Per­so­nal­ra­batt – Fahr­ver­güns­ti­gun­gen für die Ruhe­stands­be­am­ten der Bahn

Auf Fahr­ver­güns­ti­gun­gen, die die Deut­sche Bahn AG Ruhe­stands­be­am­ten des Bun­des­ei­sen­bahn­ver­mö­gens gewährt, ist gemäß § 12 Abs. 8 des Deut­sche Bahn Grün­dungs­ge­set­zes der Rabatt­frei­be­trag nach § 8 Abs. 3 EStG ent­spre­chend anwend­bar. Der Alters­ent­las­tungs­be­trag ist nicht auf steu­er­freie Ein­künf­te anwend­bar.

Per­so­nal­ra­batt – Fahr­ver­güns­ti­gun­gen für die Ruhe­stands­be­am­ten der Bahn

Bei den Fahr­ver­güns­ti­gun­gen han­delt es sich um Arbeits­lohn i.S. des § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 i.V.m. § 8 Abs. 1 EStG. Die Fahr­ver­güns­ti­gun­gen stel­len dem Grun­de nach jeweils geld­wer­te Vor­tei­le dar, die die Ruhe­stands­be­am­ten auf­grund ihres frü­he­ren Dienst­ver­hält­nis­ses erhal­ten 1.

Dabei konn­te es der Bun­des­fi­nanz­hof im hier ent­schie­de­nen Fall dahin­ste­hen las­sen, ob es sich bei den gewähr­ten Fahr­ver­güns­ti­gun­gen um Ver­sor­gungs­be­zü­ge i.S. des § 19 Abs. 2 EStG han­delt, da die Ein­nah­men jeden­falls nach § 8 Abs. 3 Satz 2 EStG steu­er­frei sind. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs setzt § 8 Abs. 3 EStG nicht vor­aus, dass der Sach­be­zug von dem Arbeit­ge­ber eines gegen­wär­ti­gen Dienst­ver­hält­nis­ses stam­men muss. Wer­den Sach­be­zü­ge für eine Beschäf­ti­gung gewährt und erfül­len sie damit den Lohn­be­griff, so fin­det § 8 Abs. 3 EStG viel­mehr unab­hän­gig davon Anwen­dung, ob es sich um einen Sach­be­zug aus einem gegen­wär­ti­gen, frü­he­ren oder zukünf­ti­gen Dienst­ver­hält­nis han­delt 2.

Erhält ein Arbeit­neh­mer auf Grund sei­nes Dienst­ver­hält­nis­ses Waren oder Dienst­leis­tun­gen, die vom Arbeit­ge­ber nicht über­wie­gend für den Bedarf sei­ner Arbeit­neh­mer her­ge­stellt, ver­trie­ben oder erbracht wer­den und deren Bezug nicht nach § 40 EStG pau­schal ver­steu­ert wird, so gel­ten als deren Wer­te abwei­chend von § 8 Abs. 2 EStG die um 4 % gemin­der­ten End­prei­se, zu denen der Arbeit­ge­ber oder der dem Abga­be­ort näch­stan­säs­si­ge Abneh­mer die Waren oder Dienst­leis­tun­gen frem­den Letzt­ver­brau­chern im all­ge­mei­nen Geschäfts­ver­kehr anbie­tet (§ 8 Abs. 3 Satz 1 EStG). Die sich nach Abzug der vom Arbeit­neh­mer gezahl­ten Ent­gel­te erge­ben­den Vor­tei­le sind steu­er­frei, soweit sie aus dem Dienst­ver­hält­nis ins­ge­samt 1.080 EUR im Kalen­der­jahr nicht über­stei­gen (§ 8 Abs. 3 Satz 2 EStG).

Für die Umstruk­tu­rie­rung der Deut­schen Bun­des­bahn sieht § 12 des Deut­sche Bahn Grün­dungs­ge­set­zes (DBGrG) Son­der­vor­schrif­ten vor. So gilt § 8 Abs. 3 EStG für die an die DB AG nach den Absät­zen 2 und 3 zuge­wie­se­nen Beam­ten und die Ruhe­stands­be­am­ten des frü­he­ren Son­der­ver­mö­gens Deut­sche Bun­des­bahn ent­spre­chend (§ 12 Abs. 8 DBGrG). Daher sind Fahr­ver­güns­ti­gun­gen, die die DB AG den ihr zuge­wie­se­nen Beam­ten bzw. den Ruhe­stands­be­am­ten des frü­he­ren Son­der­ver­mö­gens Deut­sche Bun­des­bahn gewährt, nach § 8 Abs. 3 EStG steu­er­be­güns­tigt. Dies gilt, obwohl in einem sol­chen Fall die Zuwen­dung nicht durch den Arbeit­ge­ber BEV, son­dern durch einen Drit­ten, DB AG, erfolgt und die Dienst­leis­tun­gen bzw. Pro­duk­te (Fahr­kar­te bzw. Beför­de­rungs­leis­tung) nicht zur Lie­fer- und Leis­tungs­pa­let­te des Arbeit­ge­bers BEV gehö­ren. Auch wenn die Beam­ten ihre Arbeits­leis­tung bei der DB AG erbrin­gen, ist das BEV und nicht die DB AG Arbeit­ge­ber, da nach § 12 Abs. 4 DBGrG trotz Zuwei­sung die Rechts­stel­lung sowie die Gesamt­ver­ant­wor­tung des bis­he­ri­gen Dienst­her­ren gewahrt blei­ben 3. Mit der Rege­lung des § 12 Abs. 8 DBGrG wird gewähr­leis­tet, dass die zuge­wie­se­nen Beam­ten den Rabatt­frei­be­trag behal­ten und mit den direkt bei der DB AG beschäf­tig­ten Ange­stell­ten und Arbei­tern gleich­ge­stellt wer­den 4.

Nach die­sen Grund­sät­zen ist im Streit­fall § 8 Abs. 3 Satz 2 EStG auf­grund der Son­der­vor­schrift des § 12 Abs. 8 DBGrG ent­spre­chend anwend­bar, so dass den Ruhe­stands­be­am­ten des BEV jeweils ein Rabatt­frei­be­trag in Höhe von 1.080 € zu gewäh­ren ist.

Aller­dings ist den Ruhe­stands­be­am­ten für die­se Fahr­preis­ver­güns­ti­gun­gen kein Alters­ent­las­tungs­be­trag nach § 24a EStG zu gewäh­ren.

Der Alters­ent­las­tungs­be­trag ist nach § 24a Sät­ze 1 und 5 EStG bis zu einem Höchst­be­trag im Kalen­der­jahr ein nach einem Pro­zent­satz ermit­tel­ter Betrag des Arbeits­lohns und der posi­ti­ven Sum­me der Ein­künf­te, die nicht sol­che aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit sind. Nach § 24a Satz 2 EStG blei­ben Ver­sor­gungs­be­zü­ge und Leib­ren­ten bei der Bemes­sung des Alters­ent­las­tungs­be­trags außer Betracht. Im Fall der Zusam­men­ver­an­la­gung von Ehe­gat­ten zur Ein­kom­men­steu­er ist die Rege­lung für jeden Ehe­gat­ten geson­dert anzu­wen­den (§ 24a Satz 4 EStG).

Aus Grün­den der Prak­ti­ka­bi­li­tät wird anstel­le der Ein­künf­te aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit der Arbeits­lohn der Berech­nung des Alters­ent­las­tungs­be­trags zugrun­de gelegt 5. Sinn und Zweck sowie Ent­ste­hungs­ge­schich­te des § 24a EStG gebie­ten es jedoch, nur sol­che (im Alter bezo­ge­nen) Ein­künf­te zu pri­vi­le­gie­ren, die nicht schon auf­grund ander­wei­ti­ger Bestim­mun­gen steu­er­be­güns­tigt oder gar von der Besteue­rung gänz­lich aus­ge­nom­men sind 6. Steu­er­freie Bezü­ge aus einem Arbeits­ver­hält­nis schei­den daher aus der Bemes­sungs­grund­la­ge aus 7. Nach § 8 Abs. 3 Satz 2 EStG steu­er­freie Ein­nah­men sind des­halb nicht im Rah­men des Alters­ent­las­tungs­be­trags nach § 24a EStG zu berück­sich­ti­gen.

Die vom Ruhe­stands­be­am­ten erziel­te Fahr­ver­güns­ti­gung ist damit kei­ne Bemes­sungs­grund­la­ge für die Berech­nung des Alters­ent­las­tungs­be­trags nach § 24a EStG. Auch im Übri­gen lagen im hier ent­schie­de­nen Fall kei­ne Ein­künf­te des Ruhe­stands­be­am­ten vor, die im Rah­men des Alters­ent­las­tungs­be­trags zu berück­sich­ti­gen wären. Die neben der Fahr­ver­güns­ti­gung erziel­ten Ver­sor­gungs­be­zü­ge des Klä­gers blei­ben nach §§ 24a Satz 2 Nr. 1, 19 Abs. 2 EStG außer Betracht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 26. Juni 2014 – VI R 41/​13

  1. vgl. BFH, Urteil vom 12.04.2007 – VI R 89/​04, BFHE 217, 555, BSt­Bl II 2007, 719[]
  2. BFH, Urteil vom 08.11.1996 – VI R 100/​95, BFHE 182, 61, BSt­Bl II 1997, 330[]
  3. vgl. hier­zu VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 26.01.1995 – 4 S 3368/​94; Gast-de Haan, DStR 1997, 1114[]
  4. BT-Drs. 12/​6269, 132[]
  5. BT-Drs. 7/​1470, 279[]
  6. vgl. BFH, Beschluss vom 06.08.1997 – VIII B 88/​96, BFH/​NV 1998, 168[]
  7. so auch die herr­schen­de Mei­nung in der Lite­ra­tur, vgl. Blümich/​Stuhrmann, § 24a EStG Rz 12; Schmidt/​Wacker, EStG, 33. Aufl., § 24a Rz 4; Frenz, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 24a Rz B9; Ble­schick in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 24a EStG Rz 16; Mel­ling­hoff in Kirch­hof, EStG, 13. Aufl., § 24a Rz 4[]