Gegenstand einer Schätzung nach § 162 Abs. 1, 2 der Abgabenordnung können nur quantitative Größen sein, nicht aber qualitative Besteuerungsmerkmale wie ganze Sachverhalte oder Tatsachenfragen1.
Wenn das Finanzgericht meint, es habe nicht ermitteln können, wie der Kläger die vom Vorprüfer vorgenommene Nachaktivierung bilanziell nachvollzogen habe, dann muss es zunächst erwägen, ob seiner Überzeugungsbildung ein abgesenktes Beweismaß zugrunde zu legen ist, und als ultima ratio nach den Grundsätzen über die Feststellungslast entscheiden2.
Bundesfinanzhof, Urteil vom 30. April 2025 – X R 12 -13/22
- BFH, Entscheidungen vom 20.07.2010 – X B 70/10, BFH/NV 2010, 2007, Rz 16; vom 10.02.2015 – V B 87/14, BFH/NV 2015, 662, Rz 11 f.; und vom 19.01.2017 – III R 28/14, BFHE 256, 403, BStBl II 2017, 743, Rz 17; offengelassen, aber in der Tendenz wohl ebenso BFH, Urteil vom 22.06.2006 – IV R 56/04, BFHE 214, 226, BStBl II 2006, 838, unter II. 3.[↩]
- zu dieser Stufenfolge bei der Überzeugungsbildung vgl. BFH, Urteil vom 16.11.2022 – X R 17/20, BFHE 279, 44, BStBl II 2023, 484, Rz 147, m.w.N.[↩]
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