Über­tra­gung imma­te­ri­el­ler Wirt­schafts­gü­ter

In sei­nem Swiss Re Ger­ma­ny Hol­ding-Urteil hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on 1 ent­schie­den, dass die Über­tra­gung von Lebens­rück­ver­si­che­rungs­ver­trä­gen eine sons­ti­ge Leis­tung und kei­ne Lie­fe­rung dar­stellt. Bei die­sen Ver­trä­gen han­de­le es sich zum einen nicht um kör­per­li­che Gegen­stän­de im Sin­ne des Arti­kels 5 Abs. 1 der 6. USt-Richt­li­nie (ent­spre­chend Arti­kel 14 Abs. 1 MwSt­Sys­tRL). Zum ande­ren sei die Über­tra­gung von Ver­trä­gen als Abtre­tung eines unkör­per­li­chen Gegen­stands nach Arti­kel 6 Abs. 1 Unter­abs. 2 1. Anstrich der 6. USt-Richt­li­nie (ent­spre­chend Arti­kel 25 Buchst. a MwSt­Sys­tRL) und damit als sons­ti­ge Leis­tung zu beur­tei­len.

Über­tra­gung imma­te­ri­el­ler Wirt­schafts­gü­ter

Die­ses Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on hat auch Aus­wir­kun­gen auf die Über­tra­gung ande­rer imma­te­ri­el­ler Wirt­schafts­gü­ter wie etwa eines Fir­men­werts oder eines Kun­den­stamms. Die Über­tra­gung sol­cher imma­te­ri­el­ler Wirt­schafts­gü­ter ist eben­falls eine sons­ti­ge Leis­tung im Sin­ne des § 3 Abs. 9 Satz 1 UStG.

Im Hin­blick auf die­se Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs hat daher das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen nun die Bestim­mun­gen in Abschnitt 3.1 Abs. 4 Satz 2 des Umsatz­steu­er-Anwen­dungs­las­ses ent­spre­chend ange­passt.

Danach gilt nun­mehr, dass als sons­ti­ge Leis­tun­gen ins­be­son­de­re in Betracht kom­men:


Die­se Ände­run­gen sind in allen noch offe­nen Fäl­len anzu­wen­den. Aus Ver­ein­fa­chungs­grün­den wird es jedoch nicht bean­stan­det, wenn der Unter­neh­mer die Über­tra­gung sol­cher imma­te­ri­el­ler Wirt­schafts­gü­ter, die vor dem 1. Juli 2011 vor­ge­nom­men wird, abwei­chend hier­von als Lie­fe­rung behan­delt (vgl. Abschnitt 24 Abs. 1 Satz 2 UStR 2008).

Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen, Schrei­ben vom 8. Juni 2011 – IV D 2 – S 7100/​08/​10009 :001 – (2011/​0413739)

  1. EuGH, Urteil vom 22.10.2009 – C‑242/​08, [Swiss Re Ger­ma­ny Hol­ding][]
  2. vgl. EuGH, Urteil vom 22. 10. 2009 – C‑242/​08[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 06.0 5. 2004 – V R 40/​02, BSt­Bl 2004 II S. 854; vom 07.0 7. 2005 – V R 34/​03, BSt­Bl 2007 – II S. 66; und vom 24. 08. 2006 – V R 19/​05, BSt­Bl 2007 II S. 187[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 13. 11. 2003 – V R 59/​02, BSt­Bl 2004 II S. 472[]