Sit­zen­blei­ben beim Ein­tritt des Gerichts

Erhebt sich der Ange­klag­te nach einer Sit­zungs­pau­se beim Wie­der­ein­tritt des Gerich­tes nicht, stellt dies in der Regel kei­ne Unge­bühr nach § 178 Abs. 1 GVG dar.

Sit­zen­blei­ben beim Ein­tritt des Gerichts

Nach über­wie­gen­der Auf­fas­sung, der sich hier auch das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he anschließt, kann zwar das Sit­zen­blei­ben eines Ange­klag­ten grund­sätz­lich einer Unge­bühr im Sin­ne des § 178 GVG Abs. 1 dar­stel­len. Dies gilt jedoch nicht unein­ge­schränkt.

Wie bereits der Wert­ent­schei­dung des Richt­li­ni­en­ge­bers zu ent­neh­men ist, haben sich sämt­li­che Anwe­sen­den (ledig­lich) beim Ein­tritt des Gerichts zu Beginn der Sit­zung, bei der Ver­ei­di­gung von Zeu­gen und Sach­ver­stän­di­gen und bei der Ver­kün­dung der Urteils­for­mel von ihren Plät­zen zu erhe­ben (Nr. 124 Abs. 2 Satz 2 RiSt­BV).

Die­se Vor­ga­ben, an die die Gerich­te nicht gebun­den sind, wur­den von der Recht­spre­chung letzt­lich über­nom­men:1

Dem­ge­gen­über stellt das blo­ße Sit­zen­blei­ben beim Ein­tre­ten des Gerichts nach vor­an­ge­gan­ge­ner Sit­zungs­pau­se nur dann eine Unge­bühr im Sin­ne des § 178 Abs. 1 GVG dar, wenn wei­te­re objek­ti­ve Umstän­de hin­zu­tre­ten, was vor­lie­gend nicht der Fall war. Unge­bühr­lich wird ein sol­ches Ver­hal­ten auch nicht dadurch, dass die Vor­sit­zen­de den Ange­klag­ten auf­ge­for­dert hat­te, sich von sei­nem Platz zu erhe­ben. Denn hier­zu war er nicht ver­pflich­tet, mag es auch ver­brei­tet üblich sein. Anders als zu Beginn der Sit­zung stellt deren Fort­set­zung nach einer Pau­se näm­lich kei­nen beson­de­ren Ver­fah­rens­ab­schnitt dar, der einer Ver­deut­li­chung durch die äuße­re Form des Auf­ste­hens der im Sit­zungs­saal Anwe­sen­den bedarf4.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 5. Janu­ar 2015 – 2 Ws 448/​14

  1. LR-Wickern, StPO, 26. Aufl., § 178 GVG Rn. 15; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 57. Aufl., § 178 GVG Rn. 3; kri­tisch AnwK-StPO/Pü­schel, StPO, 2. Aufl., § 178 GVG Rn. 3; Kissel/​Mayer, GVG, 7. Aufl., § 178 Rn. 15; gänz­lich ableh­nend SK-StPO/­Vel­ten, StPO, 4. Aufl., § 178 GVG Rn. 4
  2. OLG Koblenz NStZ 1984, 234
  3. OLG Stutt­gart NJW 1969, 627, OLG Cel­le NStZ-RR 2012, 119; OLG Bran­den­burg wis­tra 2014, 79
  4. OLG Saar­brü­cken Stra­Fo 2007, 208