Geset­zil­cher Mil­de­rungs­grund, min­der schwe­rer Fall, – und die Über­prü­fung der Straf­zu­mes­sung durch das Revi­si­ons­ge­richt

Die Straf­zu­mes­sung ist grund­sätz­lich Sache des Tat­ge­richts. Es ist sei­ne Auf­ga­be, auf der Grund­la­ge des umfas­sen­den Ein­drucks, den es in der Haupt­ver­hand­lung von der Tat und der Per­sön­lich­keit des Täters gewon­nen hat, die wesent­li­chen ent­las­ten­den und belas­ten­den Umstän­de fest­zu­stel­len, sie zu bewer­ten und hier­bei gegen­ein­an­der abzu­wä­gen.

Geset­zil­cher Mil­de­rungs­grund, min­der schwe­rer Fall, – und die Über­prü­fung der Straf­zu­mes­sung durch das Revi­si­ons­ge­richt

Ein Ein­griff des Revi­si­ons­ge­richts in die­se Ein­zel­ak­te der Straf­zu­mes­sung ist in der Regel nur mög­lich, wenn die Zumes­sungs­er­wä­gun­gen in sich feh­ler­haft sind, wenn das Tat­ge­richt gegen recht­lich aner­kann­te Straf­zwe­cke ver­stößt oder wenn sich die ver­häng­te Stra­fe nach oben oder unten von ihrer Bestim­mung löst, gerech­ter Schuld­aus­gleich zu sein 1.

Nur in die­sem Rah­men kann eine "Ver­let­zung des Geset­zes" (§ 337 Abs. 1 StPO) vor­lie­gen. Dage­gen ist eine ins Ein­zel­ne gehen­de Rich­tig­keits­kon­trol­le aus­ge­schlos­sen 2. Dabei kann im Rah­men der Straf­zu­mes­sung auch ein Vor­tat­ver­hal­ten berück­sich­tigt wer­den, wenn ein schuld­re­le­van­ter Zusam­men­hang mit der Tat besteht 3.

Im Rah­men der Straf­zu­mes­sung muss dabei, soweit das Gesetz einen min­der schwe­ren Fall – wie hier in § 213 StGB – vor­sieht und auch ein gesetz­lich ver­typ­ter Mil­de­rungs­grund – wie hier mit §§ 21, 49 Abs. 1 StGB – gege­ben ist, bei der Straf­rah­men­wahl gesetz­wür­di­gend zunächst geprüft wer­den, ob die all­ge­mei­nen Mil­de­rungs­grün­de die Annah­me eines min­der schwe­ren Fal­les tra­gen. Ist nach einer Abwä­gung aller Straf­zu­mes­sungs­um­stän­de das Vor­lie­gen eines min­der schwe­ren Fal­les abzu­leh­nen, sind in einem nächs­ten Schritt die den ver­typ­ten Straf­mil­de­rungs­grund ver­wirk­li­chen­den Umstän­de ein­zu­be­zie­hen. Erst wenn der Tatrich­ter danach wei­ter­hin kei­nen min­der schwe­ren Fall für gerecht­fer­tigt erach­tet, darf er im Rah­men sei­ner kon­kre­ten Straf­zu­mes­sung den (allein) wegen des gege­be­nen gesetz­lich ver­typ­ten Mil­de­rungs­grun­des gemil­der­ten Regel­straf­rah­men zu Grun­de legen 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Febru­ar 2017 – 1 StR 415/​16

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 17.09.1980 – 2 StR 355/​80, BGHSt 29, 319, 320; vom 07.02.2012 – 1 StR 525/​11, Rn. 17, BGHSt 57, 123, 127; und vom 12.01.2016 – 1 StR 414/​15, Rn. 12, NStZ-RR 2016, 107; jeweils mwN[]
  2. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 10.04.1987 – GSSt 1/​86, BGHSt 34, 345, 349; Urtei­le vom 12.01.2005 – 5 StR 301/​04, wis­tra 2005, 144; vom 07.02.2012 – 1 StR 525/​11, Rn. 17, BGHSt 57, 123, 127; und vom 12.01.2016 – 1 StR 414/​15, Rn. 12, NStZ-RR 2016, 107[]
  3. BGH, Urtei­le vom 16.04.2014 – 2 StR 608/​13, BfHR StGB § 225 Kon­kur­ren­zen 4; und vom 19.07.2000 – 2 StR 96/​00, BGHR StGB § 46 Abs. 2 Vor­le­ben 28; Beschluss vom 29.01.2013 – 4 StR 532/​12, NStZ-RR 2013, 170, 171[]
  4. st. Rspr.; vgl. zuletzt BGH, Beschluss vom 09.08.2016 – 1 StR 331/​16 mwN[]