Bedarfsbewertung bei der Veranlagung zur Grunderwerbsteuer

Ob nach § 138 Abs. 5 BewG i. d. F. vor 2007 „Bedarf“ für einen Grundbesitzwert-Feststellungsbescheid besteht bzw. ob dieser „erforderlich“ ist, entscheidet nicht die feststellende Bewertungsstelle beim Lage-Finanzamt, sondern die für die Besteuerung zuständige Stelle, ggf. … die Grunderwerbsteuerstelle, und zwar allein durch den verwaltungsinternen Vorgang der Anforderung des Grundbesitzwerts1.

Bedarfsbewertung bei der Veranlagung zur Grunderwerbsteuer

Es handelt sich um eine kraft Gesetzes zugewiesene sachliche Zuständigkeit. Insoweit gilt gemäß § 138 Abs. 5 i. d. F. vor 2007 nichts anderes als nach § 151 Abs. 1 BewG i. d. F. ab 20072.

Diese Regelung schließt es im Regelfall aus, im Rechtsmittelverfahren gegen einen Feststellungsbescheid – wie hier – die Steuerbarkeit betreffende materiell-rechtliche Einwände zu berücksichtigen. Ebenso wenig kommt es darauf an, ob oder wie das Lage-Finanzamt bzw. die Bewertungsstelle auf solche Einwände eingegangen ist; überobligatorische Hinweise, Stellungnahmen oder Sachprüfungen eröffnen kein weiteres Rechtsmittel3.

Das gilt insbesondere bei gegen den Bedarfswert nach § 8 Abs. 2 GrEStG gerichteten Einwänden, wie die Vertragslage auszulegen sei, was danach Steuergenstand sei (§ 1 GrEStG) oder wer danach Steuerschuldner sei (§ 13 GrEStG) und ob Verträgen eine Gegenleistung i. S. v. § 8 Abs. 1 GrEStG zu entnehmen sei – wie hier –4.

Ob ausnahmsweise etwas anderes gelten könnte, wenn die Anforderung des Grundbesitzwerts unvertretbar, objektiv willkürlich, völlig aus der Luft gegriffen oder offensichtlich nicht erforderlich wäre, kann dahinstehen, wenn dafür – wie hier – keine Anhaltspunkte bestehen5.

Im Übrigen darf die Grunderwerbsteuerstelle bei Einbringung eines Erbbaurechts an einem Krankenhaus-Grundstück – … ausdrücklich als Einlage gemäß § 272 Abs. 2 Nr. 4 HGB – in eine Gesellschaft z. B. bei null Erbbauzins § 8 Abs. 2 GrEStG anwenden6.

Finanzgericht Hamburg, Zwischenurteil vom 28. August 2014 – 3 K 134/13

  1. BFH, Beschluss vom 10.02.2011 – II S 39/10 (PKH), BFHE 232, 310, BStBl II 2011, 657[]
  2. vgl. Finanzgericht Münster, Urteile vom 22.08.2013 3 K 1558/13 F, Juris; 3 K 1557/13 F, Juris; 3 K 1556/13 F, EFG 2014, 328; Beschluss vom 30.07.2013 3 – V 1562/13 F, EFG 2013, 1738[]
  3. vgl. Finanzgericht Hamburg, Urteil vom 18.02.2014 3 K 257/13, Juris Rz. 87 m. w. N.[]
  4. vgl. Urteile Finanzgericht Köln vom 27.02.2013 4 K 1543/09, EFG 2013, 1302; Schleswig-Holsteinisches Finanzgericht vom 09.12.2010 2 K 144/09, Juris Rz. 18; BFH, Beschluss vom 16.06.2005 – II B 155/03, BFH/NV 2005, 2053[]
  5. Urteile BFH vom 24.05.2005 – II R 57/03, DStRE 2005, 1216, BFH/NV 2005, 1982; FG Hamburg vom 10.05.2006 3 K 216/05, EFG 2006, 1643, DStRE 2007, 846[]
  6. vgl. BFH, Urteil vom 17.10.2007 – II R 63/05, BFHE 218, 429, BStBl II 2008, 381, vorgehend FG Düsseldorf, Urteil vom 29.06.2004 – 3 K 4577/02 GE, EFG 2006, 757[]