Erpressung – und der Vermögensnachteil

Der Tatbestand der (qualifizierten) Erpressung setzt unter anderem voraus, dass der Täter dem Vermögen des Genötigten einen Nachteil zufügt, um sich oder einen Dritten zu Unrecht zu bereichern.

Erpressung – und der Vermögensnachteil

Ein Vermögensnachteil im Sinne des § 253 Abs. 1 StGB liegt vor, wenn die durch einen Vergleich aller geldwerten Güter abzüglich bestehender Verbindlichkeiten zu ermittelnde Vermögenslage des Genötigten bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise nach der Verfügung ungünstiger ist als zuvor (Prinzip der Gesamtsaldierung)1.

Zum Begriff des Vermögens zählt auch das Eigentum, der Besitz und der Gewahrsam an einer Sache2.

Auch an Sachen, die jemand aufgrund einer strafbaren Handlung besitzt, kann – unbeschadet ihrer Zweckbestimmung oder Bemakelung – eine Erpressung begangen werden3. Auch derjenige, der einen Rauschgifthändler oder einen Rauschgiftkurier mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zur Herausgabe von Drogen nötigt, um sich oder einen Dritten zu Unrecht zu bereichern, macht sich danach der räuberischen Erpressung schuldig4.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 16. August 2017 – 2 StR 344/15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 29.01.2013 – 2 StR 422/12, NStZ 2013, 711, 712; BGH, Urteil vom 02.02.2016 – 1 StR 437/15, NStZ 2016, 286, 287 []
  2. vgl. BGH, Urteil vom 17.11.1955 – 3 StR 234/55, BGHSt 8, 254, 256; Urteil vom 05.07.1960 – 5 StR 80/60, BGHSt 14, 386, 388 f.; Urteil vom 17.10.1961 – 1 StR 382/61, BGHSt 16, 280, 281 []
  3. vgl. BGH, Urteil vom 04.09.2001 – 1 StR 167/01, BGHR StGB § 253 Abs. 1 Vermögenswert 3; Beschluss vom 20.09.2005 – 3 StR 295/05, NJW 2006, 72, 73; BGH, Urteil vom 22.09.2016 – 2 StR 27/16, BGHSt 61, 263, 264; Urteil vom 07.12 2016 – 2 StR 522/15, NStZ-RR 2017, 111, 112 []
  4. vgl. BGH, Urteil vom 22.09.2016 – 2 StR 27/16, BGHSt 61, 263, 264 sowie BGH, Urteil vom 16.08.2017 – 2 StR 335/15 []