Geschwin­dig­keits­mes­sung durch Hin­ter­her­fah­ren zur Nacht­zeit

Aus den Fest­stel­lun­gen zur Mes­sung einer Geschwin­dig­keits­über­schrei­tung durch Hin­ter­her­fah­ren zur Nacht­zeit muss sich grund­sätz­lich auch erge­ben, an wel­chen äuße­ren Anzei­chen die Mess­be­am­ten die Ein­hal­tung des gleich­blei­ben­den Abstan­des zum gemes­se­nen Fahr­zeug erkannt haben. Sol­cher Fest­stel­lun­gen bedarf es aller­dings dann nicht, wenn sich das gemes­se­ne Fahr­zeug stän­dig im Licht­ke­gel des fol­gen­den Poli­zei­fahr­zeu­ges befand.

Geschwin­dig­keits­mes­sung durch Hin­ter­her­fah­ren zur Nacht­zeit

Bei einer Geschwin­dig­keits­mes­sung durch Nach­fah­ren han­delt es sich aller­dings nicht um ein stan­dar­di­sier­tes tech­ni­sches Ver­fah­ren im Sin­ne der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­ho­fes 1. Des­halb muss sich der Tatrich­ter in jedem Ein­zel­fall mit der Zuver­läs­sig­keit die­ser Mes­sung und der Ein­hal­tung der Ver­wert­bar­keits­vor­aus­set­zun­gen aus­ein­an­der­set­zen. Die Urteils­grün­de müs­sen erken­nen las­sen, dass er sich im kon­kre­ten Ein­zel­fall von der Zuver­läs­sig­keit der Mes­sung über­zeugt hat 2.

Vor­aus­set­zung für die Ver­wert­bar­keit einer Mes­sung durch Nach­fah­ren ist die Ein­hal­tung einer Min­dest­mess­stre­cke und eines gleich­blei­ben­den, nicht zu gro­ßen Abstan­des 3. Wird eine Geschwin­dig­keits­mes­sung durch Hin­ter­her­fah­ren aller­dings zur Nacht­zeit durch­ge­führt, so ver­langt die Recht­spre­chung grund­sätz­lich auch Fest­stel­lun­gen zur Sicht und zur Beleuch­tungs­si­tua­ti­on vor Ort, um die Zuver­läs­sig­keit der Mes­sung des stets gleich­blei­ben­den Abstan­des und der Mess­stre­cke nach­voll­zie­hen zu kön­nen 4. Dies gilt umso mehr, je grö­ßer der Abstand im Ein­zel­fall ist, ins­be­son­de­re bei Abstän­den von 100 m und mehr außer­halb geschlos­se­ner Ort­schaf­ten wer­den zum Teil ein­ge­hen­de Fest­stel­lun­gen zu den Sicht­ver­hält­nis­sen und zu even­tu­el­len Ori­en­tie­rungs­punk­ten zur Über­prü­fung der Mess­be­din­gun­gen ver­langt 5. Beträgt der Abstand indes deut­lich weni­ger als 100 m, so bedarf es sol­cher Fest­stel­lun­gen nur noch bei beson­ders ungüns­ti­gen Sicht­ver­hält­nis­sen 6. Selbst bei einem Abstand von 100 m inner­halb geschlos­se­ner Ort­schaft kann es aus­rei­chen, sich an den Schein­wer­fern des nach­fah­ren­den Poli­zei­fahr­zeu­ges zu ori­en­tie­ren, ohne dass es zusätz­li­cher Fest­stel­lun­gen zur übri­gen Beleuch­tung vor Ort bedürf­te 7.

Wei­te­rer Fest­stel­lun­gen zur Beleuch­tungs­si­tua­ti­on und zu Mar­kie­rungs­punk­ten auf der Mess­stre­cke bedurf­te es des­halb nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le im vor­lie­gen­den Fall nicht: Das ange­foch­te­ne Urteil stellt fest, dass der Abstand zwi­schen dem Fahr­zeug des Betrof­fe­nen und dem Poli­zei­fahr­zeug über eine Stre­cke von 500 m gleich­blei­bend nur 30 m betrug, sodass das Fahr­zeug des Betrof­fe­nen sich stän­dig im Licht­ke­gel des nach­fah­ren­den Poli­zei­fahr­zeu­ges befand 8. Bei dem gerin­gen Abstand von 30 m und den durch die Schein­wer­fer des fol­gen­den Poli­zei­fahr­zeu­ges sicher­ge­stell­te stän­di­ge Erkenn­bar­keit des ver­folg­ten Fahr­zeu­ges sind beson­de­re Fest­stel­lun­gen zum gleich­blei­ben­den Abstand zwi­schen bei­den Fahr­zeu­gen ent­behr­lich 9. Poli­zei­be­am­te in dem fol­gen­den Fahr­zeug kön­nen im Licht­ke­gel ihres Fahr­zeu­ges jeder­zeit erken­nen, ob sich der Abstand zum vor­aus­fah­ren­den Fahr­zeug ver­kürzt, ver­län­gert oder gleich bleibt.

Ein Sicher­heits­ab­schlag von 20 % bei der Mes­sung mit einem unge­eich­ten Tacho­me­ter ent­spricht den Grund­sät­zen der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung 10.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 11. März 2013 – 322 SsBs 69/​13

  1. vgl. OLG Hamm, VRR 2008, 432; OLG Jena, VRS Bd. 111, 195[]
  2. OLG Jena a. a. O[]
  3. OLG Jena a. a. O.; s. a. OLG Hamm NJW 2007,1298[]
  4. vgl. etwa OLG Hamm VRR 2012, 36[]
  5. so insb. OLG Hamm a. a. O. VRR 2012, 36; OLG Hamm VRS 113,112; OLG Hamm a. a. O. NJW 2007, 1298; ein­schrän­kend OLG Jena a. a. O.; OLG Düs­sel­dorf VRR 2008, 11[]
  6. vgl. OLG Köln DAR 2008, 654: 50 m[]
  7. vgl. OLG Jena a. a. O.[]
  8. vgl. zur Reich­wei­te moder­ner Schein­wer­fer­an­la­gen Daur in Hentschel/​König/​Daur, Stra­ßen­ver­kehrs­recht, 41. Aufl., § 50 StVZO Rdnr. 15[]
  9. eben­so OLG Köln a. a. O.[]
  10. vgl. OLG Hamm a.a.O. VRR 2012,36; OLG Jena und OLG Köln, jeweils a.a.O[]