Ter­mins­ver­le­gungs­an­trag – und der Anspruch des Klä­gers auf recht­li­ches Gehör

Nach § 155 FGO i.V.m. § 227 Abs. 1 ZPO kann das Gericht aus erheb­li­chen Grün­den auf Antrag oder von Amts wegen einen Ter­min auf­he­ben oder ver­le­gen. Lie­gen erheb­li­che Grün­de i.S. von § 227 ZPO vor und wer­den die­se dem Gericht bekannt, muss der Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung zur Gewähr­leis­tung des recht­li­chen Gehörs ver­legt werden.

Ter­mins­ver­le­gungs­an­trag – und der Anspruch des Klä­gers auf recht­li­ches Gehör

Sofern die eine Ter­mins­ver­le­gung recht­fer­ti­gen­den Umstän­de nicht offen­kun­dig sind, müs­sen sie aller­dings dem Gericht recht­zei­tig schlüs­sig und sub­stan­ti­iert dar­ge­legt wer­den [1]. Geschieht dies nicht, ist es nicht zu bean­stan­den, wenn das Gericht das Vor­lie­gen erheb­li­cher Grün­de für eine Ter­mins­ver­le­gung ver­neint [2].

Wel­che Grün­de als erheb­lich anzu­se­hen sind, rich­tet sich nach den Ver­hält­nis­sen des Ein­zel­falls. Der Pro­zess­stoff und die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se der Betei­lig­ten sind dabei eben­so zu berück­sich­ti­gen wie der Umstand, dass das Finanz­ge­richt im steu­er­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren die ein­zi­ge Tat­sa­chen­in­stanz ist und die Betei­lig­ten ein Recht dar­auf haben, ihre Sache in einer münd­li­chen Ver­hand­lung vor­zu­tra­gen [3]. Auch hat das Gericht im Rah­men sei­nes Ermes­sens Ter­min­wün­sche der Betei­lig­ten zu berück­sich­ti­gen; wegen des Grund­sat­zes der Ver­fah­rens­be­schleu­ni­gung gebührt der Ter­min­pla­nung des Gerichts aber in der Regel Vor­rang [4].

Eine nicht zu besei­ti­gen­de Ter­mins­über­la­ge­rung mit einem ande­ren Gerichts­ter­min stellt einen erheb­li­chen Grund dar, wenn die ande­re Sache vor­ran­gig ist [5]. Dies gilt nicht, wenn einer der Ter­mi­ne durch ein ande­res Mit­glied einer Sozie­tät oder Büro­ge­mein­schaft sach­ge­recht und zumut­bar wahr­ge­nom­men wer­den kann; im Ein­zel­fall kann auch die Ver­pflich­tung bestehen, einen kanz­lei­f­rem­den Ver­tre­ter zu bestel­len [6].

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Im hier ent­schie­de­nen Streit­fall wur­den jedoch kei­ne Umstän­de vor­ge­tra­gen, wel­che die Annah­me einer nicht beheb­ba­ren Ter­mins­kol­li­si­on tra­gen. Der Vor­sit­zen­de hat dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten R rund drei Wochen vor der anbe­raum­ten münd­li­chen Ver­hand­lung ohne Erfolg zu einem sub­stan­ti­ier­ten Vor­trag zur Ver­hin­de­rung sämt­li­cher Berufs­trä­ger der Kanz­lei auf­ge­for­dert. Des­halb konn­te das Finanz­ge­richt davon aus­ge­hen, dass kei­ne nicht zu behe­ben­de Ter­mins­kol­li­si­on vor­lag [7].

Nicht zu bean­stan­den war für den Bun­des­fi­nanz­hof im hier ent­schie­de­nen Fall auch die Annah­me des Finanz­ge­richts, dass eine Wahr­neh­mung des Ter­mins durch einen bis­lang nicht mit dem Fall ver­trau­ten Berufs­trä­ger der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten grund­sätz­lich in Betracht gekom­men wäre, denn beson­de­re Schwie­rig­kei­ten in recht­li­cher oder tat­säch­li­cher Hin­sicht wies der Streit­fall nicht auf.

Umstän­de, die das beson­de­re Inter­es­se an der Teil­nah­me eines bestimm­ten Bevoll­mäch­tig­ten an der münd­li­chen Ver­hand­lung recht­fer­ti­gen wür­den, hat die Klä­ge­rin nicht sub­stan­ti­iert vor­ge­tra­gen, son­dern ledig­lich im Nach­hin­ein ohne nähe­re Anga­ben behaup­tet, sie habe zu Rechts­an­walt R ein beson­de­res Ver­trau­ens­ver­hält­nis gehabt. Das genügt nicht [8].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 21. Okto­ber 2020 – VII B 119/​19

  1. vgl. etwa BFH, Beschluss vom 27.01.2010 – VIII B 221/​09; Gräber/​Herbert, Finanz­ge­richts­ord­nung, 9. Aufl., § 91 Rz 2, m.w.N.; vgl. auch BayVGH, Beschluss vom 08.11.2019 – 5 ZB 19.33789, Rz 15 bis 16[]
  2. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 15.11.2016 – VI R 48/​15, BFH/​NV 2017, 284, Rz 26, m.w.N.[]
  3. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 08.07.2015 – X R 41/​13, BFHE 250, 397, BStBl II 2016, 525, Rz 28[]
  4. vgl. BFH, Urteil in BFHE 250, 397, BStBl II 2016, 525, Rz 28; Beschluss des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts ‑OVG – des Lan­des Sach­sen-Anhalt vom 23.01.2018 – 2 L 103/​17 Rz 15 ff.[]
  5. vgl. etwa BFH, Urteil vom 05.12.1979 – II R 56/​76, BFHE 129, 297, BStBl II 1980, 208[]
  6. vgl. etwa BFH, Beschlüs­se in BFH/​NV 2017, 284, Rz 26, m.w.N.; und vom 23.08.2006 – V B 171/​04, BFH/​NV 2007, 67, Rz 16; BayVGH, Beschluss vom 08.11.2019 – 5 ZB 19.33789 Rz 11, m.w.N.[]
  7. vgl. zu einem ähn­li­chen Fall BFH, Beschluss in BFH/​NV 2017, 284, Rz 27[]
  8. vgl. etwa OVG Sach­sen-Anhalt, Beschluss vom 23.01.2018 – 2 L 103/​17, Rz 15 bis 19; BayVGH, Beschluss vom 22.03.1999 – 20 ZB 99.30901, Rz 2[]

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