Fest­stel­lun­gen rechts­kräf­ti­ger frü­he­rer Urtei­le

Fest­stel­lun­gen rechts­kräf­ti­ger frü­he­rer Urtei­le kön­nen im Wege des Urkun­den­be­wei­ses gemäß § 249 Abs. 1 StPO in die neue Haupt­ver­hand­lung ein­ge­führt und ver­wer­tet wer­den.

Fest­stel­lun­gen rechts­kräf­ti­ger frü­he­rer Urtei­le

Der Tatrich­ter darf die­se Fest­stel­lun­gen aber nicht unge­prüft über­neh­men. Er kann jedoch nach dem Grund­satz der frei­en Beweis­wür­di­gung bei der Bil­dung sei­ner eige­nen, aus dem Inbe­griff der Haupt­ver­hand­lung geschöpf­ten Über­zeu­gung zumin­dest die Tat­sa­che berück­sich­ti­gen, dass die Rich­ter eines ande­ren Straf­ver­fah­rens zu einem bestimm­ten Beweis­ergeb­nis gekom­men sind 1.

Bean­stan­det jedoch ein Ver­fah­rens­be­tei­lig­ter die Rich­tig­keit der dort getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen, muss er prü­fen, ob die­se Bean­stan­dun­gen nach sei­ner Auf­fas­sung geeig­net sind, die dort gezo­ge­nen Schlüs­se zu erschüt­tern 2.

Nach die­sen Maß­stä­ben darf das Gericht allein aus dem Umstand, dass der Ange­klag­te die nicht rechts­kräf­ti­ge Ver­ur­tei­lung als sol­che zuge­stan­den, deren Inhalt jedoch ange­grif­fen hat, die dor­ti­gen Fest­stel­lun­gen nicht ohne wei­te­re Sach­prü­fung zu Guns­ten des Ange­klag­ten in die Gesamt­wür­di­gung ein­stel­len. Sei­ne Wer­tung, die "Ähn­lich­keit zum modus ope­ran­di", mit­hin (hier:) die regel­mä­ßi­ge Bedie­nung der durch Täu­schung im dor­ti­gen Ver­fah­ren erlang­ten Dar­le­hen durch Drit­te, spre­che dafür, dass der Ange­klag­te auch im hie­si­gen Ver­fah­ren davon aus­ging, die Finan­zie­rungs­ra­ten "zumin­dest für eine gewis­se Zeit" ent­rich­ten zu kön­nen, ent­behrt damit der not­wen­di­gen tat­säch­li­chen Grund­la­ge.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Dezem­ber 2018 – 2 StR 291/​18

  1. BGH, Beschluss vom 17.11.2000 – 3 StR 389/​00, NStZ-RR 2001, 138 f.; KK/​Diemer, StPO, 7. Aufl., § 249 Rn. 17[]
  2. BGH, Beschluss vom 03.06.1997 – 1 StR 183/​97, BGHSt 43, 106, 108; MeyerGoßner/​Schmitt, 61. Aufl., § 249 Rn. 9[]