Bestands­kräf­ti­ge Steu­er­be­schei­de ‑und die Haf­tung des Geschäfts­füh­rers

Nach § 191 Abs. 1 Satz 1 AO kann durch Haf­tungs­be­scheid in Anspruch genom­men wer­den, wer kraft Geset­zes für eine Steu­er haf­tet (Haf­tungs­schuld­ner). Nach § 69 Satz 1 AO haf­ten u.a. die in § 34 AO bezeich­ne­ten Per­so­nen, soweit Ansprü­che aus dem Steu­er­schuld­ver­hält­nis (§ 37 Abs. 1 AO) in Fol­ge vor­sätz­li­cher oder grob fahr­läs­si­ger Ver­let­zung der ihnen auf­er­leg­ten Pflich­ten nicht oder nicht recht­zei­tig fest­ge­setzt oder erfüllt wer­den.

Bestands­kräf­ti­ge Steu­er­be­schei­de ‑und die Haf­tung des Geschäfts­füh­rers

Die Haf­tung umfasst nach § 69 Satz 2 AO auch die in Fol­ge der Pflicht­ver­let­zung zu zah­len­den Säum­nis­zu­schlä­ge. Nach § 34 Abs. 1 Satz 1 AO haben die gesetz­li­chen Ver­tre­ter juris­ti­scher Per­so­nen deren steu­er­li­che Pflich­ten zu erfül­len. Nach § 34 Abs. 1 Satz 2 AO haben sie ins­be­son­de­re dafür zu sor­gen, dass die Steu­ern aus den Mit­teln ent­rich­tet wer­den, die sie ver­wal­ten.

Soweit der Geschäfts­füh­rer im Revi­si­ons­ver­fah­ren der Auf­fas­sung ist, die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Inhaf­tung­nah­me gemäß §§ 69, 34 AO sei­en inso­weit nicht erfüllt, als die ange­führ­ten Steu­er­ver­bind­lich­kei­ten der GmbH nicht vor­lä­gen, ist ihm nicht zu fol­gen. Viel­mehr hat das Finanz­ge­richt ohne Rechts­feh­ler erkannt, dass die mate­ri­el­le Recht­mä­ßig­keit der Beschei­de über Steu­ern und Zin­sen, die der Inan­spruch­nah­me des Geschäfts­füh­rers zugrun­de lie­gen, inhalt­lich nicht mehr zu prü­fen sind, da der Geschäfts­füh­rer die unan­fecht­ba­ren Steu­er­fest­set­zun­gen wegen § 166 AO gegen sich gel­ten las­sen muss.

Gemäß § 166 AO hat eine gegen­über dem Steu­er­pflich­ti­gen unan­fecht­bar fest­ge­setz­te Steu­er neben einem Gesamt­rechts­nach­fol­ger auch der­je­ni­ge gegen sich gel­ten zu las­sen, der in der Lage gewe­sen wäre, den gegen den Steu­er­pflich­ti­gen erlas­se­nen Bescheid als des­sen Ver­tre­ter, Bevoll­mäch­tig­ter oder kraft eige­nen Rechts anzu­fech­ten. Das Haf­tungs­ver­fah­ren soll dem von § 166 AO erfass­ten Haf­tungs­schuld­ner kei­ne erneu­te Über­prü­fungs­mög­lich­keit hin­sicht­lich der Steu­er­fest­set­zun­gen ver­schaf­fen, weil er bereits zur Anfech­tung der Steu­er­fest­set­zung befugt war oder die­se bereits ‑erfolg­los- ange­foch­ten hat.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 6. April 2016 – I R 19/​14