Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang maß­ge­bend [23]. Ob der Gesell­schaf­ter mit der Ein­ge­hung einer Ver­bind­lich­keit sei­ne eige­nen wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen ver­folgt oder damit sei­ne Betei­li­gung an der Per­so­nen­ge­sell­schaft stärkt, bestimmt sich danach, ob die Ver­bind­lich­keit durch den Betrieb der Per­so­nen­ge­sell­schaft oder durch die ander­wei­ti­ge (eigen­be­trieb­li­che oder pri­va­te) Tätig­keit des Gesell­schaf­ters ver­an­lasst ist [24]. Dabei sind alle erkenn­ba­ren Umstän­de des ein­zel­nen Fal­les her­an­zu­zie­hen [25], ins­be­son­de­re kön­nen Zeit­punkt und Anlass der Dar­le­hens­auf­nah­me von Bedeu­tung sein [26].

Wird eine Ein­la­ge in eine Per­so­nen­ge­sell­schaft über ein Dar­le­hen finan­ziert, ist für die Zuord­nung der ein­ge­gan­ge­nen Ver­bind­lich­keit zum Son­der­be­triebs­ver­mö­gen II zu berück­sich­ti­gen, dass der Anteil an einer Per­so­nen­ge­sell­schaft steu­er­recht­lich kein Wirt­schafts­gut dar­stellt, son­dern die Antei­le an den zum Gesell­schafts­ver­mö­gen gehö­ren­den Wirt­schafts­gü­tern ver­kör­pert (§ 39 Abs. 2 Nr. 1 Satz 2 AO) [27]. Dem­ge­mäß ist bei der Ver­an­las­sungs­prü­fung auch auf den Zusam­men­hang zu den Antei­len des Gesell­schaf­ters an den Wirt­schafts­gü­tern der Per­so­nen­ge­sell­schaft abzu­stel­len [28].

Nach die­sen Maß­stä­ben ist der durch die Ein­la­ge in die Per­so­nen­ge­sell­schaft begrün­de­te Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang zwi­schen den von der Ober­ge­sell­schaft gewähr­ten Dar­le­hen sowie dem dar­aus fol­gen­den Zins­auf­wand auf der einen Sei­te und der ‑nun­mehr über § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 EStG ver­mit­tel­ten- mit­un­ter­neh­me­ri­schen Betei­li­gung der Gesell­schaf­te­rin der Ober­ge­sell­schaft an der Per­so­nen­ge­sell­schaft auf der ande­ren Sei­te nicht dadurch weg­ge­fal­len ist, dass die nun­meh­ri­ge Gesell­schaf­te­rin der Ober­ge­sell­schaft ihren Kom­man­dit­an­teil an der Per­so­nen­ge­sell­schaft mit­tels Sach­ein­la­ge gegen Gewäh­rung von Gesell­schaf­ter­rech­ten in die Ober­ge­sell­schaft ein­ge­bracht hat.

Unter den Gege­ben­hei­ten des Streit­falls braucht der Bun­des­fi­nanz­hof nicht all­ge­mein dar­über zu ent­schei­den, ob bei Auf­wen­dun­gen für die Finan­zie­rung des Erwerbs von Antei­len an einer Ober­ge­sell­schaft, die zum Teil auch auf die mit­tel­bar gehal­te­ne Betei­li­gung an der Unter­ge­sell­schaft ent­fal­len, ein Vor­rang zuguns­ten der Zuord­nung zum Son­der­be­triebs­ver­mö­gen bei der Ober­ge­sell­schaft besteht [29] oder eine antei­li­ge Zurech­nung zu den Wirt­schafts­gü­tern der Ober- sowie der Unter­ge­sell­schaft mög­lich ist [30]. Die Betei­li­gung an der Per­so­nen­ge­sell­schaft als Unter­ge­sell­schaft stellt nach den den Bun­des­fi­nanz­hof bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt (§ 118 Abs. 2 FGO) das gesam­te Ver­mö­gen der Ober­ge­sell­schaft dar, die dane­ben kei­ne wei­te­re Geschäfts­tä­tig­keit aus­üb­te. Die Antei­le an den Wirt­schafts­gü­tern der Ober­ge­sell­schaft sind dem­nach iden­tisch mit den Antei­len an den Wirt­schafts­gü­tern der Per­so­nen­ge­sell­schaft. Die Begrün­dung eines geän­der­ten Zurech­nungs­zu­sam­men­hangs ist mit­hin von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 12. Okto­ber 2016 – I R 92/​12

  1. BFH, Beschluss vom 03.05.1993 – GrS 3/​92, BFHE 171, 246, BStBl II 1993, 616; BFH, Urteil vom 12.02.2014 – IV R 22/​10, BFHE 244, 560, BStBl II 2014, 621[]
  2. z.B. BFH, Urtei­le vom 14.01.2010 – IV R 86/​06, BFH/​NV 2010, 1096; vom 18.12 2001 – VIII R 27/​00, BFHE 197, 483, BStBl II 2002, 733[]
  3. BFH, Urtei­le vom 27.06.2006 – VIII R 31/​04, BFHE 214, 256, BStBl II 2006, 874; vom 03.03.1998 – VIII R 66/​96, BFHE 185, 422, BStBl II 1998, 383[]
  4. BFH, Urteil vom 30.03.1993 – VIII R 8/​91, BFHE 172, 19, BStBl II 1993, 864[]
  5. BFH, Urteil vom 03.02.2010 – IV R 59/​07, BFH/​NV 2010, 1492[]
  6. BT-Drs. 12/​1506, S. 171; Schmidt/​Wacker, EStG, 35. Aufl., § 15 Rz 613[]
  7. BFH, Urteil vom 09.12 2002 – VIII R 40/​01, BFHE 201, 180, BStBl II 2003, 294[]
  8. BGBl I 2006, 2878, BStBl I 2007, 28[]
  9. BFH, Urteil vom 24.04.1997 – IV R 60/​95, BFHE 183, 150, BStBl II 1997, 567[]
  10. vgl. BFH, Urtei­le vom 08.12 1994 – IV R 7/​92, BFHE 176, 555, BStBl II 1996, 264; vom 06.10.2004 – IX R 53/​01, BFHE 207, 466, BStBl II 2005, 383; BFH, Beschluss vom 06.11.2003 – IV ER ‑S- 3/​03, BFHE 207, 462, BStBl II 2005, 376; s.a. Seer, Steu­er und Wirt­schaft ‑StuW- 1992, 35, 45; Rät­ke in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 15 EStG Rz 615; Reiß in Kirch­hof, EStG, 15. Aufl., § 15 Rz 144b; Knob­be-Keuk, Bilanz- und Unter­neh­mens­steu­er­recht, 9. Aufl., S. 468; Bod­den, Finanz-Rund­schau ‑FR- 2002, 559, 564; Bin­ger, Der Betrieb ‑DB- 1992, 855[]
  11. BFH, Urteil vom 17.12 1997 – I R 34/​97, BFHE 185, 216, BStBl II 1998, 296; BFH, Urteil vom 14.03.2007 – XI R 15/​05, BFHE 217, 438, BStBl II 2007, 924[]
  12. so BFH, Urteil in BFHE 244, 560, BStBl II 2014, 621; s. für die Gewer­be­steu­er BFH, Urtei­le vom 22.01.2009 – IV R 90/​05, BFHE 224, 364; vom 06.09.2000 – IV R 69/​99, BFHE 193, 151, BStBl II 2001, 731; BFH, Beschluss vom 31.08.1999 – VIII B 74/​99, BFHE 189, 525, BStBl II 1999, 794; für eine voll­stän­di­ge Gleich­stel­lung s. Wacker in Habersack/​Hommelhoff [Hrsg.], Fest­schrift für Wulf Goe­t­te, 2011, S. 561, 581; Bod­den, FR 2002, 559, 564; Bor­de­win, DStR 1996, 1594, 1596[]
  13. so auch Schmidt/​Wacker, a.a.O., § 15 Rz 617; Rät­ke in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 15 EStG Rz 633; Reiß in Kirch­hof, a.a.O., § 15 Rz 345; Bäuml/​Meyer in Kanzler/​Kraft/​Bäuml, EStG, § 15 Rz 318; U. Förs­ter, DB 2011, 2570, 2571; Ley, Köl­ner Steu­er­dia­log ‑KÖSDI- 2010, 17148, 17154; Mückl, DB 2009, 1088, 1091; Beek­mann, Ertrag­steu­er­li­che Behand­lung der dop­pel­stö­cki­gen Per­so­nen­ge­sell­schaft, 2007, S. 49; Seer, StuW 1992, 35, 44[]
  14. Bran­den­berg, JbFSt 2006/​2007, 316, 322; Schul­ze zur Wie­sche, FR 1999, 14, 16 f.; Röd­der, StbJb 1994/​1995, 295, 303 f.; A. Söf­fing, DStZ 1993, 587, 590; ableh­nend für die Betei­li­gung an der Kom­ple­men­tä­rin der Unter­ge­sell­schaft G. Söf­fing, FR 1992, 185, 188[]
  15. BT-Drs. 12/​1108, S. 58[]
  16. BGBl I 1992, 297, BStBl I 1992, 146[]
  17. BFH, Beschluss vom 25.02.1991 – GrS 7/​89, BFHE 163, 1, BStBl II 1991, 691[]
  18. BT-Drs. 12/​1108, S. 58 f.[]
  19. so jedoch G. Söf­fing, FR 1992, 185, 188; Röd­der, StbJb 1994/​1995, 295, 303 f.; A. Söf­fing, DStZ 1993, 587, 590; vgl. auch Bran­den­berg, JbFSt 2006/​2007, 316, 322[]
  20. vgl. Ley, KÖSDI 2010, 17148, 17154 f.[]
  21. BFH, Urtei­le vom 20.09.2007 – IV R 68/​05, BFHE 219, 7, BStBl II 2008, 483; vom 28.01.1993 – IV R 131/​91, BFHE 170, 534, BStBl II 1993, 509; vom 08.11.1990 – IV R 127/​86, BFHE 163, 530, BStBl II 1991, 505; vgl. auch BFH, Urteil vom 18.12 1991 – XI R 42, 43/​88, BFHE 167, 347, BStBl II 1992, 585[][]
  22. BFH, Urteil vom 20.06.2000 – VIII R 57/​98, BFH/​NV 2001, 28; vgl. für zur Finan­zie­rung der gesell­schafts­ver­trag­li­chen Ein­la­ge­ver­pflich­tung ein­ge­gan­ge­ne Ver­bind­lich­kei­ten BFH, Urtei­le vom 09.04.1981 – IV R 178/​80, BFHE 133, 293, BStBl II 1981, 621; vom 27.11.1984 – VIII R 2/​81, BFHE 143, 120, BStBl II 1985, 323; vom 13.02.1996 – VIII R 18/​92, BFHE 180, 79, BStBl II 1996, 291; vgl. auch BFH, Urteil vom 30.06.1966 – VI 273/​65, BFHE 86, 576, BStBl III 1966, 582[][]
  23. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 143, 120, BStBl II 1985, 323; vom 24.07.1990 – VIII R 226/​84, BFH/​NV 1991, 588; vom 01.10.1996 – VIII R 44/​95, BFHE 182, 327, BStBl II 1997, 530; vom 10.06.1999 – IV R 21/​98, BFHE 189, 117, BStBl II 1999, 715; in BFHE 214, 256, BStBl II 2006, 874[][]
  24. vgl. BFH, Urteil in BFHE 182, 327, BStBl II 1997, 530[][]
  25. BFH, Urteil vom 13.10.1998 – VIII R 46/​95, BFHE 187, 425, BStBl II 1999, 357[][]
  26. BFH, Beschluss vom 29.09.2011 – IV B 55/​10, BFH/​NV 2012, 206; vgl. auch BFH, Urteil in BFHE 214, 256, BStBl II 2006, 874; BFH, Beschluss vom 09.01.2009 – IV B 25/​08, BFH/​NV 2009, 754[][]
  27. BFH (GrS), Beschluss in BFHE 163, 1, BStBl II 1991, 691; BFH, Urteil vom 04.03.2009 – I R 58/​07, BFH/​NV 2009, 1953[]
  28. vgl. U. Förs­ter, DB 2011, 2570, 2571 f.[]
  29. so Rät­ke in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 15 EStG Rz 633; Ley, KÖSDI 2010, 17148, 17154; Bran­den­berg, JbFSt 2006/​2007, 316, 322 f.[]
  30. so Prinz, FR 2013, 660, 662; Ste­ge­mann, DB 2012, 372, 376; U. Förs­ter, DB 2011, 2570, 2572; Mückl, DB 2009, 1088, 1092; Rau­pach, JbFSt 2006/​2007, 323, 324; vgl. auch Beek­mann, a.a.O., S. 47; Reiß in Kirch­hof, a.a.O., § 15 Rz 348; Wacker, JbFSt 2006/​2007, 329[]