Lie­fer­ser­vice mit ver­such­tem Kuss­raub

Eine Per­son mit sexu­el­ler Moti­va­ti­on gegen sei­nen Wil­len zu berüh­ren und dadurch zu beläs­ti­gen, kann zu einer Geld­stra­fe von 90 Tages­sät­zen zu je 25 Euro füh­ren.

Lie­fer­ser­vice mit ver­such­tem Kuss­raub

So hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Lie­fer­ser­vice-Mit­ar­bei­ters ent­schie­den, der eine Kun­din ver­sucht hat zu küs­sen. Der Ange­klag­te lie­fer­te am 6. Janu­ar 2020 gegen 23:00 Uhr bei der 30jährigen Geschä­dig­ten in Mün­chen Essen eines asia­ti­schen Heim­ser­vice aus.

Der Ange­klag­te griff der Geschä­dig­ten an der Woh­nungs­tür mit der Hand an den Nacken und bedräng­te sie kör­per­lich, um sich sexu­ell zu erre­gen. Dabei zog der Ange­klag­te die Geschä­dig­te zu sich und ver­such­te sie zu küs­sen. Erst nach­dem die Geschä­dig­te den Ange­klag­ten kräf­tig von sich weg­ge­sto­ßen hat­te, ließ er von ihr ab. Der Vor­fall erzeug­te bei der Geschä­dig­ten ein so star­kes Ekel­ge­fühl, dass sie Aus­schlä­ge an den Armen erlitt, die über eine Woche anhiel­ten. Der Ange­klag­te bestritt über sei­nen Ver­tei­di­ger die Tat und mach­te wei­ter kei­ne Anga­ben zur Sache.

Nach Anga­ben des Arbeit­ge­bers habe er den Ange­klag­ten erst seit kur­zem auf Abruf beschäf­tigt. Nach­dem der gegen 22 Uhr Bestel­lung und Lie­fer­schein über­nom­men und nach Aus­lie­fe­rung gleich nach Hau­se gefah­ren sei, sei er gegen 22:30 Uhr von der Kun­din ange­ru­fen wor­den: Der Aus­fah­rer sol­le etwas getan haben. Die Kun­din, die bereits frü­her bei ihm bestellt habe, habe so viel gesagt. Er habe nichts ande­res zu tun gewusst, als sich zu ent­schul­di­gen. Als er den Ange­klag­ten tele­fo­nisch zur Rede gestellt habe, habe die­ser ihm gegen­über die Tat ver­neint. Gear­bei­tet habe der Ange­klag­te dann nicht mehr für ihn.

Wei­ter äußer­te die Zeu­gin, dass sie der Ange­klag­te bereits bei frü­he­ren Bestel­lun­gen belie­fert habe. „Es war nicht immer der Ange­klag­te, der das Essen gelie­fert hat, aber ich kann­te ihn schon. Ich hat­te vor­her nicht per­sön­li­chen Kon­takt, er hat nur das Essen gebracht. (…) Als ich das Essen in der Hand hat­te, hat er sei­ne Hand in den Nacken gelegt und hat mich an sich ran gezo­gen mit gespitz­ten Lip­pen. Ich habe ihn dann weg­ge­drückt (…) und ihn ange­brüllt, er soll sich ver­pis­sen und habe die Tür zuge­knallt. (…) Ich war nicht beim Arzt, weil ich es ken­ne in Stress­si­tua­tio­nen mit Ekel so zu reagie­ren.“ Der Chef habe gemeint, dass der Ange­klag­te sich nur einen Spaß habe erlau­ben wol­len. Sie habe sich in ihrer Woh­nung und auch wegen des heu­ti­gen Ter­mins sehr unsi­cher gefühlt. Sie habe erst am 15.01.20 Anzei­ge bei der Poli­zei erstat­tet, „…weil ja nichts pas­siert ist eigent­lich.“

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen deut­lich erklärt, dass aus sei­ner Sicht kei­ne Zwei­fel an der Glaub­wür­dig­keit der Zeu­gin bestehen. Die Zeu­gin hat ohne Belas­tungs­ei­fer und strin­gent mit ihrer vor­he­ri­gen Aus­sa­ge den Sach­ver­halt wie­der­ge­ge­ben. Die Zeu­gin hat auch über­zeu­gend – emo­tio­nal noch sicht­lich von dem Vor­fall beein­druckt – dar­ge­stellt, wie sie der Vor­fall ver­stört habe und wie sie sich schließ­lich durch­ge­run­gen habe, Anzei­ge zu erstat­ten. (…)

Er hat die geschä­dig­te Zeu­gin mit sexu­el­ler Moti­va­ti­on gegen ihren Wil­len berührt und dadurch beläs­tigt.

Für die­se Tat ist ein Straf­rah­men von einer Geld­stra­fe bzw. einer Frei­heits­stra­fe bis zu 2 Jah­ren vor­ge­se­hen. Im Rah­men des­sen spricht zuguns­ten des Ange­klag­ten, dass er bis­lang kei­ner­lei Vor­stra­fen hat. Er ist fami­li­är ein­ge­bun­den und geht sei­ner Arbeit nach. Bis­lang lief auch sein Arbeits­le­ben ohne Bean­stan­dun­gen.

Aller­dings spricht zulas­ten des Ange­klag­ten, dass er hier sei­ne beruf­li­che Stel­lung aus­ge­nutzt hat. Bei einem Lie­fer­ser­vice ist der Kun­de dar­auf ange­wie­sen, dass das Essen ihm direkt an der Haus­tür über­ge­ben wird. Ins­be­son­de­re abends steht man dabei als Kun­de regel­mä­ßig allei­ne dem Lie­fe­ran­ten gegen­über. Die­se Situa­ti­on hat der Ange­klag­te aus­ge­nutzt. Die geschä­dig­te Zeu­gin lei­det heu­te noch an psy­cho­so­ma­ti­schen Aus­wir­kun­gen der Tat.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 21. Sep­tem­ber 2020 – 811 Cs 454 Js 127028/​20

Lieferservice mit versuchtem Kussraub