Haus­was­ser­an­schluss – und die Umsatz­steu­er

Das Legen eines Haus­was­ser­an­schlus­ses ist auch dann als „Lie­fe­rung von Was­ser” i.S. des § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i.V.m. Nr. 34 der Anla­ge 2 zum UStG anzu­se­hen, wenn die­se Leis­tung nicht von dem Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men erbracht wird, das das Was­ser lie­fert 1.

Haus­was­ser­an­schluss – und die Umsatz­steu­er

Die hier­bei erbrach­ten Leis­tun­gen unter­lie­gen daher dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz.

Nach § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG ermä­ßigt sich die Steu­er auf 7 % für die Lie­fe­run­gen, die Ein­fuhr und den inner­ge­mein­schaft­li­chen Erwerb der in der Anla­ge 2 zum UStG bezeich­ne­ten Gegen­stän­de.

Nr. 34 der Anla­ge 2 zum UStG lau­tet:

Was­ser, aus­ge­nom­men

aus Unter­pos. 2201 9000”

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on hat in sei­nem Urteil „Zweck­ver­band zur Trink­was­ser­ver­sor­gung und Abwas­ser­be­sei­ti­gung Tor­gau-West­el­bi­en” 2 ent­schie­den, dass Art. 12 Abs. 3 Buchst. a und Anhang H Kate­go­rie 2 der Sechs­ten Richt­li­nie 77/​388/​EWG des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern dahin aus­zu­le­gen sind, dass unter den Begriff „Lie­fe­run­gen von Was­ser” auch das Legen eines Haus­an­schlus­ses fällt, das in der Ver­le­gung einer Lei­tung besteht, die die Ver­bin­dung des Was­ser­ver­tei­lungs­net­zes mit der Was­ser­an­la­ge eines Grund­stücks ermög­licht 3. Da der Haus­an­schluss für die Was­ser­ver­sor­gung der All­ge­mein­heit unent­behr­lich sei, weil ohne den Haus­an­schluss dem Eigen­tü­mer oder Bewoh­ner des Grund­stücks kein Was­ser bereit­ge­stellt wer­den könn­te, fal­le er unter den Begriff „Lie­fe­run­gen von Was­ser” in Anhang H Kate­go­rie 2 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat zur Steu­er­ermä­ßi­gung für das Legen eines Haus­was­ser­an­schlus­ses als Lie­fe­rung von Was­ser in sei­nem Urteil vom 10.08.2016 4 ent­schie­den, dass

  • es auf die Fra­ge, ob es sich bei der Leis­tung um eine Lie­fe­rung eines Gegen­stan­des oder um eine sons­ti­ge Leis­tung (Dienst­leis­tung) han­delt, nicht ankommt 5,
  • es uner­heb­lich ist, ob der Leis­tungs­emp­fän­ger der Ver­le­gung des Haus­an­schlus­ses iden­tisch mit dem Leis­tungs­emp­fän­ger der Was­ser­lie­fe­run­gen ist 6 und
  • nicht nur das erst­ma­li­ge Legen eines Haus­an­schlus­ses, son­dern auch Arbei­ten zur Erneue­rung oder zur Redu­zie­rung von Was­ser­an­schlüs­sen unter die Steu­er­ermä­ßi­gung fal­len 7.

Eben­so uner­heb­lich ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 8, der sich der Bun­des­fi­nanz­hof anschließt, ob die Leis­tung von dem­sel­ben Unter­neh­mer erbracht wird, der das Was­ser lie­fert.

Aus­ge­hend davon hat in der Vor­in­stanz das Finanz­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg 9 zu Recht ange­nom­men, dass ‑ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung- die Anwen­dung des ermä­ßig­ten Steu­er­sat­zes nicht des­halb aus­schei­det, weil die Tief­bau­un­ter­neh­me­rin kein Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men ist. Ob die Leis­tun­gen der Tief­bau­un­ter­neh­me­rin als sons­ti­ge Leis­tun­gen mög­li­cher­wei­se teil­wei­se der Erneue­rung von Was­ser­an­schlüs­sen gedient haben könn­ten, ist eben­so uner­heb­lich.

Aus Rz 58 des BFH, Urteils in BFHE 255, 300, BSt­Bl II 2017, 590 ergibt sich eben­falls nichts ande­res, weil die hier zu beur­tei­len­den Leis­tun­gen der Tief­bau­un­ter­neh­me­rin nach den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt die Was­ser­lei­tung von der Grund­stücks­gren­ze bis ins Haus betref­fen und damit nicht dem Auf­bau und Betrieb einer leis­tungs­fä­hi­gen Was­ser­ver­sor­gung für den jewei­li­gen Zweck­ver­band gedient haben.

Soweit das Finanz­amt wei­ter aus­führt, die Finanz­ver­wal­tung sei gemäß Abschn. 12.1 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 UStAE i.V.m. dem BMF, Schrei­ben in BSt­Bl I 2009, 531 10 nach wie vor ande­rer Auf­fas­sung als die Recht­spre­chung, reicht eine der­ar­ti­ge Ver­wal­tungs­an­wei­sung zur Ein­schrän­kung des Anwen­dungs­be­reichs der Steu­er­ermä­ßi­gung nicht aus 11.

Soweit das Finanz­amt ‑wie bereits das BMF im Ver­fah­ren V R 61/​03- ein­wen­det, dass Nr. 34 der Anla­ge 2 zum UStG auf die Unter­pos. 2201 9000 des Zoll­ta­rifs ver­wei­se 12, hat sich der BFH bereits mit die­sem Argu­ment aus­ein­an­der­ge­setzt und aus­ge­führt, dar­aus kön­ne ein gesetz­li­cher Aus­schluss des Legens eines Haus­an­schlus­ses von der Steu­er­ermä­ßi­gung nicht her­ge­lei­tet wer­den 13. Die Aus­füh­run­gen des Finanz­amt gebie­ten nicht, von der dort geäu­ßer­ten Auf­fas­sung abzu­rü­cken.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 7. Febru­ar 2018 – XI R 17/​17

  1. Anschluss an BGH, Urteil vom 18.04.2012 – VIII ZR 253/​11, HFR 2012, 1110
  2. EuGH, EU:C:2008:184, BSt­Bl II 2009, 328
  3. EuGH, a.a.O., Leit­satz 2, Satz 1
  4. BFH, Urteil vom 10.08.2016 – XI R 41/​14, BFHE 255, 300, BSt­Bl II 2017, 590, Rz 56
  5. vgl. BFH, Urteil in BFHE 222, 176, BSt­Bl II 2009, 321, unter II. 3.d dd, Rz 59
  6. vgl. BFH, Urteil vom 08.10.2008 – V R 27/​06, BFHE 223, 482, BSt­Bl II 2009, 325, unter II. 3.c, Rz 39
  7. vgl. BGH, Urteil in HFR 2012, 1110, Rz 20
  8. vgl. BGH, Urteil in HFR 2012, 1110, Rz 18
  9. FG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 04.04.2017 – 2 K 2309/​15
  10. BMF, Schrei­ben in BSt­Bl I 2009, 531, Tz 1
  11. vgl. BFH, Urteil in BFHE 222, 176, BSt­Bl II 2009, 321, unter II. 3.d cc, Rz 57, m.w.N.; Lan­ge, HFR 2009, 167
  12. vgl. dazu auch Schra­der, Mehr­wert­steu­er­recht 2013, 115
  13. vgl. BFH, Urteil in BFHE 222, 176, BSt­Bl II 2009, 321, unter II. 3.d ee, Rz 60 und 62