Der unbe­rech­tig­te Steu­er­aus­weis – und die Haf­tung

Wer in einer Rech­nung einen Steu­er­be­trag geson­dert aus­weist, obwohl er zum geson­der­ten Aus­weis der Steu­er nicht berech­tigt ist (unbe­rech­tig­ter Steu­er­aus­weis), schul­det gemäß § 14c Abs. 2 Satz 1 UStG den aus­ge­wie­se­nen Betrag. Das Glei­che gilt nach § 14c Abs. 2 Satz 2 UStG, wenn jemand wie ein leis­ten­der Unter­neh­mer abrech­net und einen Steu­er­be­trag geson­dert aus­weist, obwohl er nicht Unter­neh­mer ist oder eine Lie­fe­rung oder sons­ti­ge Leis­tung nicht aus­führt.

Der unbe­rech­tig­te Steu­er­aus­weis – und die Haf­tung

Uni­ons­recht­lich beruht dies auf Art.203 der Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem (MwSt­Sys­tRL). Die Mehr­wert­steu­er wird danach von jeder Per­son geschul­det, die die­se Steu­er in einer Rech­nung aus­weist.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat hier­zu bereits ent­schie­den, dass der unbe­rech­tig­te Steu­er­aus­weis i.S. des § 14c Abs. 2 UStG nicht vor­aus­setzt, dass die Rech­nung alle in § 14 Abs. 4 UStG auf­ge­zähl­ten Pflicht­an­ga­ben auf­weist 1.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hält hier­an wei­ter fest. Ins­be­son­de­re bestehen ent­ge­gen Wey­mül­ler 2 kei­ne uni­ons­recht­li­chen Beden­ken. Denn Art.203 MwSt­Sys­tRL soll einer Gefähr­dung des Steu­er­auf­kom­mens ent­ge­gen­wir­ken, die sich aus dem Recht auf Vor­steu­er­ab­zug erge­ben kann 3. Dem trägt die Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs Rech­nung. Ein Fall eines irr­tüm­li­chen Steu­er­aus­wei­ses, der dem EuGH, Urteil Kara­ge­or­gou u.a. 4 ent­spre­chen könn­te, war im hier ent­schie­de­nen Fall nicht ersicht­lich. Auf die steu­er­straf­recht­li­che Beur­tei­lung kommt es nicht an. Auch im Fall eines unzu­tref­fen­den Steu­er­aus­wei­ses in gut­gläu­big erteil­ten Rech­nun­gen bedarf es bis zur Rech­nungs­be­rich­ti­gung der Steu­er­schuld nach § 14c UStG, um die Gefähr­dung des Steu­er­auf­kom­mens aus­zu­schlie­ßen. Dabei ergänzt § 14c UStG nicht bloß die Haf­tung nach § 71 AO, son­dern hat eigen­stän­di­gen Cha­rak­ter im Besteue­rungs­ver­fah­ren des Unter­neh­mers.

Auf die Fra­ge des Leis­tungs­wil­lens bei einer Rech­nung über eine erst noch zu erbrin­gen­de Leis­tung, der einer Steu­er­schuld nach § 14c Abs. 2 Satz 2 UStG ent­ge­gen­ste­hen könn­te, kommt es nach den für den Bun­des­fi­nanz­hof bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt (§ 118 Abs. 2 FGO) nicht an, da der Klä­ger mit sei­nem Hin­weis auf eine hier­zu mög­li­che Zeu­gen­ein­ver­nah­me nicht in der gebo­te­nen Form einen Ver­fah­rens- und Auf­klä­rungs­man­gel gerügt hat 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. Febru­ar 2019 – V R 68/​17

  1. BFH, Urteil vom 17.02.2011 – V R 39/​09, BFHE 233, 94, BSt­Bl II 2011, 734, Leit­satz 1[]
  2. Wey­mül­ler, Beck­OK UStG, 19. Ed., § 14c Rz 206 ff.[]
  3. EuGH, Urteil Ruse­des­p­red vom 11.04.2013 – C‑138/​12, EU:C:2013:233, Rz 24[]
  4. EuGH, Urteil Kara­ge­or­gou u.a. vom 06.11.2003 – C‑78/​02 bis – C‑80/​02, EU:C:2003:604[]
  5. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 23.10.2014 – V R 23/​13, BFHE 247, 480, BSt­Bl II 2015, 313, Leit­satz 2 zur erfor­der­li­chen Sub­stan­ti­ie­rung von Beweis­an­trä­gen[]
  6. vgl. BVerfGE 50, 287, 289 f.[]