Die Opti­ons­er­klä­rung des Klein­un­ter­neh­mers für nur einen Unter­neh­mens­teil

Ein Klein­un­ter­neh­mer kann mit einer nur für einen Unter­neh­mens­teil erstell­ten Umsatz­steu­er­erklä­rung nicht rechts­wirk­sam auf die Anwen­dung des § 19 Abs. 1 UStG ver­zich­ten.

Die Opti­ons­er­klä­rung des Klein­un­ter­neh­mers für nur einen Unter­neh­mens­teil

Die für Umsät­ze i.S. des § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG geschul­de­te Umsatz­steu­er wird von Unter­neh­mern, die im Inland oder in den in § 1 Abs. 3 UStG bezeich­ne­ten Gebie­ten ansäs­sig sind, nicht erho­ben, wenn der Umsatz zuzüg­lich der dar­auf ent­fal­len­den Steu­er im vor­an­ge­gan­ge­nen Kalen­der­jahr 17.500 € nicht über­stie­gen hat und im lau­fen­den Kalen­der­jahr 50.000 € vor­aus­sicht­lich nicht über­stei­gen wird (§ 19 Abs. 1 Satz 1 UStG).

Ein Unter­neh­mer, der die Vor­aus­set­zun­gen des § 19 Abs. 1 Satz 1 UStG erfüllt, weil er die dort genann­ten Umsatz­gren­zen nicht über­schrei­tet (sog. Klein­un­ter­neh­mer), hat gemäß § 19 Abs. 2 Satz 1 UStG die Mög­lich­keit, auf die Anwen­dung des § 19 Abs. 1 UStG zu ver­zich­ten. § 19 Abs. 2 UStG lau­tet: "Der Unter­neh­mer kann dem Finanz­amt bis zur Unan­fecht­bar­keit der Steu­er­fest­set­zung (§ 18 Abs. 3 und 4) erklä­ren, dass er auf die Anwen­dung des Absat­zes 1 ver­zich­tet. Nach Ein­tritt der Unan­fecht­bar­keit der Steu­er­fest­set­zung bin­det die Erklä­rung den Unter­neh­mer min­des­tens für fünf Kalen­der­jah­re. Sie kann nur mit Wir­kung von Beginn eines Kalen­der­jah­res an wider­ru­fen wer­den. Der Wider­ruf ist spä­tes­tens bis zur Unan­fecht­bar­keit der Steu­er­fest­set­zung des Kalen­der­jah­res, für das er gel­ten soll, zu erklä­ren."

Ein Ver­zicht auf die Besteue­rung als Klein­un­ter­neh­mer nach § 19 Abs. 2 Satz 1 UStG (sog. Opti­on zur Regel­be­steue­rung) kann von einem sog. Klein­un­ter­neh­mer dem Finanz­amt gegen­über auch in der Wei­se durch kon­klu­den­tes Ver­hal­ten erklärt wer­den, dass die­ser dem Finanz­amt auf einem für die Regel­be­steue­rung vor­ge­se­he­nen Vor­druck eine Umsatz­steu­er­erklä­rung ein­reicht, in wel­cher er die Umsatz­steu­er nach den all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten des Geset­zes berech­net und den Vor­steu­er­ab­zug gel­tend gemacht hat 1.

Bei der dies­be­züg­li­chen Wür­di­gung kommt es auf die Umstän­de des Ein­zel­falls an. Von ihnen hängt es ab, ob durch das Finanz­amt der Inhalt einer Steu­er­erklä­rung zwei­fels­frei zugleich als Erklä­rung zur Aus­übung des steu­er­recht­li­chen Gestal­tungs­rechts auf­ge­fasst wer­den darf oder ob dem Inhalt eine sol­che Bedeu­tung nicht zukommt 2.

In Zwei­fels­fäl­len muss das Finanz­amt den Klein­un­ter­neh­mer fra­gen, wel­cher Besteue­rungs­form er sei­ne Umsät­ze unter­wer­fen will 3. Die Besei­ti­gung etwa bestehen­der Zwei­fel ist wegen der erheb­li­chen Rechts­fol­gen, näm­lich der nach § 19 Abs. 2 Satz 2 UStG für min­des­tens fünf Kalen­der­jah­re gel­ten­den Bin­dung des Ver­zichts auf die Klein­un­ter­neh­mer­be­steue­rung, aus Grün­den der Rechts­si­cher­heit erfor­der­lich. Ver­blei­ben Zwei­fel, kann eine Opti­on zur Regel­be­steue­rung nicht ange­nom­men wer­den.

Da der § 19 UStG unter­fal­len­de Klein­un­ter­neh­mer ein ein­heit­li­ches Unter­neh­men (vgl. § 2 Abs. 1 Satz 2 UStG) betreibt, muss der Ver­zicht nach § 19 Abs. 2 Satz 1 UStG auf die Anwen­dung des § 19 Abs. 1 UStG für alle Umsät­ze i.S. des § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG des Unter­neh­mers, d.h. für das gesam­te Unter­neh­men, erklärt wer­den 4. Eine Ver­zichts­er­klä­rung, die sich auf ein­zel­ne Unter­neh­mens­tei­le beschränkt, ist daher umsatz­steu­er­recht­lich wir­kungs­los 5. Die für Umsät­ze i.S. des § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG geschul­de­te Umsatz­steu­er ist in einem sol­chen Fall nach § 19 Abs. 1 Satz 1 UStG nicht zu erhe­ben.

Eine Umsatz­steu­er­erklä­rung, aus der erkenn­bar der Ver­zicht auf die Nicht­er­he­bung der Steu­er nach § 19 Abs. 1 UStG abge­lei­tet wer­den soll, muss sich damit auf alle Tätig­kei­ten des Unter­neh­mers bezie­hen, weil der Erklä­rungs­emp­fän­ger nur dann zwei­fels­frei davon aus­ge­hen kann, dass das umsatz­steu­er­recht­li­che Rechts­ver­hält­nis durch das vom Unter­neh­mer aus­ge­üb­te Gestal­tungs­recht umge­stal­tet wer­den soll.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 24. Juli 2013 – XI R 31/​12

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 19.12.1985 – V R 167/​82, BFHE 145, 457, BSt­Bl II 1986, 420, unter II.1.b; vom 09.07.2003 – V R 29/​02, BFHE 202, 403, BSt­Bl II 2003, 904, unter II.2.b; Abschn. 19.2. Abs. 1 Satz 4 Nr. 2 Satz 2 UStAE[]
  2. vgl. BFH, Urteil in BFHE 145, 457, BSt­Bl II 1986, 420, unter II.1.b[]
  3. vgl. Abschn. 19.2. Abs. 1 Satz 4 Nr. 2 Satz 3 UStAE[]
  4. vgl. Sta­die in Rau/​Dürrwächter, Umsatz­steu­er­ge­setz, § 19 Rz 125; Fried­rich-Vache in Reiß/​Kraeusel/​Langer, UStG § 19 Rz 35; Möß­lang in Sölch/​Ringleb, Umsatz­steu­er, § 19 Rz 4, 29; Meu­rer, Neue Wirt­schafts-Brie­fe 2013, 2016, 2019; s. für einen von einem Insol­venz­ver­wal­ter erklär­ten Ver­zicht: BFH, Urteil vom 20.12.2012 – V R 23/​11, BFHE 240, 377, BSt­Bl II 2013, 334, Rz 9 ff.[]
  5. vgl. Nieu­wen­huis in Offerhaus/​Söhn/​Lange, § 19 UStG Rz 50; Möß­lang in Sölch/​Ringleb, a.a.O., § 19 Rz 4, 28 f.; Mey­er, EFG 2013, 259, 260[]