Heim­tü­cke – und die von lan­ger Hand geplan­te Tat

Bei einer von lan­ger Hand geplan­ten und vor­be­rei­te­ten Tat kann das Heim­tü­cki­sche nach stän­di­ger Recht­spre­chung gera­de in den Vor­keh­run­gen lie­gen, die der Täter ergreift, um eine güns­ti­ge Gele­gen­heit zur Tötung zu schaf­fen, falls sie bei der Aus­füh­rung der Tat noch fort­wir­ken1.

Heim­tü­cke – und die von lan­ger Hand geplan­te Tat

In einem sol­chen Fall ist es daher nicht erfor­der­lich, dass die Getö­te­te im grund­sätz­lich maß­ge­ben­den Zeit­punkt des ers­ten mit Tötungs­vor­satz geführ­ten Angriffs2 noch arg­los war.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te der Angklag­te sein bei Fahrt­be­ginn arg­lo­ses Opfer nachts an einen Ort in nahe­zu unbe­wohn­ter Gegend brach­te, wo er es in einer schutz­lo­sen Lage angrei­fen konn­te. Er war zur Tötung sei­ner Freun­din auch bereits ent­schlos­sen, falls er sie – was ange­sichts der Vor­ge­schich­te über­aus nahe­lag – nicht für sich hät­te zurück­ge­win­nen kön­nen, und hielt hier­für die Tat­waf­fe bereit. Auf die unge­klärt geblie­be­ne Fra­ge, wann die­ser Vor­be­halt des Nicht­er­rei­chens des vor­ran­gi­gen außer­tat­be­stand­li­chen Ziels, unter dem sein Tat­plan stand, ent­fiel, kam es danach nicht an. Selbst wenn dies nicht schon beim Ver­las­sen des Fahr­zeugs gesche­hen sein soll­te, führ­ten sei­ne mit der Wahl von Tat­ort und ‑zeit für die Tat­aus­füh­rung getrof­fe­nen Vor­keh­run­gen beim Opfer zu einer vor­grei­fen­den und im Tat­zeit­punkt fort­wir­ken­den Erschwe­rung von Ver­tei­di­gungs­mög­lich­kei­ten, die der Ange­klag­te aus­nutz­te3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Novem­ber 2020 – 5 StR 124/​20

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 31.07.2018 – 5 StR 296/​18, BGHR StGB § 211 Abs. 2 Heim­tü­cke 42; Münch­Komm-StGB/­Schnei­der, aaO Rn. 172 mwN[]
  2. st. Rspr.; vgl. BGH, Urtei­le vom 04.07.1984 – 3 StR 199/​84, BGHSt 32, 382, 384; vom 09.01.1991 – 3 StR 205/​90, BGHR StGB § 211 Abs. 2 Heim­tü­cke 13; vom 16.02.2016 – 5 StR 465/​15, NStZ 2016, 405, 406 mwN; Münch­Komm-StGB/­Schnei­der, 3. Aufl., § 211 Rn. 170[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 06.05.2008 – 5 StR 92/​08, BGHR StGB § 211 Abs. 2 Heim­tü­cke 36[]

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