Bio­kraft­stoff vor dem EuGH

Das Hes­si­sche Finanz­ge­richt hat im Rah­men eines sog. Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten wegen der seit dem 1.1.2007 gel­ten­den Rechts­la­ge zur Besteue­rung von Pflan­zen­öl als Bio­kraft­stoff nach dem Ener­gie­steu­er­ge­setz ange­ru­fen. Dabei geht es um die vol­le Besteue­rung die­ses Bio­kraft­stoff­an­teils in so genann­ten gemisch­ten Erzeug­nis­sen. Das sind Kraft­stof­fe, die zum einen aus Pflan­zen­öl als Bio­kraft­stoff und zum ande­ren aus her­kömm­li­chem Die­sel­kraft­stoff und Addi­ti­ven bestehen.

Bio­kraft­stoff vor dem EuGH

Beim Hes­si­schen Finanz­ge­richt klagt der­zeit ein Her­stel­ler, der einen – hier im Streit ste­hen­den – gemisch­ten Kraft­stoff für Die­sel­mo­to­ren aller Art ent­wi­ckelt hat. Das Unter­neh­men wehrt sich dage­gen, dass durch das Bio­kraft­stoff­quo­ten­ge­setz aus dem Dezem­ber 2006 die bis­he­ri­ge Steu­er­ent­las­tung für den Pflan­zen­öl­an­teil in dem gemisch­ten Kraft­stoff ab 1.1.2007 abge­schafft wur­de.

Die Kas­se­ler Rich­ter fra­gen in ihrem Beschluss beim EuGH an, ob die ent­spre­chen­de euro­päi­sche Richt­li­nie, mit der die Ver­wen­dung von Bio­kraft­stof­fen geför­dert wer­den soll, der vol­len Besteue­rung des bei­gemisch­ten Pflan­zen­öl­kraft­stoff­an­teils in Deutsch­land ent­ge­gen­steht. Die Kas­se­ler Rich­ter fra­gen den EuGH auch, ob nicht der deut­schen Rege­lung ab 01.01.2007 der gemein­schafts­recht­li­che Grund­satz der Rechts­si­cher­heit und des Ver­trau­ens­schut­zes ent­ge­gen­steht. Denn der deut­sche Gesetz­ge­ber dür­fe nur bei Vor­lie­gen ganz außer­ge­wöhn­li­cher Umstän­de das zur Umset­zung der euro­päi­schen Richt­li­nie geschaf­fe­ne steu­er­li­che För­der­sys­tem wäh­rend des zunächst fest­ge­schrie­be­nen Zeit­rau­mes ändern.

Hes­si­sches Finanz­ge­richt, Beschluss vom 8. Mai 2008 – 7 K 3015/​07