Die Gerichts­spra­che ist deutsch

Die Gerichts­spra­che ist deutsch, bestimmt § 184 GVG für alle deut­schen Gerich­te. und das gilt auch im Straf­ver­fah­ren, befand jetzt der Bun­des­ge­richts­hof und hob ein Straf­ur­teil wie­der auf, an dem eine Schöf­fin mit­ge­wirkt hat­te, die des Deut­schen nicht mäch­tig war.

Die Gerichts­spra­che ist deutsch

Dem Revi­si­ons­ur­teil des Bun­des­ge­richt lag ein Straf­ver­fah­ren vor dem Land­ge­richt Köln zugrun­de 1: Das Land­ge­richt Köln hat die Ange­klag­ten G. und K. wegen beson­ders schwe­ren Raubs jeweils zu einer Frei­heits­stra­fe von vier Jah­ren, den Ange­klag­ten A. wegen Bei­hil­fe zum beson­ders schwe­ren Raub zu einer Frei­heits­stra­fe von einem Jahr und sechs Mona­ten auf Bewäh­rung ver­ur­teilt. Nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts über­fie­len die Ange­klag­ten G. und K. zusam­men mit dem geson­dert Ver­folg­ten F. am 15. April 2009 den Pen­ny-Markt in Köln-Sürth. Sie bedroh­ten die Kas­sie­re­rin­nen mit einem Gas­re­vol­ver und erbeu­te­ten 1.445 €. Der Ange­klag­te A. war­te­te zusam­men mit dem nicht revi­die­ren­den Mit­an­ge­klag­ten C. im Flucht­fahr­zeug.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat heu­te das Urteil des Land­ge­richts Köln auf die Revi­sio­nen der Ange­klag­ten auf­ge­ho­ben, da die Straf­kam­mer mit einer der deut­schen Spra­che kaum mäch­ti­gen Schöf­fin nicht vor­schrifts­mä­ßig besetzt gewe­sen war, § 338 Nr. 1 StPO. Die Her­an­zie­hung einer nicht sprach­kun­di­gen Schöf­fin ver­stößt gegen den in § 184 S. 1 GVG fest­ge­leg­ten Grund­satz, dass die Gerichts­spra­che deutsch ist, und ver­letzt zudem auch den für den Straf­pro­zess in § 261 StPO gere­gel­ten Grund­satz der Unmit­tel­bar­keit der Ver­hand­lung.

Eine sprachun­kun­di­ge Schöf­fin ist – eben­so wie ein tau­ber oder blin­der Rich­ter – jeden­falls par­ti­ell unfä­hig, der Ver­hand­lung selbst zu fol­gen. Das Gerichts­ver­fas­sungs­ge­setz hat die inso­weit bis­her bestehen­de Rege­lungs­lü­cke durch Ein­fü­gung des seit dem 30. Juli 2010 gel­ten­den § 33 Nr. 5 GVG geschlos­sen. Danach sol­len Per­so­nen ohne hin­rei­chen­de Sprach­kennt­nis nicht zu Schöf­fen beru­fen wer­den und sind von der Schöf­fen­lis­te zu strei­chen. Die Teil­nah­me einer für die Schöf­fin her­an­ge­zo­ge­nen Dol­met­sche­rin für die rus­si­sche Spra­che an allen Bera­tun­gen der Straf­kam­mer begrün­det über­dies einen Ver­stoß gegen das Bera­tungs­ge­heim­nis des § 193 GVG.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Janu­ar 2011 – 2 StR 338/​10

  1. LG Köln, Urteil vom 04.11.2009 – 113 KLs 1/​09 41 Js 162/​09[]