Anschaf­fungs­kos­ten für ein fest­ver­zins­li­ches Wert­pa­pier – und der Über­preis

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung sämt­li­cher Ertrag­steu­er­se­na­te des Bun­des­fi­nanz­hofs ist der Begriff der Anschaf­fungs­kos­ten bei allen Ein­kunfts­ar­ten ein­heit­lich zu ver­ste­hen 1.

Anschaf­fungs­kos­ten für ein fest­ver­zins­li­ches Wert­pa­pier – und der Über­preis

Für den Bereich der Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen sind Anschaf­fungs­kos­ten anhand des über­trag­ba­ren Maß­stabs des § 255 HGB die Auf­wen­dun­gen, die geleis­tet wer­den, um einen Ver­mö­gens­ge­gen­stand zu erwer­ben, fer­ner die Neben­kos­ten und nach­träg­li­chen Anschaf­fungs­kos­ten 2.

Über dem Nenn­wert lie­gen­de Auf­wen­dun­gen für den Erwerb eines fest­ver­zins­li­chen Wert­pa­piers, die als umlauf­be­ding­te Unter­schieds­be­trä­ge zwi­schen Markt­preis und Nenn­wert gezahlt wer­den, sind nach der gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs danach Anschaf­fungs­kos­ten des Wert­pa­piers als dem erwor­be­nen Ver­mö­gens­ge­gen­stand, auch wenn der Über­preis auf einer Ände­rung des Kapi­tal­markt­zin­ses beruht und den Markt­preis des Papiers wider­spie­gelt 3.

Dies gilt auch, soweit bei im Pri­var­ver­mö­gen gehal­te­nen Wert­pa­pie­ren einer­seits die lau­fen­den Zins­ein­nah­men ver­steu­ert wer­den müs­senn, da der Über­preis in die Anschaf­fungs­kos­ten ein­geht, ande­rer­seits aber bei der Wei­ter­ver­äu­ße­rung der Wert­pa­pie­re Ver­äu­ße­rungs­ver­lus­te ent­ste­hen, die steu­er­lich der pri­va­ten Ver­mö­gens­sphä­re zuzu­ord­nen und außer­halb des Anwen­dungs­be­reichs der sons­ti­gen Ein­künf­te (§ 22 Nr. 2 i.V.m. § 23 EStG nicht ent­las­tend wir­ken. Hier­durch wird nicht das Gebot der Besteue­rung nach der steu­er­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit gemäß Art. 3 GG ver­letzt. Die unter­schied­li­che ein­kom­men­steu­er­recht­li­che Erfas­sung von Wert­stei­ge­run­gen im Betriebs- und Pri­vat­ver­mö­gen ‑und damit auch Wertverlusten‑, bei der Zuwäch­se und Min­de­run­gen des Ver­mö­gens­stamms im Pri­vat­ver­mö­gen auf Grund­la­ge des Dua­lis­mus der Ein­kunfts­ar­ten grund­sätz­lich außer Betracht blei­ben, ist indes nach der Recht­spre­chung des BVerfG mit dem Gleich­heits­satz ver­ein­bar ((s. BVerfG, Beschluss vom 07.07.2010 2 BvL 14/​02, 2 BvL 2/​04, 2 BvL 13/​05, BVerfGE 127, 1, BSt­Bl II 2011, 76 unter Rz 68 ff., 83).

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 30. Juni 2015 – VIII B 5/​14

  1. vgl. nur BFH, Beschluss vom 19.03.2014 – X R 28/​12, BFHE 245, 164, BSt­Bl II 2014, 629, unter Rz 96[]
  2. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 27.03.2007 – VIII R 62/​05, BFHE 217, 491, BSt­Bl II 2010, 159, unter II.b, m.w.N.[]
  3. BFH, Beschlüs­se vom 30.07.2002 – VIII B 23/​02, BFH/​NV 2002, 1574; vom 05.08.2005 – VIII B 133/​04, BFH/​NV 2005, 2187[]