Das Inver­kehr­brin­gen von Arz­nei­mit­teln fürs Doping

Wegen Inver­kehr­brin­gen falsch gekenn­zeich­ne­ter Arz­nei­mit­tel gemäß § 95 Abs. 1 Nr. 3a i.V.m. § 8a AMG kann auch jemand ver­ur­teilt wer­den, der ledig­lich wirk­stoff­lo­se Ampul­len und Tablet­ten (Pla­ce­bos) inver­kehr gebracht hat. Sind die Arz­nei­mit­tel nicht in den Zugriffs­be­reich der Bestel­ler gelangt, ist das Inver­kehr­brin­gen nicht voll­endet. Inso­weit kommt nur ein ver­such­tes Ver­ge­hen in Betracht. Die Ver­wen­dung von Ana­bo­li­ka zur Leis­tungs­stei­ge­rung beim Body­buil­ding kann auch als Doping im Sport ange­se­hen wer­den.

Das Inver­kehr­brin­gen von Arz­nei­mit­teln fürs Doping

So hat der Bun­des­ge­richts­hof in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len ent­schie­den und ein Urteil des Land­ge­richts Mei­nin­gen auf­ge­ho­ben, weil das Inver­kehr­brin­gen nicht voll­endet war, da die Arz­nei­mit­tel nicht in den Zugriffs­be­reich der Bestel­ler gelangt waren. Hier hat­te der Ange­klag­te von Bul­ga­ri­en aus nach Bestel­lun­gen im Inter­net Ampul­len und Tablet­ten gegen Vor­kas­se an Bestel­ler in Deutsch­land ver­schickt. Die­se Prä­pa­ra­te ent­hiel­ten zum Teil die der Auf­ma­chung ent­spre­chen­den ana­bol-andro­ge­nen Ste­roi­de, zum Teil ande­re, zum Teil aber auch gar kei­ne Wirk­stof­fe (soge­nann­te Pla­ce­bos). Die Sen­dun­gen wur­den jeweils am inlän­di­schen Ziel­flug­ha­fen von der Zoll­be­hör­de sicher­ge­stellt. Das Land­ge­richt Mei­nin­gen 1 hat den Ange­klag­ten wegen Inver­kehr­brin­gens falsch gekenn­zeich­ne­ter Arz­nei­mit­tel gemäß § 95 Abs. 1 Nr. 3a i.V.m. § 8a AMG ver­ur­teilt, soweit die Ampul­len oder Tablet­ten kei­nen Wirk­stoff ent­hiel­ten. Im Übri­gen hat es vor allem Taten des Inver­kehr­brin­gens von Arz­nei­mit­teln zu Doping­zwe­cken im Sport gemäß § 95 Abs. 1 Nr. 2a i.V.m. § 6a AMG ange­nom­men.

Im zwei­ten Fall hat­te ein inter­na­tio­na­les Unter­neh­men auf­grund von Inter­net­wer­bung im Tat­zeit­raum unter ande­rem Ana­bo­li­ka an über 100.000 Bestel­ler in meh­re­ren Kon­ti­nen­ten ver­trie­ben und dabei einen Umsatz von mehr als 8,5 Mil­lio­nen Euro erzielt. Der Ange­klag­te war in lei­ten­der Posi­ti­on im Ver­triebs­be­reich des Unter­neh­mens betei­ligt. Das Land­ge­richt Bonn 2 hat ihm den orga­ni­sier­ten Ver­trieb der Ana­bo­li­ka als ein­heit­li­che Tat des Inver­kehr­brin­gens von Arz­nei­mit­teln zu Doping­zwe­cken im Sport zuge­rech­net. Dage­gen hat er Revi­si­on ein­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs sei im ers­ten Fall die die Ein­ord­nung der wirk­stoff­lo­sen Ampul­len und Tablet­ten (Pla­ce­bos) als Arz­nei­mit­tel nicht bean­stan­det. Er hat das Urteil auf­ge­ho­ben, weil das Inver­kehr­brin­gen nicht voll­endet war, da die Arz­nei­mit­tel nicht in den Zugriffs­be­reich der Bestel­ler gelangt waren. Inso­weit kom­me nach den bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen nur ein ver­such­tes Ver­ge­hen in Betracht (2 StR 535/​12).

Im zwei­ten Fall ist der Bun­des­ge­richts­hof der Auf­fas­sung gewe­sen, die Ver­wen­dung von Ana­bo­li­ka zur Leis­tungs­stei­ge­rung beim Body­buil­ding sei auch als Doping im Sport anzu­se­hen. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Bezug­nah­me in § 6a Abs. 2 Satz 1 AMG auf den zur Tat­zeit gel­ten­den Anhang des Über­ein­kom­mens gegen Doping vom 16. Novem­ber 1989, in dem die ver­bo­te­nen Wirk­stof­fe auf­ge­führt sind, gebil­ligt und sieht dar­in kei­nen Ver­stoß gegen das Bestimmt­heits­ge­bot aus Art. 103 Abs. 2 GG. Die Revi­si­on (2 StR 365/​12) wur­de ver­wor­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 18. Sep­tem­ber 2013 – 2 StR 535/​12 und 2 StR 365/​12

  1. LG Mei­nin­gen vom 05.07.2012 – 850 Js 23 281/​11 1 KLs[]
  2. LG Bonn vom 06.02.2012 – 920 Js 54/​11 – 27 KLs 5/​11[]