Finanz­ge­richts­ver­fah­ren – und die ord­nungs­ge­mä­ße Revi­si­ons­be­grün­dung

Wen­det sich der Revi­si­ons­klä­ger gegen die mate­ri­el­le Sicht des Finanz­ge­richt, so hat er die Umstän­de zu bezeich­nen, aus denen sich die Rechts­ver­let­zung ergibt (§ 120 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. a FGO).

Finanz­ge­richts­ver­fah­ren – und die ord­nungs­ge­mä­ße Revi­si­ons­be­grün­dung

Das umfasst auch Anga­ben dazu, aus wel­chen Grün­den der Revi­si­ons­klä­ger das erst­in­stanz­li­che Urteil als unrich­tig erach­tet. Dem­ge­mäß gehört nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs zu einer ord­nungs­ge­mä­ßen Revi­si­ons­be­grün­dung u.a. die Aus­ein­an­der­set­zung mit den Grün­den des ange­foch­te­nen Finanz­ge­richt, Urteils.

Der Revi­si­ons­klä­ger muss neben der Rüge eines kon­kre­ten Rechts­ver­sto­ßes die Grün­de tat­säch­li­cher oder recht­li­cher Art ange­ben, die nach sei­ner Auf­fas­sung das erst­in­stanz­li­che Urteil als unrich­tig erschei­nen las­sen. Erfor­der­lich ist damit eine zumin­dest kur­ze Aus­ein­an­der­set­zung mit den Grün­den des ange­foch­te­nen Urteils, aus der zu erken­nen ist, dass der Revi­si­ons­klä­ger die Begrün­dung die­ses Urteils und sein eige­nes Vor­brin­gen über­prüft hat 1.

Der Revi­si­ons­klä­ger muss danach im Ein­zel­nen und in Aus­ein­an­der­set­zung mit der Argu­men­ta­ti­on des Finanz­ge­richt dar­tun, wel­che Aus­füh­run­gen der Vor­in­stanz aus wel­chen Grün­den unrich­tig sein sol­len 2.

Die vom Finanz­amt im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall vor­ge­leg­te Revi­si­ons­be­grün­dung ent­spricht die­sen Anfor­de­run­gen nicht. Das Finanz­amt bekun­det letzt­lich nur, dass es im Hin­blick auf die Anwen­dung des § 50d Abs. 9 Satz 1 Nr. 2 EStG ande­rer Auf­fas­sung ist. Den Aus­füh­run­gen des Finanz­amt, wonach "der Wort­laut der genann­ten Vor­schrift gera­de Fäl­le, in denen die Ein­künf­te im aus­län­di­schen Staat nur teil­wei­se besteu­ert wur­den", erfasst, fehlt jeg­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit der Argu­men­ta­ti­on der Vor­in­stanz (Ver­wen­dung des Begriffs "wenn" nicht aber "soweit").

Soweit das Finanz­amt auf die beim Bun­des­fi­nanz­hof anhän­gi­gen Revi­si­ons­ver­fah­ren sowie ein vom Bun­des­fi­nanz­hof aus­ge­setz­te Ver­fah­ren ver­weist, ergibt sich nichts ande­res. Damit ist den Begrün­dungs­an­for­de­run­gen, die an die Revi­si­on zu stel­len sind, nicht genügt. Der blo­ße Hin­weis auf ein ande­res Ver­fah­ren, selbst wenn dort über die­sel­be (kon­kre­te) Rechts­fra­ge zu ent­schei­den sein soll­te, reicht dafür nicht aus 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 9. März 2016 – I R 79/​14

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, s. die Nach­wei­se bei Gräber/​Ratschow, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., § 120 Rz 59, 65; Rüs­ken in Beermann/​Gosch, FGO § 120 Rz 172 f.[]
  2. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 20.08.2012 – I R 3/​12, BFH/​NV 2012, 1990; vom 07.04.2010 – I R 34/​06, BFH/​NV 2010, 1466, mit wei­te­ren Recht­spre­chungs­hin­wei­sen[]
  3. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 06.06.2006 – V R 8/​06, BFH/​NV 2006, 1852, m.w.N.[]