Kin­des­miss­brauch und sexu­el­le Nöti­gung – unter Aus­nut­zung einer schutz­lo­sen Lage

Für eine Anwen­dung des § 177 Abs. 1 Nr. 3 StGB reicht es nicht aus, dass der Täter die Abwe­sen­heit schutz­be­rei­ter Drit­ter, also der Mut­ter des Kin­des und deren Schwes­ter, zur Ver­wirk­li­chung der Tat aus­nutz­te.

Kin­des­miss­brauch und sexu­el­le Nöti­gung – unter Aus­nut­zung einer schutz­lo­sen Lage

Aus dem blo­ßen Allein­sein von Täter und kind­li­chem Opfer, das auf­grund sei­ner kon­sti­tu­tio­nel­len Lage kei­nen Wider­stand leis­ten kann, kann sich daher nicht schon eine schutz­lo­se Lage im Sin­ne von § 177 Abs. 1 Nr. 3 StGB erge­ben 1.

Viel­mehr ist zur Erfül­lung die­ses Tat­be­stands erfor­der­lich, dass die sexu­el­len Hand­lun­gen gegen den Wil­len des Opfers gesche­hen und das Opfer kei­nen Wider­stand leis­tet, weil es dies auf­grund sei­ner schutz­lo­sen Lage für aus­sichts­los hält 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. März 2016 – 2 StR 405/​15

  1. vgl. Fischer, StGB § 177 Rn. 29; Münch­Komm-BGB/­Ren­zi­kow­ski, StGB, 2. Aufl., § 177 Rn. 50
  2. vgl. BGH, Urteil vom 25.01.2006 – 2 StR 345/​05; BGHSt 50, 359, 366; Beschluss vom 24.02.2015 – 5 StR 12/​15, BGHR StGB § 176a Abs. 3 Kon­kur­ren­zen 1; Fischer, StGB § 177 Rn. 40