Ver­mie­tung von Feri­en­woh­nun­gen – und die Mar­gen­be­steue­rung als Rei­se­leis­tung

Die Ver­mie­tung von Feri­en­woh­nun­gen, die der Unter­neh­mer von ande­ren Unter­neh­mern ange­mie­tet hat, unter­liegt der Mar­gen­be­steue­rung nach § 25 UStG unter Anwen­dung des Regel­steu­er­sat­zes.

Ver­mie­tung von Feri­en­woh­nun­gen – und die Mar­gen­be­steue­rung als Rei­se­leis­tung

Nach § 25 Abs. 1 UStG gel­ten die nach­fol­gen­den Vor­schrif­ten für Rei­se­leis­tun­gen eines Unter­neh­mers, die nicht für das Unter­neh­men des Leis­tungs­emp­fän­gers bestimmt sind, soweit der Unter­neh­mer dabei gegen­über dem Leis­tungs­emp­fän­ger im eige­nen Namen auf­tritt und Rei­se­vor­leis­tun­gen in Anspruch nimmt. Die Leis­tung des Unter­neh­mers ist als sons­ti­ge Leis­tung anzu­se­hen. Erbringt der Unter­neh­mer an einen Leis­tungs­emp­fän­ger im Rah­men einer Rei­se meh­re­re Leis­tun­gen die­ser Art, so gel­ten sie als eine ein­heit­li­che sons­ti­ge Leis­tung. Der Ort der sons­ti­gen Leis­tung bestimmt sich nach § 3a Abs. 1 UStG. Rei­se­vor­leis­tun­gen sind Lie­fe­run­gen und sons­ti­ge Leis­tun­gen Drit­ter, die den Rei­sen­den unmit­tel­bar zugu­te kom­men.

Uni­ons­recht­lich beruht dies auf Art. 306 Abs. 1 MwSt­Sys­tRL. Danach wen­den die Mit­glied­staa­ten auf Umsät­ze von Rei­se­bü­ros die Mehr­wert­steu­er-Son­der­re­ge­lung die­ses Kapi­tels an, soweit die Rei­se­bü­ros gegen­über dem Rei­sen­den in eige­nem Namen auf­tre­ten und zur Durch­füh­rung der Rei­se Lie­fe­run­gen von Gegen­stän­den und Dienst­leis­tun­gen ande­rer Steu­er­pflich­ti­ger in Anspruch neh­men. Die­se Son­der­re­ge­lung gilt nicht für Rei­se­bü­ros, die ledig­lich als Ver­mitt­ler han­deln und auf die zur Berech­nung der Steu­er­be­mes­sungs­grund­la­ge Art. 79 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL anzu­wen­den ist.

Hier­zu hat der EuGH in sei­nem Urteil Alpen­cha­lets Resorts 1 ent­schie­den, dass nach Art. 306 ff. MwSt­Sys­tRL die blo­ße Über­las­sung einer von ande­ren Steu­er­pflich­ti­gen ange­mie­te­ten Feri­en­woh­nung durch ein Rei­se­bü­ro oder eine sol­che Über­las­sung einer Feri­en­woh­nung mit zusätz­li­chen, als Neben­leis­tun­gen ein­zu­stu­fen­den Leis­tungs­ele­men­ten unab­hän­gig von dem Stel­len­wert die­ser zusätz­li­chen Leis­tun­gen jeweils eine ein­heit­li­che Leis­tung dar­stellt, die der Son­der­re­ge­lung für Rei­se­bü­ros unter­liegt.

Der EuGH hat dies aus­drück­lich damit begrün­det, dass er ent­ge­gen den Beden­ken, die der Bun­des­fi­nanz­hof in sei­nem Vor­la­ge­be­schluss in BFHE 258, 558, BSt­Bl II 2018, 37 for­mu­liert hat, an sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung zu die­ser Son­der­re­ge­lung fest­hält.

Wür­den vom Anwen­dungs­be­reich von Art. 306 MwSt­Sys­tRL Leis­tun­gen eines Rei­se­bü­ros allein des­we­gen aus­ge­schlos­sen, weil sie nur die Unter­kunft umfas­sen, so führ­te das zu einer kom­ple­xen steu­er­li­chen Rege­lung, in der die anwend­ba­ren Mehr­wert­steu­er­vor­schrif­ten davon abhin­gen, wel­che Bestand­tei­le die dem Rei­sen­den ange­bo­te­nen Leis­tun­gen umfass­ten. Eine sol­che Steu­er­re­ge­lung wider­sprä­che den Zie­len der Richt­li­nie 2. Dem schließt sich der Bun­des­fi­nanz­hof an.

Nach Maß­ga­be die­ser Recht­spre­chung unter­liegt die Ver­mie­te­rin ent­ge­gen ihren Ein­wen­dun­gen somit als Rei­se­bü­ro i.S. von Art. 306 MwSt­Sys­tRL der Mar­gen­be­steue­rung, da sie eine Anmie­tung von Unter­künf­ten an Feri­en­or­ten ermög­lich­te. Der EuGH ist auf die gegen die Anwen­dung der Son­der­re­ge­lung bestehen­den Beden­ken nicht ein­ge­gan­gen. Es lie­gen auch kei­ne Anhalts­punk­te für Leis­tungs­be­zü­ge von Nicht­un­ter­neh­mern vor 3.

Die Steu­er­satz­er­mä­ßi­gung nach § 12 Abs. 2 Nr. 11 UStG kommt nicht in Betracht.

Nach § 12 Abs. 2 Nr. 11 UStG ermä­ßigt sich die Steu­er auf 7 % für die Ver­mie­tung von Wohn- und Schlaf­räu­men, die ein Unter­neh­mer zur kurz­fris­ti­gen Beher­ber­gung von Frem­den bereit­hält, sowie die kurz­fris­ti­ge Ver­mie­tung von Cam­ping­flä­chen.

Uni­ons­recht­li­che Grund­la­ge hier­für ist Art. 98 Abs. 1 MwSt­Sys­tRL. Danach kön­nen die Mit­glied­staa­ten einen oder zwei ermä­ßig­te Steu­er­sät­ze anwen­den. Die ermä­ßig­ten Steu­er­sät­ze sind gemäß Art. 98 Abs. 2 Unter­abs. 1 MwSt­Sys­tRL nur auf die Lie­fe­run­gen von Gegen­stän­den und die Dienst­leis­tun­gen der in Anhang – III genann­ten Kate­go­ri­en anwend­bar. Anhang – III Nr. 12 zur MwSt­Sys­tRL bezieht sich dabei auf die Beher­ber­gung in Hotels und ähn­li­chen Ein­rich­tun­gen, ein­schließ­lich der Beher­ber­gung in Feri­en­un­ter­künf­ten, und Ver­mie­tung von Cam­ping­plät­zen und Plät­zen für das Abstel­len von Wohn­wa­gen.

Hier­zu hat der EuGH in sei­nem Urteil Alpen­cha­lets Resorts 4 ent­schie­den, dass nach Art. 98 Abs. 2 MwSt­Sys­tRL die in der Beher­ber­gung in Feri­en­un­ter­künf­ten bestehen­de Dienst­leis­tung von Rei­se­bü­ros, die unter Art. 307 MwSt­Sys­tRL fällt, nicht dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz unter­lie­gen kann. Dem schließt sich der Bun­des­fi­nanz­hof an.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 27. März 2019 – V R 10/​19 (V R 60/​16)

  1. EU:C:2018:1032, Leit­satz 1[]
  2. EuGH, Urteil Alpen­cha­lets Resorts, EU:C:2018:1032, Rz 25[]
  3. EuGH, Urteil Alpen­cha­lets Resorts, EU:C:2018:1032, Rz 22[]
  4. EU:C:2018:1032, Leit­satz 2[]