Gefälsch­te Pre­paid-Kre­dit­kar­ten

Bei Pre­paid-Kre­dit­kar­ten han­delt es sich um taug­li­che Tat­ob­jek­te im Sin­ne des § 152b Abs. 4 StGB.

Gefälsch­te Pre­paid-Kre­dit­kar­ten

Die Vor­schrift erfasst Kre­dit-, Euro­scheck- und sons­ti­ge Kar­ten, die es ermög­li­chen, den Aus­stel­ler im Zah­lungs­ver­kehr zu einer garan­tier­ten Zah­lung zu ver­an­las­sen, sofern sie durch Aus­ge­stal­tung oder Codie­rung beson­ders gegen Nach­ah­mung gesi­chert sind. Der Anwen­dungs­be­reich der Vor­schrift ist auf sol­che Kar­ten beschränkt, die auch gegen­über ande­ren als dem Aus­stel­ler benutzt wer­den kön­nen 1.

Grund­le­gen­de Basis für das Kre­dit­kar­ten­ge­schäft bil­det die Zusa­ge einer garan­tier­ten Zah­lung im Inkas­so- oder Aus­füh­rungs­ver­hält­nis zwi­schen Ver­trags- und Kre­dit­kar­ten­un­ter­neh­men, wel­ches im "Drei-Part­ner-Sys­tem" in Form eines abs­trak­ten Schuld­ver­spre­chens des Kre­dit­kar­ten­un­ter­neh­mens aus­ge­stal­tet ist 2. Inhalt die­ses Ver­spre­chens ist der – unab­hän­gig von etwai­gen Ein­wen­dun­gen im Deckungs­ver­hält­nis zwi­schen Kre­dit­kar­ten­in­ha­ber und unter­neh­men gewähr­te – Aus­gleich sämt­li­cher gegen den Kre­dit­kar­ten­in­ha­ber bestehen­der For­de­run­gen des Ver­trags­un­ter­neh­mens durch das Kre­dit­kar­ten­un­ter­neh­men, sofern das Ver­trags­un­ter­neh­men die zwi­schen ihm und dem Kre­dit­kar­ten­un­ter­neh­men ver­ein­bar­ten Bedin­gun­gen (z.B. Vor­la­ge der Kre­dit­kar­te, Über­prü­fung der Unter­schrift, Erstel­lung eines Belas­tungs­be­legs, Online-Auto­ri­sie­rungs­an­fra­ge) ein­ge­hal­ten hat 3. Uner­heb­lich für den inten­dier­ten Ver­trau­ens­schutz ist dage­gen, ob das gegen­über dem Zah­lungs­emp­fän­ger abge­ge­be­ne Zah­lungs­ver­spre­chen des Kar­ten­aus­stel­lers im soge­nann­ten Deckungs­ver­hält­nis auf einer nach vor­he­ri­ger Boni­täts­prü­fung gewähr­ten garan­tier­ten Kre­dit­ge­wäh­rung des Aus­stel­lers gegen­über dem Kar­ten­in­ha­ber oder – wie bei Pre­paid-Kre­dit­kar­ten – auf einem durch Ein­zah­lung erlang­ten Gut­ha­ben beruht 4. Die für § 152b StGB rele­van­te Zah­lungs­ga­ran­tie im Valu­t­aver­hält­nis besteht daher bei Pre­paid-Kre­dit­kar­ten glei­cher­ma­ßen wie bei "klas­si­schen" Kre­dit­kar­ten. Zu Recht wird auch bei der ver­gleich­ba­ren auf­lad­ba­ren Geld­kar­te mit Chip ("elek­tro­ni­sche Geld­bör­se") die Anwend­bar­keit von § 152b StGB bejaht 5. Denn nach dem in der Vor­schrift zum Aus­druck kom­men­den Wil­len des Gesetz­ge­bers soll nicht die Art der Zah­lungs­kar­te, son­dern die Garan­tie des Kar­ten­aus­stel­lers maß­geb­lich sein, auf­grund derer der Zah­lungs­gläu­bi­ger bei Beach­tung ein­fa­cher for­ma­ler Regeln im Ver­hält­nis zum Kar­ten­in­ha­ber dar­auf ver­trau­en kann, dass der Kar­ten­aus­stel­ler für die For­de­rung ein­steht 6. Dem­nach kommt es nicht dar­auf an, ob der Kar­ten­ver­wen­der beim Aus­stel­ler auf­grund einer vor­he­ri­gen Boni­täts­prü­fung Kre­dit hat oder ein Gut­ha­ben unter­hält 7.

Nähe­rer Fest­stel­lun­gen zur tat­säch­li­chen Ver­wend­bar­keit der Kre­dit­kar­ten­fal­si­fi­ka­te sowie der bei­den wei­te­ren Total­fäl­schun­gen sind nicht erfor­der­lich. Denn es ist in der Recht­spre­chung aner­kannt, dass taug­li­ches Tat­ob­jekt des § 152b StGB auch ein Fal­si­fi­kat sein kann, das ledig­lich äußer­lich den Anschein einer Kar­te mit Garan­tie­funk­ti­on erweckt, aus tech­ni­schen Grün­den aber nur für Trans­ak­tio­nen ver­wen­det wer­den kann, bei denen kei­ne Garan­tie­funk­ti­on des (ver­meint­li­chen) Kar­ten­aus­stel­lers aus­ge­löst wird 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Okto­ber 2018 – 5 StR 153/​18

  1. BT-Drs. 15/​1720, S. 9[]
  2. Baumbach/​Hopt, HGB, 38. Aufl.2018, Teil 2, Abschn. V.07., Kap. 3 Rn. F 53; Rad­tke in Münch­Komm, StGB, 2. Aufl., § 266b Rn. 18[]
  3. Baumbach/​Hopt, aaO, Rn. F 32; Rad­tke in Münch­Komm, aaO, Rn. 15 mwN[]
  4. vgl. Stern­berg-Lie­ben in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., § 152a Rn. 3; Hell­mann in Achenbach/​Ransiek/​Rönnau, Hand­buch Wirt­schafts­straf­recht, 4. Aufl., 2015, 9. Teil, Kap. 2, Rn. 13[]
  5. Ruß in LK, StGB, 12. Aufl., § 152b Rn. 2; Erb in Münch­Komm, StGB, 3. Aufl., § 152b Rn. 6; Pup­pe/​Schumann in Kindhäuser/​Neumann/​Paeffgen, StGB, 5. Aufl., § 152b Rn. 11; Stern­berg-Lie­ben in Schönke/​Schröder, aaO, § 152b Rn. 2[]
  6. Erb in Münch­Komm, aaO, Rn. 5[]
  7. vgl. BT-Drs. 13/​8587, S. 30 zu § 152a aF[]
  8. vgl. BGH, Urtei­le vom 04.12 2013 – 2 StR 2/​13, NStZ 2014, 265; und vom 21.09.2000 – 4 StR 284/​00, NStZ 2001, 140[]